Coronapandemie

Dürfen die Golfer am kommenden Montag abschlagen?

Hinweiszettel, Desinfektionsmittel, Information der Mitglieder über die Veränderungen des Spielbetriebs wegen der Coronapandemie: Büroleiterin Meike Schwinkendorf vom GC Sülfeld hat die Vorbereitungen für einen verspäteten Saisonstart nahezu abgeschlossen.

Hinweiszettel, Desinfektionsmittel, Information der Mitglieder über die Veränderungen des Spielbetriebs wegen der Coronapandemie: Büroleiterin Meike Schwinkendorf vom GC Sülfeld hat die Vorbereitungen für einen verspäteten Saisonstart nahezu abgeschlossen.

Foto: Frank Best

In einer Telefonkonferenz zwischen Bund und Ländern wird entschieden, ob der Spielbetrieb Anfang kommender Woche beginnen kann.

Norderstedt. Seit mehr als sieben Wochen grassiert in Deutschland das Sars-CoV-2-Virus. Seit fast sieben Wochen hat die Coronapandemie den kompletten Sportbetrieb in Schleswig-Holstein lahmgelegt, alle öffentlichen und privaten Anlagen sind gesperrt beziehungsweise geschlossen. Und schon seit fast sieben Wochen fragen sich Vereinsverantwortliche und Aktive, wann es endlich die ersten Schritte hin zur „neuen sportlichen Normalität“ geben wird.

Landesregierung steht im Wort

Am 4. Mai könnte es so weit sein. Grund: Mitte April hat die Landesregierung in Kiel angekündigt, von diesem Tag an Outdoor-Einzelsportarten unter strengen hygienischen Auflagen wieder zu erlauben. An diesen Strohhalm klammern sich Reiter, Segler, Tenniscracks – und auch die Golfspieler. Doch halten die Politiker nach der heutigen Telefonkonferenz zwischen Bund und Ländern Wort? Angesichts des vielstimmigen Chors derjenigen, die unter Berufung auf Virologen und Statistiken Corona-Lockerungsmaßnahmen gebetsmühlenartig kritisieren, sind zumindest leise Zweifel erlaubt.

„Wenn es nach uns geht, kann es losgehen“, sagt Meike Schwinkendorf, Büroleiterin des GC Sülfeld, gewissermaßen stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kolleginnen in den übrigen 61 schleswig-holsteinischen Golfclubs, „alle sind heiß darauf, nach der langen Zwangspause endlich abschlagen zu können.“ Was in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Berlin und Brandenburg übrigens schon längst erlaubt ist...

GC Sülfeld ist für den Saisonstart gerüstet

Schwinkendorf hat die vergangenen Wochen genutzt, um ihren Verein und die 27-Loch-Anlage fit für den verspäteten Saisonstart zu machen. Per E-Mail informierte die 49 Jahre alte Golf-Betriebswirtin die 850 Mitglieder über die neuen Hygiene- und Verhaltensregeln, die Umstellung vom freien Spielbetrieb auf feste Startzeiten, die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit der Driving Range. „Falls wir unseren Golfplatz am Montag öffnen dürfen, bedeutet das aber auf jeden Fall nicht, dass wir unserem Sport sofort so nachgehen können, wie wir es bisher getan haben und gewohnt waren. Es wird noch für geraume Zeit erhebliche behördliche Einschränkungen geben.“

Einige wichtige Änderungen gegenüber dem Normalbetrieb, die auch in vielen anderen Clubs praktiziert werden dürften: Jeder Spieler hat für seine Schutzmaßnahmen (Maske, Handschuhe, Desinfektionsmittel) selbst zu sorgen. Die Verweildauer auf der Anlage ist vor und nach der Runde auf
20 Minuten beschränkt. Der Flaggenstock bleibt im Loch, darf nicht bedient werde. Ballwascher sind außer Betrieb, die Bunkerharken entfernt, Spuren im Sandhindernis werden mit den Füßen oder dem Schläger ausgebessert. Golfcarts dürfen nur von einer Person benutzt werden. Ausnahme: Familienmitglieder, die im selben Haushalt wohnen. Es sind nur Spielgruppen mit maximal zwei Personen erlaubt. Es gilt ein Mindestabstand von zwei Metern zu anderen Personen auf dem gesamten Gelände inklusive Parkplatz. Und: Die Gastronomie bleibt geschlossen.

