Corona-Pandemie

Stadt Norderstedt und Vereine verabreden Testphase

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Frank Best
Die Geschäftsführer Tobias Claßen (TuRa Harksheide), Frank Fröhlich (1. SC Norderstedt) und Steffen Liepold (Norderstedter SV, von links) trafen sich mit der Ersten Stadträtin Anette Reinders, um über die Öffnung der Schulsporthallen für den Vereinsbetrieb zu reden.

Die Geschäftsführer Tobias Claßen (TuRa Harksheide), Frank Fröhlich (1. SC Norderstedt) und Steffen Liepold (Norderstedter SV, von links) trafen sich mit der Ersten Stadträtin Anette Reinders, um über die Öffnung der Schulsporthallen für den Vereinsbetrieb zu reden.

Foto: Frank Best

Das Ziel: In den am 29. Juni beginnenden Sommerferien soll es in geeigneten Sporthallen Angebote mit Corona-Einschränkungen geben.

Norderstedt. Es gibt Hoffnung, dass die Norderstedter Schulsporthallen schon bald für den Vereinsbetrieb geöffnet werden. Die Geschäftsführer Tobias Claßen (TuRa Harksheide), Steffen Liepold (Norderstedter SV) und Frank Fröhlich (1. SC Norderstedt) verständigten sich in einer Gesprächsrunde mit der Ersten Stadträtin Anette Reinders darauf, zunächst eine Testphase zu starten, um den Aktiven in den am 29. Juni beginnenden Sommerferien erste konkrete Angebote machen zu können. Unter anderem in den Bereichen Basketball, Volleyball, Badminton, Tischtennis sowie Reha- und Gesundheitssport.

Im Gegensatz zu vielen Städten und Gemeinden in der Region sind in Norderstedt die Schulsporthallen für Vereinsaktivitäten noch geschlossen; ein Albtraum für Sportler und Funktionäre. Die Clubs kassieren regelmäßig Beiträge, können ihren Mitgliedern aber nicht plausibel erklären, wieso Indoor-Training in Hamburg oder Quickborn unter coronabedingten Einschränkungen möglich ist, nicht jedoch in der fünftgrößten Stadt Schleswig-Holsteins.

Also wagten sich Claßen, Liepold und Fröhlich aus der Deckung. Sie kritisierten vor einer Woche im Hamburger Abendblatt den herrschenden Zustand, machten ihre Befürchtungen bezüglich einer negativen Entwicklung der Mitgliederzahlen öffentlich – und brachten so Politik und Verwaltung auf Trab.

Sachliche Gesprächsrunde im Rathaus

Eine halbe Woche später wurde das Thema Hallenschließungen in die Tagesordnung der Sitzung des Ausschusses für Schule und Sport integriert. Außerdem lud die für den Sport in Norderstedt zuständige Anette Reinders das Trio ins Rathaus ein, um mit ihr die aktuelle Lage zu diskutieren und zu analysieren.

Der Informationsaustausch verlief sachlich und lösungsorientiert. „Wir haben unsere Sichtweisen deutlich gemacht, Verständnis füreinander entwickelt und waren uns einig, dass Hallensport in der herkömmlichen Form zurzeit unmöglich ist“, sagte Frank Fröhlich, „deshalb wollen wir vor einem eingeschränkten Regelbetrieb herausfinden, was geht und was nicht geht.“

Alle Beteiligten blicken nach vorn

Auch Reinders lobte die konstruktive Atmosphäre. „Es war ein angenehmes Gespräch. Wir haben uns keine Vorwürfe gemacht, sondern nach vorn geschaut. Ich wollte ein Gespür dafür bekommen, wie Hallensport unter Corona-Bedingungen stattfinden kann. Die Vereinsvertreter haben mir das gut erläutert.“

Wann mit der Testphase begonnen wird, steht noch nicht fest, Vorsicht geht trotz sinkender Infektionszahlen vor Schnelligkeit. „Es bringt nichts, jetzt irgendwas übers Knie zu brechen“, so Fröhlich, „wir möchten ja nicht bundesweit als neuer Hotspot bekannt werden.“

Zunächst gilt es, diverse Hausaufgaben zu erledigen. Die Vereine müssen beispielsweise Anträge für die Hallennutzung stellen. Und wollen ihre ausgearbeiteten Konzepte, die sich an den Leitfäden der Landesfachverbände und des Deutschen Olympischen Sportbundes orientieren, noch einmal optimieren.

Verwaltung wird Konzepte sorgfältig prüfen

Die Verwaltung wird diese Vorschläge unter Hinzuziehung des Arbeitsschutzes und des Amtes für Katastrophenschutz abklären, Kontakt zu den Schulen aufnehmen und außerdem ermitteln, welche Norderstedter Sporthallen sich für den Re-Start anbieten. „Ganz wichtig sind dabei die Themen Reinigung und Desinfektion“, sagte Anette Reinders.

Dass die Planungen bezüglich der Öffnungen für den Vereinsbetrieb noch nicht weiter vorangeschritten sind, begründet sie so: „Das Amt für Schule, Sport und Kindertagesstätten ist durch die Corona-Pandemie sehr stark beansprucht. Wir haben unser Hauptaugenmerk bislang auf die Schulen und die Kindertagesstätten gelegt. In den Verordnungen kommen ständig neue Ansagen, die wir dann kurzfristig umsetzen müssen. Aber auch unsere Kapazitäten sind begrenzt, und ich bitte um Verständnis, dass wir nicht alles gleichzeitig machen können.“

Den aufgenommenen Gesprächsfaden mit den Sportlern will die Erste Stadträtin nicht wieder abreißen lassen. „Ich habe überhaupt kein Interesse daran, dass die Vereine auf den Barrikaden sind“, sagte sie, „es ist mir sehr wichtig, dass wir gemeinsam einen Weg finden. Und wenn irgendwas nicht läuft, liegt das meistens an der Kommunikation.“

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