Norderstedt
Coronavirus-Krise

Die Saisonplanung der Schwimmer ist hinfällig

Celina Benner (14) von der SG Wasserratten Norderstedt hat die Norm für die deutschen Jahrgangsmeisterschaften über 50 Meter Rücken bereits geschafft. Ob die Titelkämpfe in Berlin Ende Mai stattfinden werden, muss allerdings abgewartet werden.

Celina Benner (14) von der SG Wasserratten Norderstedt hat die Norm für die deutschen Jahrgangsmeisterschaften über 50 Meter Rücken bereits geschafft. Ob die Titelkämpfe in Berlin Ende Mai stattfinden werden, muss allerdings abgewartet werden.

Foto: Anne Pamperin

Es gibt keine Trainingsmöglichkeiten mehr. SG Wasserratten pausiert mindestens bis 19. April, die DLRG Norderstedt bis 30. April.

Norderstedt. Celina Benner (14), Leistungsschwimmerin der Startgemeinschaft Wasserratten, verbringt normalerweise fast täglich mehrere Stunden im Norderstedter Schul- und Vereinsbad, schwimmt Kilometer um Kilometer, absolviert zudem mehrmals pro Woche Trockentraining im Kraftraum. Aber normal ist in Zeiten der Coronavirus-Krise so ziemlich nichts mehr...

Der Übungsbetrieb der Wasserratten wurde zunächst bis zum 19. April eingestellt. Und das gilt nicht nur für das Training im nassen Element. Auch an gemeinsame Einheiten an Land ist zurzeit nicht zu denken.

Freizeit statt Übungseinheiten

„Das ist nicht so cool. Ich weiß gar nicht, was ich mit meiner ganzen Freizeit anfangen soll. Das Training und die Wettkämpfe, aber auch meine Schwimmkameraden fehlen mir sehr. Es ist merkwürdig, wenn man sich sonst jeden Tag sieht und dann auf einmal gar nicht mehr“, sagt Celina Benner, die ihr immenses Pensum auf sich nimmt, um gute Zeiten zu schwimmen und sich für Veranstaltungen auf regionaler und überregionaler Ebene zu qualifizieren.

Die Schülerin der Gemeinschaftsschule Friedrichsgabe ist eines der hoffnungsvollsten Talente der SG Wasserratten Norderstedt. 2019 nahm die Achtklässlerin erstmals an deutschen Jahrgangsmeisterschaften teil. Für die diesjährigen Titelkämpfe in Berlin, die theoretisch Ende Mai stattfinden sollen, hat Celina Benner bereits die Norm über
50 Meter Rücken unterboten.

Landesmeisterschaften fallen aus

Eigentlich hatte sie sich fest vorgenommen, auch noch auf anderen Strecken DJM-Tickets zu lösen. Aber niemand weiß, ob und wann es noch Möglichkeiten zur Qualifikation geben wird. Die für den 18. und 19. April geplanten Schleswig-Holstein-Meisterschaften in Lübeck wurden bereits abgesagt. Und auch die Norddeutschen Titelkämpfe in Hannover (9. und 10. Mai) sowie die eine Woche später angesetzten Norddeutschen Mehrkampfmeisterschaften für die jüngeren Sportler in Braunschweig stehen auf der Kippe.

Aktuell kann kein Mensch sagen, ob sich die angespannte Lage im Mai schon wieder beruhigt hat. Ob die DJM tatsächlich stattfinden werden, steht ebenfalls in den Sternen. Für Christian Oehring, den hauptamtlichen Trainer der Leistungsschwimmer, kommt es zurzeit knüppeldick. „Das ist eine Katastrophe, die Saisonplanung für das erste Halbjahr 2020 ist komplett hinfällig. Die Situation verändert sich mit einer unglaublichen Dynamik, und niemand weiß, was in ein paar Wochen sein wird“, sagt der 45-Jährige frustriert.

Trainingsrückstand ist programmiert

Gerade im Schwimmsport sind unterschiedliche Trainingsphasen und -inhalte zur richtigen Zeit für den Formaufbau entscheidend. Sollten die DJM tatsächlich zum geplanten Termin stattfinden, müssten die Aktiven mit einem großen Trainingsrückstand antreten. „Körperlich fit halten müssen sich die Sportler auf jeden Fall. In Zeiten von Corona müssen und werden wir deshalb andere Trainingsformen entwickeln“, so Oehring.

Die DLRG Norderstedt hat ihren Trainings-, Wettkampf- und Ausbildungsbetrieb bis zum 30. April eingestellt. Die für das Himmelfahrtswochenende geplanten Landesmeisterschaften im Rettungsschwimmen in Lübeck und das dazugehörige Landesjugendtreffen wurden ebenfalls schon jetzt abgesagt. Ob und wie zumindest die reinen Schwimmwettbewerbe und damit auch die nötigen Qualifikationsveranstaltungen für die Deutschen Meisterschaften im Oktober nachgeholt werden, muss noch geklärt werden.

DLRG-Chef Holger Lahn lobt Maßnahmen

Die Norderstedter Rettungsschwimmer, die im September an den Weltmeisterschaften in Italien teilnehmen wollen, hängen ebenfalls in der Luft, da alle Schwimmbäder in der Region geschlossen haben. Training? Totale Fehlanzeige! Ausfallen wird zudem das für Pfingsten geplante Landeskindertreffen am Brahm­see.

Das ist für alle Beteiligten sehr schade. Aber gerade wir, als eine Organisation, die Leben rettet, stehen ganz erheblich in der Verantwortung und Fürsorge für unsere Mitglieder, Kursteilnehmer und Mitmenschen“, sagt Holger Lahn, der Vorsitzende der DLRG Norderstedt, „wir sind uns bewusst, dass die in den vergangenen Tagen getroffenen Maßnahmen und Empfehlungen sehr weitreichend sind, aber wir halten diese in der aktuellen Situation für richtig und notwendig, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen beziehungsweise zu verlangsamen.“