Eigenverantwortung der Golfer ist gefragt

Wer sich nicht an diese Regeln hält, muss mit einem Anlagen- und Spielverbot für vier Wochen rechnen. Um eine erneute Sperrung des Platzes zu verhindern, appelliert Meike Schwinkendorf nachhaltig an die Eigenverantwortung der Golfer: „Ich gehe fest davon aus, dass wir in unregelmäßigen, aber häufigen Abständen vom Ordnungsamt kontrolliert werden.“

In Sülfeld gilt zudem: Nur wer über die PC Caddie-App, online unter www.campo-golf.de, über die Homepage des GCS oder unter Telefon 04537/70 15 51 eine Startzeit für eine
18- oder 9-Loch-Runde bucht, darf auf den Platz. Der Telefonservice wird für diejenigen Mitglieder angeboten, die den Umgang mit Computer oder Smartphone scheuen. „Das ist erstmals am Freitag von 10 bis 13 Uhr möglich. Abhängig von der Platzauslastung behalten wir und vor, auch Gäste von außerhalb zuzulassen“, sagt Schwinkendorf.

Ohne Lockerungen bleiben die Anlagen dicht

Dies alles ist indes hinfällig, wenn sich die Landesregierung, deren Erlass als Grundlage für die letztendlich entscheidende Allgemeinverfügung des Kreises Segeberg dient, anders als erhofft gegen die von ihr signalisierten Lockerungen entscheidet. Meike Schwinkendorf hofft inständig, dass das Worst-Case-Szenario nicht Realität wird. „Denn dann bleibt unsere Anlage dicht.“

Eine Frage, die unabhängig davon zeitnah geklärt werden muss: Wie wird mit denjenigen Golfern verfahren, die in Hamburg wohnen, ihr Hobby aber in schleswig-holsteinischen Vereinen ausüben? Hintergrund: Noch gilt der Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die Corona-Regelungen des Ministeriums für Inneres, ländliche Räume und Integration vom 24. April. Wer sich ins Auto setzt und aus der Hansestadt auf den Weg zu seinem Club macht, reist laut Paragraf 2 Absatz 1 und Paragraf 12 Nummer zwei „nach Schleswig-Holstein aus touristischem Anlass, zu Freizeit- oder Fortbildungszwecken...“ Und darauf steht aktuell eine Strafe von 150 bis 500 Euro.

„Das ist ein sportpolitisches Thema und betrifft nicht nur Golfer, sondern beispielsweise auch Tennisspieler, die in Langenhorn wohnen und beim HSV in Norderstedt Mitglied sind“, sagt Dominikus Schmidt, der Geschäftsführer des Hamburger Golf Verbandes, „die Entscheidungsträger wissen, dass für den Fall von Lockerungen der Res­triktionen dringender Handlungsbedarf besteht. Ich rechne damit, dass es bis Sonnabend eine Einigung für Hamburg und Schleswig-Holstein gibt.“

Lockdown erschüttert die Clubs finanziell

Dass der Lockdown in Deutschland die Golfclubs finanziell erschüttert, versteht sich von selbst. Schmidt: „Die Tatsache, dass zurzeit keine Sponsorenturniere stattfinden können, wird die Vereine sehr hart treffen.“ Außerdem fehlen die Greenfee-Einnahmen, die Gastspieler in die Kassen spülen. „In den vergangenen Wochen war fantastisches Wetter, da wären die Plätze voll gewesen“, sagt Meike Schwinkendorf.

Jobst Wallenburg, 2. Vorsitzender des GC Segeberg, kann dies nur bestätigen. „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt schon 300 Absagen von Spielern aus Skandinavien, die im Frühling sonst busladungsweise zu uns kommen. Im schlimmsten Fall rechnen wir bis Ende Mai mit einem Einnahmeverlust von 50.000 Euro.“ Die gute Nachricht: Der Spielbetrieb auf Gut Wensin ist nicht gefährdet. „Und wir sind optimistisch, dass auch 2021 bei uns gegolft werden kann“, so Wallenburg.