Norderstedt
Frauenfussball

SV Henstedt-Ulzburg verzichtet auf Zweitliga-Aufstieg

Alina Witt (r.) führt mit 24 Treffern die Torjägerinnenliste in der Regionalliga Nord an. Die 24 Jahre alte Angreiferin wird auch in der Serie 2020/2021 für den SVHU stürmen.

Alina Witt (r.) führt mit 24 Treffern die Torjägerinnenliste in der Regionalliga Nord an. Die 24 Jahre alte Angreiferin wird auch in der Serie 2020/2021 für den SVHU stürmen.

Foto: Thomas Maibom

Dem souveränen Tabellenführer der Regionalliga Nord fehlen die Sponsoren für den Spielbetrieb in der zweithöchsten deutschen Klasse.

Henstedt-Ulzburg. Über dem Fußball-Trainingsgelände am Schäferkampsweg liegt eine gespenstische Ruhe. Grund: Die Coronavirus-Krise hat auch beim SV Henstedt-Ulzburg den Sportbetrieb auf unbestimmte Dauer zum Erliegen gebracht.

Hinter den Kulissen ist derweil eine Entscheidung gefallen, die bei den Verantwortlichen schon länger reifte und jetzt Realität geworden ist: Das Regionalliga-Frauenteam wird im sehr wahrscheinlichen Fall des Titelgewinns das Aufstiegsrecht in die neue eingleisige 2. Bundesliga nicht in Anspruch nehmen.

Bewerbungsfrist ist vorbei

Norbert Dachsel erhielt unlängst einen Anruf aus der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt. Am Telefon war Christina Wolff, Koordinatorin für den Frauenfußball im DFB. Nachdem die Frist der formalen Bewerbung für die 2. Bundesliga am 15. März endete, fragte Wolff den im Frauenfußballbereich des SVHU für die Finanzen zuständigen Teammanager, welche Beweggründe es für den Verzicht auf den Aufstieg geben würde.

Die Antwort lautete so, wie sie in der jüngsten Vergangenheit immer wieder lautete: „Der Aufstieg ist wirtschaftlich nicht zu bewerkstelligen“, so Dachsel. Dabei hatte zwischendurch durchaus noch ein wenig Zuversicht geherrscht.

„Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten gehofft, dass unsere Entscheidung am Ende anders ausfallen würde“, sagte der Teamverantwortliche, der schon seit längerer Zeit in engem Austausch mit SVHU-Abteilungsleiter Dieter Rauten­stengel steht. Der erklärte: „Wenn wir keine zusätzlichen Sponsoren aquirieren können, wird sich im sportlichen Erfolgsfall an der Situation auch zukünftig nichts ändern.“

Etat in der 2. Bundesliga wäre sechsstellig

Der Etat für die Regionalliga Nord liegt zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Für die 2. Bundesliga wäre er mit 120.000 bis 150.000 Euro dagegen im sechsstelligen Bereich angesiedelt, doch dafür fehlen trotz intensiver Suche die nötigen Geldgeber. Auf den Verein kämen in der zweithöchsten deutschen Klasse automatisch weit höhere Kosten und Vergütungen zu.

So müssten beispielsweise weitere Reisen in den Süden Deutschlands und damit mehrmalige Übernachtungen einkalkuliert werden. Die Aufwandsentschädigungen für Schiedsrichter bei Heimspielen erhöhen sich. Und nicht zuletzt würden Spielerinnen des 22er-Kaders nicht mehr wie bisher ohne Salär kicken.

Dieter Rautenstengel: „Wir müssten zusätzlich ungefähr 80.000 Euro eintreiben, um den Spielbetrieb zu gewährleisten.“ Da helfen auch die 35.000 Euro an Unterstützung durch den DFB für Clubs der 2. Bundesliga kaum weiter. Und müsste eine Mannschaft im Verlaufe der Saison sogar abgemeldet werden, können Strafen bis in den sechsstelligen Bereich fällig werden. Dieses Risiko wollen Vereine selbstverständlich auf keinen Fall eingehen.

Gros des Teams trägt Entscheidung mit

Trainer Christian Jürss hat sich mit dem Umstand arrangiert, dass seine Mannschaft auch in der kommenden Saison in der Regionalliga spielen wird. „Wir haben seit meinem Amtsantritt vor einem Jahr einige Schritte in die richtige Richtung gemacht“, sagt Jürss, der seit 2019 A-Lizenz-Trainer ist, „und ich bin zuversichtlich, dass wir das Thema Aufstieg in der Serie 2020/2021 verstärkt angehen können.“

Das Gros der Mannschaft ist bereit, diesen Weg mit dem Coach, von dessen Fähigkeiten die Spielerinnen überzeugt sind, mitzugehen. Torjägerin Alina Witt und Mannschaftsführerin Jennifer Michel sind einer Meinung: „Das Team wird das Niveau weiter hochhalten, um in der kommenden Saison erneut Meister zu werden.“

Ausdauerläufe statt Training

Zunächst allerdings wird der Ball aber nicht mehr rollen. So hat Christian Jürss das für den morgigen Mittwochabend vorgesehene Sichtungstraining für neue Spielerinnen am Schäferkampsweg abgesagt. Zur Untätigkeit sind seine Fußballerinnen trotzdem nicht verdammt: Sie haben per App ein vom Trainer zusammengestelltes Konditionsprogramm auf ihren Smartphones abgespeichert und werden sich mit Ausdauerläufen in der fußballlosen Zeit fit halten…