Ende der Zwangspause

Die Sportvereine starten mit Abstand und nur im Freien

TuRa Harksheide ist bereit für den Re-Start: Geschäftsführer Tobias Claßen, Sigi Schindler, Petra Hoff, Lisa Schindler, Iris Haug (v. l.) sowie Pascal Pawlac spielten im collatz+schwartz-Sportpark eine Outdoor-Übungseinheit durch.

TuRa Harksheide ist bereit für den Re-Start: Geschäftsführer Tobias Claßen, Sigi Schindler, Petra Hoff, Lisa Schindler, Iris Haug (v. l.) sowie Pascal Pawlac spielten im collatz+schwartz-Sportpark eine Outdoor-Übungseinheit durch.

Foto: Frank Best

Clubs machen ihren Mitgliedern unter Wahrung von Kontakt- und Hygienevorschriften die ersten Angebote seit dem Corona-Lockdown.

Norderstedt.  Eine gefühlte Ewigkeit lang hatte die Corona-Pandemie den Sport in der Region im Würgegriff. Jetzt endlich, nach acht Wochen Zwangspause, dürfen Vereinsverantwortliche, Übungsleiter und Aktive aufatmen. Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat damit begonnen, die gesperrten Sportplätze und Freizeitanlagen peu à peu zu öffnen. Es ist wieder erlaubt, sich körperlich zu betätigen – sofern es sich denn um kontaktlosen Outdoor-Sport handelt. Das ist ein erster Schritt zurück auf dem Weg zur Normalität; der zweite könnte am 18. Mai folgen, wenn es auch im Bereich des Indoor-Sports zu Lockerungen kommen soll. Verhältnisse ohne Beschränkungen, wie sie vor dem
13. März an der Tagesordnung waren, sind allerdings noch nicht in Sicht.

Das Einhalten eines Mindestabstands, das sorgfältige Waschen und Desinfizieren der Hände, das Vermeiden von Körperkontakten ist nach wie vor unabdingbar. Die haupt- und ehrenamtlichen Geschäftsführer oder Vorsitzenden der Clubs, die zusammen mit Spartenleitern und Trainern praktisch rund um die Uhr daran arbeiten, praxistaugliche Konzepte für den Sportbetrieb auszuarbeiten, haben dies stets im Hinterkopf. Das Abendblatt hat sich umgeschaut, wie weit sie damit bislang gekommen sind.

TuRa Harksheide

Tobias Claßen, der Geschäftsführer des mit rund 4000 Mitgliedern größten Norderstedter Sportvereins, hat sein Homeoffice aufgegeben. So kann er rund um die Uhr in unmittelbarer Nähe des collatz+schwartz-Sportpark sein. „Ich arbeite jetzt in einem Büroraum im Keller der Geschäftsstelle“, sagt er.

Die Belastung ist hoch, die Gedanken kreisen den ganzen Tag lang um den Verein. Vor Kurzem wurde Claßen mittags schwindelig. Er hatte angesichts einer umfangreichen To-do-Liste schlichtweg vergessen, zu frühstücken und bekam einen Hungerast. Aber er jammert nicht. Den gesamten Betrieb unter immer noch erschwerten Rahmenbedingungen langsam wieder hochzufahren, den Mitgliedern zumindest ansatzweise den gewohnten Service anbieten zu können, ist für ihn Motivation und Herzensangelegenheit zugleich.

Tobias Claßen und seine Mitstreiter sind gut davor. Die Harksheider, die so viel Hallensport wie möglich an die frische Luft verlegen möchten und somit eine Blaupause für die übrigen Vereine liefern, haben den großen Vorteil, für ihre Zwecke die drei Kunstrasenplätze am Exerzierplatz nutzen zu dürfen.

Um für den Re-Start gut gewappnet zu sein, setzten die TuRaner eine Generalprobe an, für die sich die Fitnesstrainerinnen des Clubs und eine Senioren-Gymnastikgruppe zur Verfügung stellten. „Anschließend haben wir besprochen, wo es noch hakt, was wir besser machen müssen, um unter Corona-Bedingungen einen reibungslosen Ablauf von Übungsstunden gewährleisten zu können.“

Die wichtigsten Maßnahmen unter Berücksichtigung der Empfehlungen der diversen Fach- und Landesverbände: Wer mitmachen will, muss in Sportutensilien kommen. Ein- und Ausgang sind voneinander getrennt. Es ist Pflicht, dass sich die Teilnehmer in eine Liste eintragen, um etwaige Infektionsketten verfolgen zu können. Die Toi­letten werden geöffnet, Umkleideräume und Duschen bleiben jedoch geschlosssen.

Vor und nach den Trainingsstunden, die von 60 auf 45 Minuten reduziert werden, um den Aktiven mehr Zeit zum Verlassen der Anlage zu geben und Kontakt mit nachfolgenden Gruppen zu vermeiden, wird auf ein sorgfältiges Reinigen der Hände geachtet. Nicht nur für die auf dem Gelände befindlichen Personen, sondern auch für das Ablegen der Sporttaschen gilt ein Mindestabstand von 1,50 Metern.

Nach den Gymnastik- und Fitnessgruppen für Senioren und Erwachsene sollen bei TuRa übrigens die Leistungsturnerinnen und die Judokas trainieren. Claßen: „Da könnten sich Kraftübungen anbieten. Wir werden das Step by Step machen.“

Norderstedter SV

Der NSV hat seine Tennisplätze und die Boule-Anlage an der Oadby-and-Wigston Straße geöffnet und würde gern noch umfangreicher loslegen. Das Konzept zur Nutzung des direkt vor der Geschäftsstelle befindlichen Moorbekstadions steht, kann aber (noch) nicht realisiert werden. Grund: Der Rasenplatz und die Tartanbahn sind wegen eines Betretungsverbots gesperrt, da es sich um eine Schulsportanlage handelt. Gleiches gilt für das Areal des Lise-Meitner-Gymnasiums an der Poppenbütteler Straße.

„Von Montag an soll der Betrieb unserer Reitabteilung wieder anlaufen“, sagt Geschäftsführer Steffen Liepold, „wir überlegen noch, wie sich das am sinnvollsten organisieren lässt.“ Ein denkbares Szenario: Die Gruppen werden so klein wie möglich gehalten, die Vereinsmitglieder bekommen ein gezäumtes und gesatteltes Pferd zur Verfügung gestellt, verlassen die Anlage direkt nach dem Unterricht wieder. Um die Pflege der Tiere kümmern sich anschließend die Angestellten des Vereins.

1. SC Norderstedt

Beim SCN wird improvisiert. So dient der Parkplatz vor dem Sportpark Scharpenmoor vorläufig als Übungsgelände für die Einradfahrer, die ihre Heimat normalerweise in der Sporthalle der Grundschule Niendorfer Straße haben. Geschäftsführer Frank Fröhlich plant zudem, die Beachvolleyball-Anlage für die Judokas umzufunktionieren. „Dort könnten unsere Kinder und Jugendlichen im Sand trainieren.“

SV Friedrichsgabe

Der SVF, dessen Platz an der Lawaetzstraße geöffnet ist, wird Zumba und Pilates sowie das Cheerleading im Freien anbieten. „Am Montag geht’s bei uns richtig los“, sagt Vereinschef Torsten Dreyer.

Glashütter SV

Der GSV möchte jeder seiner Fußballmannschaften eine Trainingszeit pro Woche anzubieten und auch Angebote für den Turnbereich machen. „Ansonsten gilt bei uns das Motto, dass wir nicht in blinden Aktionismus verfallen“, so der Vorsitzende Bodo Wittmann.

SV Henstedt-Ulzburg

Ebenfalls am Montag will der SVHU sein Kursprogramm so umfangreich wie möglich wieder anlaufen lassen. „Die einzelnen Abteilungen legen dem Vorstand ihre Konzepte vor. Dann wird geschaut, was sich angesichts der behördlichen Vorgaben und der Empfehlungen der Verbände realisieren lässt“, sagt Geschäftsführer Rosario Cassara. Da die Sportanlagen in Henstedt-Ulzburg noch geschlossen sind, dient der Bürgerpark vorläufig als Übungsgelände für Yoga-Kurse sowie Power im Park.

Kaltenkirchener TS

Der 9. Mai steht auch im Fokus der
KT-Verantwortlichen. Geschäftsstellenleiterin Carola Kubisch: „Wir überlegen noch, welche Sportarten wir im Freien anbieten wollen. Neben Fußball könnten das Aikido und Baseball sein, sogar die Tischtennisabteilung hat ihr Interesse bekundet.“

SSC Phoenix Kisdorf

Der reine Fußballclub mit 400 Mitgliedern, sechs Erwachsenen- und zehn Jugendmannschaften hat den Trainingsbetrieb aufgenommen. „Wir üben in Fünfergruppen, selbstverständlich mit Abstand und ohne Körperkontakt“, sagt Vereinsboss Kai Andresen.