Norderstedt
Innovative Idee

Eintracht Norderstedt macht’s wie der FC Liverpool

Vorbereitung auf die Vorbereitung: Jan-Philipp Rose wird seine Ex-Mitspieler in dieser Woche zweimal zum Athletiktraining bitten. Die erste Übungseinheit mit Ball absolviert Eintracht Norderstedt am Montag, 13. Januar.

Vorbereitung auf die Vorbereitung: Jan-Philipp Rose wird seine Ex-Mitspieler in dieser Woche zweimal zum Athletiktraining bitten. Die erste Übungseinheit mit Ball absolviert Eintracht Norderstedt am Montag, 13. Januar.

Foto: Anne Pamperin

Athletikcoach Jan-Philipp Rose orientiert sich an Welttrainer Jürgen Klopp und bietet den Regionalliga-Fußballern Life Kinetik an.

Norderstedt. Seine Laufbahn als Fußballer hat Jan-Philipp Rose am 30. Juni 2019 beendet. Kicken tut er allerdings nach wie vor gern, ehrgeizig ist er ebenfalls noch – fast wie zu aktiven Zeiten im Regionalliga-Team von Eintracht Norderstedt. Nämlich immer dann, wenn in den Übungseinheiten von Coach Jens Martens ein Trainingsmatch auf dem Programm steht. Dann mischt der 34-Jährige engagiert mit. „Und am Ende“, sagt er schmunzelnd, „gewinnt immer meine Mannschaft.“

„Rosi“ will seine Ex-Mitspieler mental fordern

Am überraschend guten Abschneiden der Eintracht in dieser Saison – 38 Punkte aus 22 Partien, vierter Tabellenplatz – hat Rose (Spitzname: „Rosi“), der für den Club von der Ochsenzoller Straße als Links- und Innenverteidiger, aber auch als Linksaußen insgesamt 174-mal auf dem Platz stand, ebenfalls seinen Anteil. Zwar nicht auf dem Rasen, dafür aber in der neu geschaffenen Funktion des Athletikcoaches. Seine Aufgabe: Die Ex-Mitspieler in den Bereichen Kraft, Schnellkraft und Beweglichkeit voranzubringen, sie – wenn nötig – individuell zu betreuen, aber auch mental zu fordern.

Demzufolge bietet Jan-Philipp Rose neben dem „normalen“, 30-minütigen Fitnessprogramm, das die Eintracht-Kicker freiwillig vor ihren überwiegend ballorientierten Übungseinheiten absolvieren können, immer freitags auch Life Kinetik an. Anders formuliert: Gehirntraining mit Bewegung. So soll die Konzentrationsfähigkeit der Kicker verbessert, ihre Reaktions- und Handlungsschnelligkeit gesteigert werden.

Life-Kinetik-Aufgaben muten seltsam an

Als Vorbild dient dem Regional-Vertriebsleiter der Gebäudereinigungsfirma Bockholdt KG dabei Jürgen Klopp, der Welttrainer 2019 und Coach des aktuellen Champions-League-Siegers FC Liverpool. „Er hat erkannt, wie wichtig die Schulung des Gehirns für Fußballer ist“, sagt Rose, den Teammanager Olaf Bösselmann als „perfektes Bindeglied zwischen Trainerstab und Mannschaft“ bezeichnet. Der Erfolg mit den „Reds“ gibt Klopp recht – und die Norderstedter haben beim Bewältigen der bisweilen seltsam anmutenden Life-Kinetik-Aufgaben viel Spaß...

Jan-Philipp Rose, der 1990 als F-Jugendlicher beim TuRa Harksheide mit dem Fußballspielen begann, über die Zwischenstation SC Poppenbüttel zum Hamburger SV kam und im Erwachsenenbereich vor seinem im Sommer 2012 vollzogenen Wechsel zu Eintracht Norderstedt für die zweite Mannschaft des FC St. Pauli, den BV Cloppenburg, Altona 93, den FC Oberneuland und Wacker Nordhausen spielte, ist für den Posten des Athletiktrainer prädestiniert. Denn: Er weiß aus eigener, bitterer Erfahrung, wie unverzichtbar ein gesunder, leistungsstarker Körper für den Verlauf der Karriere ist.

2006 platzt der Traum vom Profivertrag

2006 stand Rose kurz davor, einen Vertrag als Berufsfußballer bei Bayer 04 Leverkusen zu unterschreiben. Doch dann warf ihn eine schwere Verletzung des linken Sprunggelenks aus der Bahn. „Da war so ziemlich alles kaputt, was kaputtgehen konnte“, erinnert er sich, „ich musste ein Dreivierteljahr pausieren“ – und der Traum vom Profivertrag war geplatzt.

Später, in seiner Zeit beim FC Oberneuland, wurde bei ihm ein Knorpelschaden vierten Grades im linken Knie diagnostiziert – und im Trikot von Eintracht Norderstedt zog sich Jan-Philipp Rose nach einem unglücklichen Zusammenprall mit dem damaligen Torhüter Ole Springer, eine komplizierte Gesichtsfraktur zu.

Die Muskelmasse ist nicht entscheidend

Rose, der sich die Inspiration für den Eintracht-Job während einer Hospitation beim spanischen Club FC Villarreal holte, will in seinem Aufgabenbereich trotz der für Fußball auf hohem Niveau zweifellos erforderlichen Robustheit keine Muskelmänner züchten. „Das Spiel ist in den vergangenen Jahren immer schneller geworden, aber es ist nicht vorrangig, dass man wie Timo Werner von RB Leipzig 80 Meter geradeaus sprinten kann. Wichtiger ist, schnell abstoppen und starten, die Richtung ändern, nach einem Pass flink vom Gegenspieler wegkommen zu können.“

Jan-Philipp Rose fühlt sich in Norderstedt bestens aufgehoben. „Der Verein hat mir den Einstieg ins Trainergeschäft ermöglich, dafür bin ich dankbar. Und die Zusammenarbeit mit Jens Martens und Olufemi Smith ist sehr harmonisch.“ Dessen ungeachtet qualifiziert er sich weiter: Die Hausarbeit für die Fußball-Athletiktraining-A-Lizenz ist abgegeben – und demnächst wird Rose für die B-Elite-Trainerlizenz pauken.