Fussball

VSG Altglienicke statt Eintracht Norderstedt

| Lesedauer: 4 Minuten
Frank Best
Der Ex-Norderstedter Linus Meyer (r.) wurde einem Millionenpublikum bekannt, als er in der Serie 2018/2019 mit dem SV Rödinghausen in der zweiten Runde des DFB-Pokals auf den FC Bayern München traf.

Der Ex-Norderstedter Linus Meyer (r.) wurde einem Millionenpublikum bekannt, als er in der Serie 2018/2019 mit dem SV Rödinghausen in der zweiten Runde des DFB-Pokals auf den FC Bayern München traf.

Foto: André Vogt

Der von den hiesigen Fans als Fußballgott verehrte Linus Meyer will sich in Berlin den Traum vom Aufstieg in die 3. Liga erfüllen.

Norderstedt. Die Fans der Fußballer von Eintracht Norderstedt haben es zurzeit nicht leicht. Der letzte Punktspielauftritt der Elf von Trainer Jens Martens in der Regionalliga Nord, das 0:0 gegen den SC Weiche Flensburg 08, datiert vom 8. März. Wegen der Corona-Pandemie wird es bis auf weiteres keine Viertliga-Partien mehr geben. Und wann die Saison 2020/2021 genau gestartet wird, steht in den Sternen – da sind Entzugserscheinungen programmiert.

Der vielleicht härteste Schlag für die Eintracht-Anhänger: Es wird kein Comeback des von ihnen als Fußballgott verehrten Linus Meyer (28) in Norderstedt geben. Der offensive Mittelfeldspieler, der nach dem überraschenden Aufstiegs-Verzicht des westdeutschen Regionalligisten SV Rödinghausen in die
3. Liga auf Vereinssuche war, hat einen Zwei-Jahres-Vertrag bei der Volkssport Gemeinschaft Altglienicke (Regionalliga Nordost) in Berlin unterschrieben.

Kaderplanung ist abgeschlossen

„Wir hätten Linus gern zurückgeholt, aber der Transfer ließ sich einfach nicht realisieren“, sagte Eintracht-Präsident und -Manager Reenald Koch, „zum einen aus finanziellen, zum anderen aus konzeptionellen Gründen.“ Dass der Deal mit Meyer nicht zustande kam, ist für Koch indes kein Drama; er hat seine Kaderplanung für die kommende Serie mit den Verpflichtungen des rechten Außenbahnspielers Nick Gutmann (23/bislang FC Teutonia 05) und von Schlussmann Marcel Kindler (38/Niendorfer TSV) abgeschlossen.

Nick Gutmann und Marcel Kindler kommen

Gutmann wurde neun Jahre lang in der Jugend von Werder Bremen ausgebildet und kam über den FC Oberneuland und den Lüneburger SK, für den er 28 Regionalliga-Partien bestritt, nach Hamburg. In der Oberliga-Saison 2019/2020 erzielte er in 23 Spielen 13 Tore. Kindler verfügt mit 475 Oberliga-Einsätzen über eine immense Erfahrung und ist als dritter Keeper der Regionalliga-Mannschaft vorgesehen. Außerdem wird er das Torwarttraining von der U 16 bis zur U 19 übernehmen.

„Ich wollte unbedingt zu einem Verein wechseln, der mir die 3. Liga als Perspektive bietet“, sagte Linus Meyer, der in den Nachwuchsabteilungen des Niendorfer TSV und des SC Concordia ausgebildet wurde und zwischen 2010 und 2018 für Eintracht Norderstedt kickte, „außerdem ist mir wichtig, dass ich unter Profibedingungen trainieren kann.“

Beides war beim SV Rödinghausen, bis zum Corona-Abbruch mit zehn Punkten Vorsprung Tabellenführer der Regionalliga West, zunächst der Fall. „Und der Plan wäre auch perfekt aufgegangen“, so Meyer. Doch dann entschieden die SVR-Verantwortlichen, das Unternehmen
3. Liga quasi aus heiterem Himmel abzublasen. „Mir hat bis heute niemand erklären können, wieso der Club einen immensen Aufwand betrieben, viele gute Spieler geholt und eine ganze Menge Geld in die Hand genommen hat, um dann einen Rückzieher zu machen. Das war schon eine herbe Enttäuschung.“

Hohe Auflagen für Drittligisten

Falsche Versprechungen sind überhaupt nicht das Ding von Reenald Koch. Deshalb spielte er in den Gesprächen mit Linus Meyer von Beginn an mit offenen Karten. „Der Deutsche Fußball-Bund fordert in seinen Auflagen von den Vereinen in der dritthöchsten Klasse ein Stadion mit einem Fassungsvermögen mit 10.000 Zuschauern. Das haben wir nicht, und damit war das Thema 3. Liga von vornherein vom Tisch.“

Nicht so bei der VSG Altglienicke, die in der Bundeshauptstadt im Fall des Falles einen geeigneten Spielort finden dürfte. „Es sieht ganz danach aus, dass es in dieser Saison nicht zum Aufstieg reichen wird“, so Meyer, „aber in der neuen Serie werden wir den nächsten Anlauf starten.“ In einer Staffel mit bis zu
23 Mannschaften – und gegen hochkarätige Konkurrenz. „Es könnte schließlich noch der eine oder Kracher aus der 3. Liga runterkommen.“

Für die kommenden Aufgaben fühlt sich Linus Meyer gut gerüstet. „Ich bin durch die lange Corona-Pause ausgeruht und stecke voller Tatendrang.“ Den Kontakt nach Norderstedt will er aufrechterhalten, Besuche im Edmund-Plambeck-Stadion dürften indes seltener werden: „Berlin ist halt ein ganzes Stück weiter entfernt als Osnabrück.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport