Fussball

Wird Eintracht Norderstedt am grünen Tisch Pokalsieger?

So war’s beim letzten Triumph der Eintracht im Cupwettbewerb der Hansestadt: Jan-Philipp Rose, Siegtorschütze in der letzten Minute der Verlängerung, stemmt am 25. Mai 2017 nach dem schmeichelhaften 2:1-Erfolg gegen die SV Halstenbek-Rellingen den Hamburger Oddset-Pokal in die Höhe.

So war’s beim letzten Triumph der Eintracht im Cupwettbewerb der Hansestadt: Jan-Philipp Rose, Siegtorschütze in der letzten Minute der Verlängerung, stemmt am 25. Mai 2017 nach dem schmeichelhaften 2:1-Erfolg gegen die SV Halstenbek-Rellingen den Hamburger Oddset-Pokal in die Höhe.

Foto: Anne Pamperin

Sollte die Saison 2019/2020 nicht regulär beendet werden können, gilt Paragraf 24 der Spielordnung des Hamburger Fußball-Verbandes.

Norderstedt. Es scheint fast so, als hätte ein Hellseher beim Verfassen der Spielordnung des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) seine Hände mit im Spiel gehabt. Dort heißt es unter Paragraf 24, Absatz 2: „Können Teilnehmer an den DFB-Vereinspokal-Endrunden nicht termingerecht ermittelt werden, melden die spielleitenden Ausschüsse den Verein, der zum Meldetermin noch im Pokalwettbewerb vertreten und in der höchsten Spielklasse bestplatziert ist“.

Bislang ist dieses Worst-Case-Szenario noch nicht eingetreten. Doch 2020 könnte es so weit sein. Und der Profiteur der unter der Überschrift „Fortführende Wettbewerbe auf DFB-Ebene“ formulierten Bestimmung wären die Kicker von Eintracht Norderstedt, die in der Regionalliga Nord den sechsten Tabellenplatz belegen.

HFV-Pressesprecher Carsten Byernetzki kann sich nicht daran erinnern, wann der Passus aufgeschrieben wurde. „Das muss schon lange her sein. Vermutlich stammt dieser Absatz aus einer Zeit, in der wir noch richtig frostige Winter hatten und die Gefahr bestand, den Spielbetrieb wegen schlechten Wetters nicht fristgerecht über die Bühne bringen zu können.“

HFV entscheidet über weiteren Saisonverlauf

Es steht zu befürchten, dass die Corona-Pandemie genau diese Auswirkungen hat. Zurzeit läuft eine Umfrage, in der sich die Vereine des Hamburger Fußball-Verbandes bis zum 17. Mai dazu äußern sollen, ob sie die Serie 2019/2020 beenden oder fortsetzen möchten. Einen Tag später wird auf einer außerordentlichen Präsidiumssitzung des HFV über das Stimmungsbild beratschlagt, am 19. Mai will das Gremium seine Entscheidung bezüglich des weiteren Saisonverlaufs verkünden.

Davon betroffen ist dann auch der Hamburger Lotto-Pokal, in dem neben der Eintracht noch sieben weitere Teams vertreten sind: Altona 93, Teutonia 05, die SV Halstenbek-Rellingen, der SV Rugenbergen, der TSV Sasel, der HSV Barmbek-Uhlenhorst und der ASV Hamburg. Unter diesen Clubs regt sich Widerstand gegen die automatische Ernennung des Cupgewinners.

Das sei unfair, sagt Sasels Fußball-Abteilungsleiter Söhren Grudzinski, der einen Entscheid über den Cupgewinner per Elfmeterschießen oder per Los favorisiert, einen runden Tisch der Viertelfinalisten mit dem Verband sowie die Streichung des Paragrafen 24 fordert.

Verbandstag kann SpIelordnung ändern

Doch das ist mit erheblichem Aufwand verbunden. „Die Spielordnung ist von den Vereinen so beschlossen worden und kann nur auf einem Verbandstag geändert werden“, sagt Carsten Byernetzki. Die Veranstaltung könnte wegen der Corona-Beschränkungen allerdings nicht in gewohntem Rahmen stattfinden, sondern müsste per Videokonferenz über die Bühne gehen.

In Norderstedt gibt man sich derweil betont gelassen. „Der Paragraf 24 war mir bisher nicht bekannt“, sagt Eintracht-Präsident Reenald Koch, „aber die Spielordnung ist ja offenbar genau für eine Situation gemacht worden, wie wir sie jetzt haben.“

Erstes Teamtraining seit dem 13. März

Und Olufemi Smith, der das erste Training des Regionalliga-Teams seit dem Lockdown am 13. März leitete, ergänzt: „Selbstverständlich würden wir den Lotto-Pokal am liebsten sportlich gewinnen. Aber ich kann mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen, dass der Cupwettbewerb bis zum 30. Juni regulär zu Ende gebracht werden kann. Wenn wir zum Pokalsieger erklärt werden sollten, wäre das eine Belohnung für eine tolle Saison unserer Mannschaft. Und auch wenn mir der juristische Hintergrund fehlt, glaube ich nicht, dass man durch die Abschaffung von Passagen der Spielordnung in einen laufenden Wettbewerb eingreifen kann.“

Die erste Übungseinheit mit Corona-Einschränkungen, also unter Wahrung des Mindestabstands von 1,50 Metern, war für Smith „ungewohnt, aber immerhin ein erster Schritt zurück in die Normalität.“ Auf dem Programm standen Ballgewöhnungs-, Pass- und Torschussübungen in Kleingruppen. „Die Jungs haben sich gefreut, endlich mal wieder auf den Platz stehen zu können. Aber man hat schon gemerkt, dass sie gern mehr Kontakt gehabt hätten.“