Interview mit Frank Intert

Tennisverband Schleswig-Holstein hofft auf Lockerungen

Jake Robinson führt die Meldeliste des TC Garstedt an. Ob der Australier im Sommer für den Schleswig-Holstein-Ligisten spielen wird, ist wegen der Corona-Lage indes noch ungewiss..

Jake Robinson führt die Meldeliste des TC Garstedt an. Ob der Australier im Sommer für den Schleswig-Holstein-Ligisten spielen wird, ist wegen der Corona-Lage indes noch ungewiss..

Foto: Thomas Maibom

Der Punktspielplan für die Sommersaison steht – und der TVSH-Vorsitzende sagt, wie groß die Chancen auf einen Start am 13. Juni sind.

Norderstedt. Tennis ist Mitglied im Club der privilegierten Sportarten, die am 4. Mai ihren Betrieb mit Einschränkungen wieder aufnehmen durften. Der Grund: Durch das Netz in der Platzmitte gibt es keinen Kontakt zum Gegenspieler, der Mindestabstand von 1,50 Metern lässt sich beim Seitenwechsel und auf der Anlage mit ein wenig Umsicht pro­blemlos einhalten, in den Sommermonaten kann unter freiem Himmel aufgeschlagen und retourniert werden.

Sollte es demnächst zu weiteren Lockerungen der behördlichen Auflagen und keiner signifikanten Steigerung der Infektionszahlen kommen, besteht sogar die Chance, die Outdoor-Punktspielsaison 2020 auszutragen. Frank Intert (58), Betreiber der Anlage des TC Rot-Weiss Wahlstedt und seit 2013 Vorsitzender des Tennisverbandes Schleswig-Holstein, gibt im Interview mit dem Abendblatt einen Überblick, wie weit die Planungen des TVSH gediehen sind – und beschreibt, wie ein Duell zweier Mannschaften in Zeiten der Corona-Pandemie ablaufen könnte.

Herr Intert, sie selbst, sechs ihrer sieben Kinder und ihre Ehefrau Andrea spielen Tennis. Wie hat die Familie die fast acht Wochen, in denen sämtliche Hallen und Anlagen in Schleswig-Holstein gesperrt waren, überstanden?

Das war eine harte Zeit, in der Improvisationstalent gefragt war. Um nicht ganz auf Tennis verzichten zu müssen, haben wir auf der Straße Kleinfeldnetze aufgespannt und konnten so immerhin ein bisschen spielen.

Der Tennisverband Schleswig-Holstein hat schon im April kommuniziert, den Punktspielbetrieb von Juni an stattfinden zu lassen. Damals waren die Infektionszahlen wesentlich höher als jetzt. Warum diese frühe Ankündigung?

In unserer Wettspielordnung steht, dass wir vier Wochen vor Spielbeginn einen Punktspielplan veröffentlichen müssen. Und den haben Björn Kroll und seine Kollegen aus dem Sportausschuss unter Vorbehalt erstellt.

Warum unter Vorbehalt?

In der aktuellen Landesverordnung steht, dass Wettkämpfe derzeit nicht erlaubt sind. Aber das kann sich ja eventuell bald ändern.

Wann soll es denn theoretisch losgehen?

In der zweiten Juni-Woche. Die ersten drei Matches in der Schleswig-Holstein-Liga der Herren sind beispielsweise für Sonnabend, 13. Juni, angesetzt. Der Mannschaftssport hat in diesem Jahr übrigens ganz klar Vorrang vor Turnieren.

Gehen wir mal davon aus, dass Tennis demnächst wieder wettkampfmäßig betrieben werden darf. Gibt es dann Geisterpartien ohne Publikum wie in der Fußball-Bundesliga, also ohne Zuschauer? Wie muss man sich ein Punktspiel eines Sechser-Teams mit Corona-Beschränkungen, also strengen Abstands- und Hygienevorschriften sowie Kontaktverbot, konkret vorstellen?

