Staffelsieger

Der SV Todesfelde ist Oberliga-Champion

Niklas Stehnck (SV Todesfelde).

Niklas Stehnck (SV Todesfelde).

Foto: Nils Göttsche

Quotientenregelung beschert dem Club Platz eins in der in der höchsten schleswig-holsteinischen Klasse vor dem 1. FC Phönix Lübeck.

Todesfelde. Dass sie ausgezeichnete Fußballer sind, haben die Kicker des SV Todesfelde in der abgebrochenen Serie 2019/2020 nachhaltig bewiesen. Die Mannschaft von Teamchef Sven Tramm und Trainer Bastian Holdorf triumphierte bei den Hallen-Kreistitelkämpfen und beim SHFV-Hallenmasters, erreichte zudem die noch auszutragenden Endspiele im Kreispokal (gegen die FSG Kaltenkirchen) und Landespokal (gegen den VfB Lübeck) – viel erfolgreicher geht’s nicht.

Doch die Spieler des Dorfclubs zeigen nicht nur konstant gute Leistungen; sie sind auch dafür bekannt, dass sie wie zusammenhalten wie Pech und Schwefel und keine Gelegenheit zum Feiern auslassen. Demzufolge wurde sofort improvisiert, nachdem der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) seine Entscheidung verkündet hatte, den Oberliga-Champion per Quotientenregelung (Anzahl der Punkte geteilt durch Anzahl der Spiele) zu ermitteln. Auf Platz eins, na klar, der SVT...

Mannschaftsfeier per Videokonferenz

„Wegen der Corona-Beschränkungen durften wir uns ja nicht treffen. Deshalb haben wir uns spontan für eine Videokonferenz verabredet und virtuell auf die Meisterschaft angestoßen“, sagte Niklas Stehnck (22), „das war zwar irgendwie ein bisschen komisch, andererseits aber auch klasse, weil ich so meine Mannschaftskollegen endlich mal wieder sehen konnte.“

Stehnck, der im kommenden Jahr seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann abschließen wird und anschließend in Hamburg oder Elmshorn International Business studieren möchte, lief als Jugendlicher für den SV Henstedt-Ulzburg sowie die SG Trave 06 auf und kam im Sommer 2016 zum SV Todesfelde. Mittlerweile ist er Stammspieler im defensiven Mittelfeld.

Niklas Stehnck steht hoch im Kurs

„Niklas bringt alles mit, was einen robusten, resoluten Sechser ausmacht“, sagt der Sportliche Leiter des SVT, Markus Weber, „er ist kopfball- und zweikampfstark, leistet außerdem ein großes Laufpensum.“ Was Weber besonders beeindruckt: „Er hat sich alles, was er seit seinem Wechsel zu uns erreicht hat, mit Verlässlichkeit, Akribie und Leidenschaft erarbeitet und ist eine zuverlässige Stütze des Teams. Das finde ich großartig.“

Dass der SV Todesfelde als erster – und hoffentlich letzter – Corona-Oberliga-Meister in die Geschichte des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes eingehen wird, stört Niklas Stehnk, der 1,80 Meter groß ist und 83 Kilogramm auf die Waage bringt, nicht im Geringsten. „Unsere Platzierung kommt ja nicht von ungefähr. Wir waren auch zur Halbzeit in der Tabelle ganz vorn und hatten zuletzt mit einem Spiel weniger genauso viele Punkte wie der 1. FC Phönix Lübeck auf dem Konto.“ Sein großes Ziel für 2021: der Aufstieg mit dem SVT in die Regionalliga Nord.

Die Corona-Einschränkungen nerven

Stehnck hat sich in den vergangenen Wochen mit der ihm eigenen Disziplin fit gehalten, Laufeinheiten und Kraftübungen absolviert. Doch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie nerven den Kattendorfer sehr. „Der einzige Vorteil an der aktuellen Situation ist, dass ich an den Wochenenden mehr Zeit für meine Freundin Kristin habe. Aber ich möchte endlich mal wieder zusammen mit den Kollegen gegen den Ball treten.“ Und zwar richtig. Also nicht unter Wahrung des Mindestabstands von 1,50 Metern, sondern mit Zweikämpfen und mit Körperkontakt.

Nur zu gern hätte sich Niklas Stehnck, dessen sportliches Vorbild der Franzose N’Golo Kanté (FC Chelsea) ist, am 20. Juni das Vorrundenmatch der Europameisterschaft zwischen Deutschland und Portugal in der Münchener Allianz-Arena angeschaut. „Ich habe über einen portugiesischen Freund vier Karten für dieses Spiel ergattert“, sagt er. Glück im Unglück: Die Tickets sind auch noch 2021 gültig. „Dann holen wir das hoffentlich nach.“

Wann das Team des SV Todesfelde wieder in der Gruppe trainieren wird, ist völlig offen. „Das hängt davon ab, an welchem Termin das Landespokalfinale gegen den VfB Lübeck angesetzt wird“, sagt Markus Weber, „wir müssen ja ein Ziel haben, auf das wir uns fokussieren können. Sonst macht das keinen Sinn.“

Der SV Todesfelde hat Marco Pajonk (28) vom 1. FC Phönix Lübeck verpflichtet und mit einem Zwei-Jahres-Vertrag ausgestattet. Der Stürmer erzielte in der abgebrochenen Saison 2019/2020 in 20 Partien 22 Treffer und war damit der erfolgreichste Torjäger in der Oberliga Schleswig-Holstein.