Norderstedt
FUSSBALL

TuRa Harksheide ist reif für die Oberliga

Pascal Ehrenberg (24), einer der Kapitäne im Team, hat bereits mit dem Niendorfer TSV Oberliga-Erfahrung gesammelt.

Pascal Ehrenberg (24), einer der Kapitäne im Team, hat bereits mit dem Niendorfer TSV Oberliga-Erfahrung gesammelt.

Foto: Anne Pamperin

Norderstedter Fußball-Landesligist überwintert als Tabellenzweiter. Viele Spieler haben sich in den letzten Monaten positiv entwickelt.

Norderstedt. Auf der letzten Mannschaftssitzung des Jahres bei Fußball-Landesligist TuRa Harksheide zog TuRa-Trainer Jörg Schwarzer den Hut vor seinem Team. „Ich habe die Mannschaft gelobt für ihre saisonübergreifend 73 Punkte im Kalenderjahr 2019. Wer sich die Tabelle hinschaut, weiß, womit man damit am Ende einer Saison stehen kann.“

23 dieser Zähler holte der aktuelle Tabellenzweite der Landesliga Hammonia in elf Partien der Rückrunde der Saison 2018/19, gar satte 50 Punkte aus 20 Partien in der aktuellen Saison. Bleibt die Punkteausbeute so beständig, ist der Titelgewinn in den verbleibenden zehn Spielen im neuen Jahr möglich. Der Rückstand auf Spitzenreiter HEBC beträgt nur zwei Zähler. Mindestens Rang zwei dürfte TuRa bei Konservierung der eigenen Top-Form nicht mehr zu nehmen sein. Damit bleibt die junge Truppe ein heißer Kandidat für den Aufstieg in die Oberliga Hamburg.

Dies ist seit Jahren der große Traum am Exerzierplatz. Doch offensiv proklamiert wird er nicht. „Wenn es mit einem Aufstieg in die Oberliga Hamburg klappt, ist es schön. Dann nehmen wir ihn mit. Wenn nicht, ist es nicht schlimm. Wir spielen trotzdem eine tolle Saison“, sagt der dritte Kapitän Pascal Ehrenberg. Der 24-Jährige ist ein Beispiel für die Baukunst von Coach Schwarzer. Als gelernter Rechtsverteidiger kam der frühere U-19-Spieler von Dynamo Dresden vor der Saison vom Oberligisten Niendorfer TSV. Eine berufliche Veränderung sowie sein jetziger Mitspieler und langjähriger Freund Lars Hartmann hatten ihm den Wechsel schmackhaft gemacht.

Yannick Fischer ist Top-Torschütze mit 15 Treffern

Doch welche Überraschung: Ehrenberg spielt seitdem auf der Sechserposition vor der Abwehr. „Pascal hatte Defizite im Tempo. Außen mag ich lieber schnelle Spieler. Aber es war schnell zu sehen, wie clever er fußballerisch agiert, welche blitzgescheiten Ideen er hat. Deshalb habe ich ihn umgeschult“, erläutert Schwarzer. Gerne spricht der Coach davon, sich „die Spieler da einzubauen, wo sie gut hin passen“.

Weitere Beispiele sind Leon Cammann (mutierte vom Rechtsverteidiger zum Innenverteidiger), Dominik Mahnke (vom Sechser zum Innenverteidiger) und Stürmer Yannick Fischer. Letzterer war eigentlich für eine Defensivposition eingeplant, Schwarzer wünschte sich aber in vorderster Front einen unerschrockenen Angreifer. „Ich wollte dort einen Brecher mit großem Willen und mit Geschwindigkeit haben, der sich robust behauptet“, so Schwarzer. Ergebnis: Fischer erzielte 15 Saisontore, die lange Ausfallzeit des oftmals unglücklich verletzten Neuners Jonah Petersen fiel kaum ins Gewicht. Verletzungspech hatte TuRa, bis auf Petersen, sowieso kaum. Meist konnte Schwarzer aus dem Vollen schöpfen. Mit der Spielkunst konnte allenfalls noch der Tabellenvierte ETV mithalten. Spitzenreiter HEBC lebt eher von wuchtiger Kampfkraft, personifiziert in Liga-Top-Torjäger Janosch Rinckens (17 Treffer), und starken Standards. Den Vergleich der beiden Topteams auswärts am Reinmüller-Platz gewann TuRa hochverdient mit 4:2.

Aus „No Names“ hat sich eine schlagkräftige Einheit gebildet

Nicht zuletzt dieses Resultat verdeutlichte: Viele Spieler haben in ihrer Entwicklung einen großen Sprung nach vorne gemacht. Exemplarisch dafür steht Keeper Aboubakar Fofana. Seine Ausstrahlung ist selbstbewusster geworden, in der Strafraumbeherrschung hat er sich stark verbessert – die früher bei TuRa gängige Rotation zwischen den Pfosten hat Coach Schwarzer daher eingestampft. Er lobt diesbezüglich die Arbeit von Torwarttrainer Hendrik Mahnke. Ebenso wie Liga-Obmann Philipp Penkwitt, dessen Kontakte intelligente Transfers ermöglichten. „Eigentlich haben wir viele ‘No Names’ geholt“, sagt Schwarzer. „Aber diese ‘No Names’ sind eine spielerisch starke Truppe.“

Und eine sehr familiäre, wie Spieler Ehrenberg betont, dem sportlich der „große, gleichwertige Kader“ sehr gefällt. Zum Aufstieg sicher reichen würde allerdings nur Rang eins. Platz zwei berechtigt, wenn kein Hamburger Regionalligist absteigt, zu einem Entscheidungsspiel gegen den Zweiten der Landesliga Hansa (aktuell ASV Hamburg). Wenn zudem ein Oberligist in die Regionalliga Nord aufsteigen sollte, würde auch der Zweite direkt hochgehen. In der vergangen Saison stieg mit dem Hammonia-Dritten Union Tornesch durch ein Entscheidungsspiel gegen den Hansa-Dritten VfL Lohbrügge sogar eine drittplatzierte Mannschaft auf, da der Wedeler TSV sich aus der Oberliga zurückzog.

Viele Rechenspiele sind also möglich. Doch was fehlt der TuRa-Mannschaft noch, um bei einem Aufstieg ins Hamburger Oberhaus dort auch zu bestehen? „Dort bräuchten wir zwei, drei erfahrene Spieler, die wissen, wie der Hase da läuft – und auch mal dreckig spielen. Sonst wären wir gut aufgestellt“, sagt Ehrenberg. Coach Schwarzer bleibt entspannt: „Wir wollten oben dabei sein. Das sind wir. Wir werden die Rückrunde hochkonzentriert angehen.“