Norderstedt
FUSSBALL

Der Eintracht-Nachwuchs stürmt nach oben

Stürmer Batuhan Evren (17) hat bisher acht Saisontore erzielt, er ist eines der größten Talente im Verein.

Stürmer Batuhan Evren (17) hat bisher acht Saisontore erzielt, er ist eines der größten Talente im Verein.

Foto: Thomas Maibom

Norderstedter U-19-Talente haben sich mit einer Erfolgsserie in den Kreis der Kandidaten für einen Bundesliga-Aufstieg gespielt.

Norderstedt. Unmittelbar nach dem 1:1 beim JFV Nordwest stattete Ralf Palapies, Trainer der U-19-Fußballer von Eintracht Norderstedt, seine Schützlinge mit der Lizenz zum Faulenzen aus. „Jetzt dürfen meine Jungs über Weihnachten die Füße hochlegen. Nach dieser Hinrunde haben sie sich das mehr als verdient.“

Als Dritter mit 29 Punkten aus 14 Spielen überwintert Eintrachts wichtigste Jugendmannschaft in der A-Junioren Regionalliga Nord auf Schlagdistanz zur absoluten Spitze. Tabellenführer VfL Osnabrück ist fünf Punkte voraus, der auf dem Relegationsplatz rangierende Tabellenzweite Eimsbütteler TV nur drei Zähler. Der Aufstieg in die Bundesliga, zuletzt ein Thema unter Coach Thomas Bohlen in der Saison 2016/17 und damals als Dritter verpasst, ist sportlich möglich. Wenngleich Palapies und seine Jungs daran offiziell keinen Gedanken verschwenden. Nach miserablem Start mit drei Pleiten und nur einem Sieg traten die Garstedter Jungs immer dominanter auf, ernteten als Lohn acht Siege und zwei Remis.

Stabile Abwehr ist Basis des Aufschwungs

„Wir müssen schnell lernen, die einfachen Fehler abstellen“, hatte Palapies nach dem krisenhaften Start gefordert. Das klappte. Der Aufschwung weist dabei eine Parallele zum Saisonverlauf des Herren-Regionalligateams auf: das deutlich verbesserte Defensivverhalten. An den ersten vier Spieltagen schluckte die „Pala“-Elf neun Gegentore, in den zehn Spielen danach kamen ganze acht hinzu. Damit stellt die Mannschaft die viertbeste Abwehr aller 14 Teams.

In der Offensive, die 30 Treffer erzielte, machten vor allem Batuhan Evren (acht Tore) und Noel Denis (fünf) auf sich aufmerksam, sie glänzten auch als Vorbereiter. „Die Winterpause wollen wir nun nutzen, um unsere Verletzten wieder an Bord zu kriegen, damit wir im neuen Jahr wieder voll da sind“, so Palapies. Lob erhält er von Präsident Reenald Koch. „Ralf Palapies macht einen Superjob.“ Zusätzliche Wort der Anerkennung verteilt der Vereinsboss an den Vorgänger: „Jens Martens hat mit seiner herausragenden Arbeit das Fundament dafür gelegt, dass wir nun eine richtig gute U 19 haben.“

Martens trainierte das Team ab dem 15. Dezember 2017, rettete es zunächst vor dem Abstieg. Als er am 9. April diesen Jahres das Herren-Regionalligateam übernahm, coachte er bei der U 19 trotzdem die Saison parallel zu Ende, führte das Team schließlich auf Rang fünf. „Beim Herren-Training am Montag sind regelmäßig zwei bis drei Jugendspieler dabei. Wir sehen die Chance, im Sommer Talente in unsere Herren-Regionalligamannschaft hochzuziehen“, sagt Reenald Koch.

Der Aufstieg ist keine Pflicht

Druck will er dem Nachwuchs nicht machen. „Wir würden uns über den Aufstieg unserer U 19 in die Bundesliga sehr freuen, Pflicht ist dieser aber keinesfalls“, stellt Koch klar. Es könnte also alles so herrlich sein, wäre da nicht der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Wie das Internetportal „Sportbuzzer“ berichtet, streicht Deutschlands mitgliederstärkster Verband bundesweit den U-19- und U-17-Teams in den Regionalligen 400.000 Euro. „Für uns bedeutet das 3000 Euro weniger für unsere U 19 in der Regionalliga Nord. Wir erhielten bisher einen Reisekostenzuschuss in dieser Höhe vom DFB für unsere U 19. So konnten wir sechs Auswärtsfahrten finanzieren“, erklärt Reenald Koch.

Doch der DFB sieht sich als Bundesverband neben seinen Jugend-Nationalmannschaften künftig nur noch für die Bundesligen verantwortlich. „Ich sehe die Maßnahme kritisch“, so der Eintracht-Präsident. „Schließlich zeigen die Zahlen, dass es im Fußball-Jugendbereich im Alter von sechs bis 14 Jahren einen massiven Zulauf gibt, der Trend sich im Alter von 14 bis 18 aber umdreht. Wir müssen nun jedenfalls schauen, wo wir das Geld herkriegen.“ Und zwar eventuell 6000 statt 3000 Euro. Schließlich kämpft Eintrachts U 17 um den Aufstieg in die Regionalliga Nord der B-Junioren.

Am heutigen Sonnabend nimmt Koch an einer Präsidiumssitzung des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NordFV) teil. Er ist selbst Mitglied des Präsidiums. Zur Debatte steht ein Antrag von Walter Fricke (ebenfalls NordFV-Präsidiumsmitglied und Vorsitzender des Jugendausschusses des Niedersächsischen Fußball-Verbandes). „Herr Fricke möchte, dass der NFV die Kosten von 50.000 Euro für seine Teams selbst übernimmt. Ich glaube nicht, dass dies finanziell machbar ist“, so Kochs Prognose.

Ein Aufstieg von Eintracht Norderstedts U 19 in die Bundesliga würde das finanzielle Problem für den Verein übrigens nicht lösen. Zwar würde der Reisekostenzuschuss in diesem Fall wieder vom DFB übernommen. Doch die Kosten für die dann anfallenden, bundesweiten Auswärtsfahrten wären ungleich höher.