Norderstedt
Mit Corona infiziert

Das plötzliche Ende eines fußballerischen Höhenflugs

Eine Szene aus coronafreien Tagen: 2015 wechselte der technisch versierte Fabian Nürnberger (Mitte) vom Hamburger SV zu Eintracht Norderstedt. Dort spielte er für die B- und A-Junioren.

Eine Szene aus coronafreien Tagen: 2015 wechselte der technisch versierte Fabian Nürnberger (Mitte) vom Hamburger SV zu Eintracht Norderstedt. Dort spielte er für die B- und A-Junioren.

Foto: Anne Pamperin

Fabian Nürnberger, Ex-Jugend-Kicker von Eintracht Norderstedt, hatte sich gerade erst einen Stammplatz beim 1. FC Nürnberg erkämpft.

Norderstedt. Erfreulicherweise ist in der Fußball-Regionalliga-Mannschaft von Eintracht Norderstedt bislang noch kein Spieler mit dem weltweit grassierenden Coronavirus infiziert. Dafür sorgte ein früherer Jugendkicker der Garstedter für Schlagzeilen. Fabian Nürnberger (20) wurde am 13. März positiv getestet und befindet sich seitdem in Quarantäne.

Daraufhin erhielt der Club-Spieler so viele Nachrichten und Presseanfragen, dass er sich in einem eigens aus der Quarantäne in seiner Wohnung erstellten und in den sozialen Medien des 1. FC Nürnberg veröffentlichten Videostatement bedankte und Entwarnung gab. „Macht euch keine Sorgen um mich. Mir geht es gut. Ich spüre keinerlei Symptome“, sagte Nürnberger und appellierte an die Fans: „Bleibt, so gut es geht, in eurer Wohnung.“

Nürnberger kam vom HSV zur Eintracht

Einige Nachrichten für ihn kamen aus Norderstedt. Nürnberger, der nicht nur wegen seines Nachnamens, sondern auch wegen seiner großen fußballerischen Fertigkeiten beim traditionsreichen FCN an der richtigen Adresse ist, wechselte 2015 vom Hamburger SV zur Eintracht und blieb dort zwei Jahre.

Die entscheidende Saison für seine Karriere zum Profi war die zweite Spielzeit, in der das Norderstedter U-19-Team nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga verpasste.

„Fabian war ein Top-Spieler. Er stach heraus mit seiner Technik, seinem Spielverständnis und seinen sehr guten taktischen Grundlagen“, erinnert sich sein damaliger Trainer Thomas Bohlen. „Ich habe ihm immer eine Profikarriere gewünscht und sie ihm bei seinem Talent auch zugetraut. Wir haben auch nach seiner Zeit in Norderstedt ab und an Kontakt gehabt. Fabian hat es sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg geschafft. Das nötigt mir besonderen Respekt ab.“

Ex-Coach hält viel vom Jungprofi

Was Bohlen meint: Nach seiner Aussortierung beim HSV als 15-Jähriger ließ Fabian Nürnberger nicht die Flügel hängen. Die Gleichung „Nur die komplette Ausbildung in einem Nachwuchsleistungszentrum führt zur Profikarriere“ wollte er nicht akzeptieren.

Von der Eintracht wechselte Nürnberger zunächst zum Niendorfer TSV, von dort ins Frankenland zum 1. FC Nürnberg II in die Regionalliga Bayern. „Dort“, so Bohlen, „hat Fabian als Linksverteidiger überzeugt. Das war sehr faszinierend. Auf die Idee, ihn dorthin zu stellen, wäre ich nicht gekommen. Doch er hat nicht geklagt und seine alte Position eingefordert, sondern die Situation so angenommen wie sie war – und eine Menge daraus gemacht.“

Erste Wahl beim 1. FCN bis zur Corona-Pause

Der Youngster spielte die ungewohnte Rolle so gut, dass er in diesem Sommer in die Zweitligamannschaft des 1. FC Nürnberg hochgezogen wurde. Er überzeugte in der Sommervorbereitung den damaligen Trainer Damir Canadi und setzte sich, als Canadi das 1:3 beim VfL Bochum am 4. November den Job kostete, nach etwas Anlaufzeit ebenso unter dem neuen Coach Jens Keller durch. Unter diesem war Nürnberger vom Rückrundenauftakt (1:4 beim Hamburger SV) bis zur Corona-Zwangspause Stammspieler.

Mittlerweile ist sein Wirkungskreis halblinks im defensiven Mittelfeld angesiedelt. Bohlen: „Auch das macht Fabian klasse. Ich schaue mir ja immer wieder Spiele von ihm an. Er ist ein intelligenter Junge.“ Der – Sprung zurück – seinerzeit bei der Eintracht natürlich noch kein fertiger Kicker war. „Fabians Thema in meiner damaligen U 19 war die körperliche Stabilität. Über verschiedene Übungsformen für Fitness und Koordination haben wir ihm da etwas mitgeben können, damit er die Zweikämpfe noch stabiler und körperlich robuster gestalten konnte“, sagt Thomas Bohlen.

Menschlich sei sein damaliger Schützling eher ein ruhiger Typ gewesen. Sportlich war er unumstritten, daher im Team stets anerkannt. „Sein Wort hatte Gewicht unter den Jungs. Und für mich als Trainer war es absolut positiv, mich immer auf ihn verlassen zu können.“

„Er hat nichts gefordert, sondern Leistung gezeigt“

Außerdem blieb Fabian Nürnberger stets mit beiden Beinen auf dem Boden, obwohl er erkennbar der beste Spieler des Teams war. „Er hat nichts gefordert, sondern einfach Leistung gezeigt. Das hat jeder Trainer gern“, so sein Ex-Coach. Nun wünscht Thomas Bohlen dem einstigen Lieblingsschüler, bald wieder auf dem Platz stehen zu können.

Nürnberger selbst ist jedenfalls in der häuslichen Quarantäne nicht untätig. „Ich habe auch schon ein bisschen trainiert, um mich fit zu halten“, sagt er in seinem Videostatement. Eine Ausnahmegenehmigung für den Trainingsbetrieb, so wie sie beispielsweise die Berliner Bundesligisten 1. FC Union (Umstellung auf Individualtraining) und Hertha BSC (das Team wurde noch vor der ersten Einheit mit Sondergenehmigung wegen eines Coronafalls in der Mannschaft isoliert) bewilligt bekamen, konnte der 1. FC Nürnberg allerdings bislang nicht beantragen. Das gesamte Team muss bis zum 27. März in Quarantäne bleiben.

Am 27. März wird die Lage neu bewertet

Bis dahin wird gesellschaftlich und wohl auch bei den Franken darüber diskutiert werden, ob es wegen der zugespitzten gesundheitlichen Lage medizinisch überhaupt vertretbar ist, dass Profi-Fußballer in der Gruppe trainieren dürfen. Bis dahin hält sich Fabian Nürnberger, dessen ungewöhnliche Karriere gerade erst so richtig Fahrt aufgenommen hatte, zu Hause fit.