Norderstedt
DORFCLUB-DOKU

Der SV Todesfelde bietet großes Kino

Jubeln ist diese Saison an der Tagesordnung beim SVT – so wie hier Niklas Stehnck während des Hallenmasters-Triumphs in Kiel.

Jubeln ist diese Saison an der Tagesordnung beim SVT – so wie hier Niklas Stehnck während des Hallenmasters-Triumphs in Kiel.

Foto: Sönke Ehlers

Der Berliner Kameramann Paul Gredig dreht über den Fußball-Oberligisten den Film „Blau.Gelb.Tor!“ – finanziert über ein Crowdfunding.

Todesfelde.  Der SV Todesfelde, souveräner Tabellenführer und Herbstmeister in der schleswig-holsteinischen Fußball-Oberliga, reiht sich wahrscheinlich schon bald in eine Reihe von Topclubs wie Borussia Dortmund, Juventus Turin oder Manchester City ein. Denn genau wie die zur europäischen Spitze des Fußballs zählenden Mannschaften wird der amtierende Masters-Gewinner mit der Kamera dokumentarisch begleitet. Der Titel: „Blau.Gelb.Tor!“

Hierzu startet jetzt ein Crowdfunding über die Plattform Startnext. Der Schöpfer des Projektes ist Student der Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität von Berlin: Paul Gredig. Der 32-Jährige, der 1987 in Ludwigslust geboren wurde, zwei Jahre später zur Wende mit den Eltern nach Bad Segeberg zog, von 2006 bis 2009 in Rostock Mediengestaltung für Bild und Ton lernte und danach nach Berlin ging, wollte schon nach dem Abitur Dokumentarfilmer werden.

Er entwickelte früh ein Faible für dieses Metier – nicht nur im Sport. So gehörte Gredig als zweiter Kamera-Assistent zu dem Filmteam, das 2012 den ersten Hamburger Tatort mit Wotan Wilke Möhring als Kriminalhauptkommissar Thorsten Falke drehte.

Das Projekt soll mit Hilfe der besagten Crowdfunding-Kampagne finanziert werden, die ab sofort läuft. Hierbei können Anhänger und Interessenten gemeinsam eine Idee realisieren. Viele kleine Geldbeträge ergeben im Optimalfall eine große Summe. Die Unterstützer dürfen unter verschiedenen „Dankeschön“-Angeboten auswählen, die sie als Gegenleistung für ihre Beteiligung erhalten.

Ein Beispiel: Die Fans von Borussia Dortmund haben auf diese Weise einen Dokumentarfilm über Franz Jacobi, den Gründer des BVB, finanziert. Durch die damalige Crowdfunding-Aktion kamen sage-und schreibe knapp 220.000 Euro zusammen. Paul Gredig: „Ich wäre stolz, und sicher auch der Verein, wenn bis zum Abschlusstermin am 1. Juli etwa 30.000 Euro gesammelt wären.“

Wie entstand denn die Idee, den Dorfverein vom grünen Rasen auf den roten Teppich zu hieven? Während des Studiums flammte bei Paul Gredig eine alte Leidenschaft wieder auf – der Drang, Geschichten aus dem Leben zu erzählen. Und so machte er sich Ende 2019 auf, so eine Story zu finden. „Die Euphorie soll auf die Leinwand gebracht werden und das Menschliche im Vordergrund stehen“, sagt Paul Gredig.

Dass ihn die Suche nach Filmstoff in die alte Heimat, den Kreis Segeberg, verschlagen würde, ahnte er nicht. Denn ursprünglich arbeitete er an einem Projekt, bei dem er aktive Fan-Gruppierungen von Union Berlin und Hertha BSC bei der Vorbereitung auf das Derby begleiten wollte. Diese wollten sich jedoch nicht in die Karten gucken lassen.

Dieselbe Reaktion kam auch aus den organisierten Fanszenen des HSV und des FC St. Pauli, die an diesem Wochenende in der 2. Bundesliga aufeinandertreffen. Doch bei der Recherche nach geeigneten Ansprechpartnern im HSV-Umfeld brachte ihn ein Freund aus der Schulzeit, Enno Schottler, auf die Idee, beim SV Todesfelde anzufragen. Schottler hatte selbst über Jahre für den SVT gespielt und pflegt noch gute Kontakte zum Verein. Auch dort, im 1000-Einwohner-Dorf, gibt es eine organisierte Fanbewegung.

Es ging schnell und unkompliziert. Kontakte wurden geknüpft, der Verein war einverstanden und mit einem Freund als zweitem Kameramann begleitete Paul Gredig Spieler und Fans zum Hallenmasters-Turnier nach Kiel, bei dem Todesfelde am 11. Januar triumphierte. Der Film dazu befindet sich gerade im Schnitt, doch dabei soll’s nicht bleiben.

Angesichts der allgemeinen Euphorie und der Überzeugung vom Potenzial soll ein Dokumentarfilm-Projekt umgesetzt werden, das die SVT-Kicker durch den Rest der aktuellen und darüber hinaus auch durch die komplette nächste Saison begleitet. Mannschaft, Verein und Fans sollen porträtiert werden, um der Faszination um den fraglos ungewöhnlichen Verein auf den Grund zu gehen. Alles geschieht auf Basis des Crowdfundings.

Am Ende wird ein Streifen entstehen, der bei Dokumentarfilm-Festivals gezeigt werden, in ausgewählten Kinos und im Fernsehen laufen und auf DVD erhältlich sein soll. Das ist, sowohl beim Spiel- als auch beim Dokumentarfilm die übliche Verwertungskette. Der Todesfelder Clubvorsitzende Holger Böhm ist angetan: „Das ist eine tolle Geschichte und dürfte die Popularität unseres Vereins weiter steigern.“ Auch Teammanager Timo Gothmann freut sich: „Ich bin riesig gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird.“

Crowdfunding für „Blau.Gelb.Tor!“: https://www.startnext.com/blaugelbtor