Die Spieler fahren fertig umgezogen in ihrer Tenniskleidung mit mindestens sechs Autos zur Anlage, auf der Publikum nicht erlaubt ist. Schon auf dem Parkplatz muss ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden. Der gastgebende Verein hat die empfohlenen Schutzmaßnahmen für sich zu definieren und durch einen Corona-Beauftragten zu kontrollieren. Inwieweit das Desinfizieren der Hände erforderlich ist, hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab. Wenn es keine Türklinken gibt, die die Aktiven nacheinander anfassen müssen, ist das nicht nötig. Auf den Toiletten stehen Spender mit Reinigungsmittel und Waschlotion, die Umkleideräume sind abgeschlossen.

Und dann geht’s auf den Platz...

Auch dort gilt: Der gesunde Menschenverstand ist grundsätzlich einzuschalten. Handshakes zur Begrüßung gibt es nicht. Gespielt wird möglichst mit neuen Bällen. Diese sollen so selten es geht in die Hand genommen und nicht in die Hosentasche gesteckt werden, um die Kontaminationsgefahr zu minimieren. Beim Seitenwechsel und beim Überprüfen von strittigen Ballabdrücken ist ein Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten. Nach Beendigung des Matches ist die Anlage dann so schnell es geht wieder zu verlassen.

Gibt es in der geplanten Sommersaison ein anderes Spielsystem als üblich? In einem Doppel in jeder Situation den vorgeschriebenen Abstand vom Partner zu halten, dürfte doch praktisch unmöglich sein...

Unter den aktuellen Gegebenheiten sieht es der Landesverband als ungünstig an, in Wettkämpfen Doppel zu spielen. Zum jetzigen Zeitpunkt würden wir die Empfehlung geben, darauf zu verzichten, auch wenn viele Aktive das sicherlich anders sehen – und dafür gibt es gute Gründe. Denn gerade die Älteren gehen häufig nur zum Tennis, um Doppel zu spielen. Eine offizielle Absage der Doppel ist das aber nicht. Wir warten noch ab, wie sich die Lage entwickelt, was die Politik sowie die lokalen Ordnungs- und Gesundheitsämter bis Anfang Juni erlauben.

Noch ein Wort zu den ausländischen Tennis­cracks. Dürfen diese überhaupt aufschlagen? In vielen anderen Ländern ist die Lage bezüglich der Coronapandemie ja viel angespannter als in Deutschland...

Meines Wissens gibt es diesbezüglich keine bundesweite Vorschrift. So lange in den höheren Klassen nicht geklärt ist, wie die Auf- und Abstiegsregelung aussieht und ob Doppel ausgetragen werden dürfen, werden die Vereine sicherlich genau abwägen, ob es sich für sie lohnt, teure Spieler, die nicht aus Deutschland kommen, zu holen. Das hängt aber auch immer von der individuellen Vertragslage ab. In diesem Punkt ist auf jeden Fall ein verantwortungsvoller Umgang gefragt. Unter Umständen mag es europarechtlich diskriminierend sein, wenn man einen Spieler nicht einsetzen dürfte, weil er während der Corona-Pandemie aus dem Ausland kommt; in jedem Fall regeln aktuell verschiedenste Bestimmungen die Möglichkeiten, überhaupt nach Deutschland einreisen zu dürfen.

Für die weniger leistungsorientierte Aktiven ist in den Punktspielen neben dem Sport vor allem der gesellige Aspekt sehr wichtig – das kühle Bierchen mit dem Gegner nach dem Match, das gemeinsame Essen beider Teams im Clubhaus. Fällt dies alles im Sommer 2020 aus?

Auch das bleibt abzuwarten, es wird ja gerade damit begonnen, die Rahmenbedingungen für die Gastronomie zu lockern. Vielleicht ist das jetzt ein Prüfstein dafür, was den Tennisspielern ihre Vereine wert sind. In der aktuellen Lage ist Eigenverantwortung gefragt, es gibt die Corona-Regeln – aber das Miteinander muss dabei nicht komplett auf der Strecke bleiben. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass sich viele Aktive zu ihren Clubs bekennen.

Haben Sie sich für den 13. Juni schon etwas vorgenommen?

Wenn Punktspiele bis dahin erlaubt sind, Zuschauer auf die Anlage an der Nordlandstraße kommen dürfen und es Regelungen gibt, dass man sich nicht zu sehr auf die Pelle rückt, würde ich mir liebend gern das Auftaktmatch der Schleswig-Holstein-Liga-Herrenmannschaft des TC Rot-Weiss Wahlstedt gegen den
TC Mürwik anschauen.