Norderstedt
FUSSBALL

Eintracht bleibt auswärts eine Macht

Innenverteidiger Yannik Nuxoll (verdeckt) wird nach seinem 2:1 von den Teamkollegen geherzt – sein Kopfballtor sichert die drei Punkte.

Innenverteidiger Yannik Nuxoll (verdeckt) wird nach seinem 2:1 von den Teamkollegen geherzt – sein Kopfballtor sichert die drei Punkte.

Foto: Marcus Sellhorn

Fußball-Regionalligist Eintracht Norderstedt gewinnt zum siebten Mal in Folge auf fremdem Platz – diesmal mit 2:1 bei Holstein Kiel II.

Kiel. Die Spieler des Regionalligisten Eintracht Norderstedt haben sich in der Fremde erneut als echte „Killermichels“ erwiesen. Der Party-Hit „Auswärts sind wir asozial“ eben jener Band dröhnte aus den Boxen des Mannschaftsbusses, um das hochverdiente 2:1 (1:1) bei Holstein Kiel II gebührend zu feiern. Sogar Trainer Jens Martens, mit 64 Jahren einer völlig anderen Musik-Generation angehörig, wippte euphorisch mit.

Aus gutem Grund: Durch den Dreier bauten die Garstedter ihre Serie auf sieben Auswärtssiege am Stück aus – nur zu Kreisligazeiten gab es einmal sogar acht Erfolge hintereinander. Mit der Eintracht zu reisen, macht als Fan einfach Spaß. Nacheinander zogen nun seit dem 28. September Werder Bremen II (3:1), der TSV Havelse (1:0), Hannover 96 II (1:0), der SSV Jeddeloh (2:1), Altona 93 (3:0), der Heider SV (2:1) und nun Kiel (2:1) auf eigenem Geläuf den Kürzeren.

Von Knebel schiebt souverän ein

Vom Anpfiff weg machte auf dem Kunstrasenplatz (die Partie wurde aufgrund der Unbespielbarkeit des Rasens verlegt) nur die Eintracht die Musik, bestimmte wie ein gutes Orchester in der Anfangsphase jederzeit den Takt. Jan Lüneburg (2.) und Nathaniel Amamoo (8.) vergaben die Führung noch, Johann von Knebel nicht. Lennart Keßner leistete über die rechte Seite die Vorarbeit, ehe Norderstedts zentraler Offensivmann einschob (15.). „In den letzten Spielen hat Johann ein paarmal zu blind einfach auf den Kasten gehauen. Diesmal hat er das viel klüger gemacht“, lobte Martens.

Der erste Misston folgte in der 21. Spielminute. Nach einem Foul an Amamoo blieb der von vielen der 70 Zuschauer erwartete Elfmeterpfiff aus. Und statt 2:0 stand es bald 1:1. Die sonst über fast die gesamte Spieldauer sehr passiven Kieler produzierten ein One-Hit-Wonder durch den Ex-Norderstedter Laurynas Kulikas. Per Volleyschuss nagelte dieser den Ball zur Verblüffung aller Beteiligten ins Netz (32.). Jens Martens: „Den trifft er bei 100 Versuchen maximal zweimal so.“

Norderstedt erarbeitet sich ein deutliches Chancenplus

Positiv: Die Eintracht ließ sich nicht beeindrucken. Doch Keßner (35.) und Hamajak Bojadgian (38.) nutzten ihre Möglichkeiten zum 2:1 nicht. Nach dem Wechsel ging es zunächst ohne zählbaren Erfolg für das überlegene Team weiter. Dafür schepperte es ordentlich. Der agile Keßner (Latte) und Nils Brüning (Pfosten) ließen den Kasten der Kieler in der 50. Minute binnen Sekunden kurz erbeben – bevor der Ball endlich wieder im Netz landete. Einen Freistoß von Rico Bork, für dessen Einsatz es aufgrund einer Sprunggelenkprellung erst einige Stunden vor dem Anpfiff grünes Licht gegeben hatte, schädelte Yannik Nuxoll mit der Entschlossenheit eines guten Frontmanns auf der Bühne ins Tor (52.). Bald darauf war wieder das Klatschen der Handschuhe auf dem Ball zu hören. Kiels bester Akteur, Torwart Timon Weiner, hielt seine Mannschaft mit Paraden gegen Amamoo (53.) und Keßner (56.) im Spiel. Chancentechnisch verflachte die Partie danach etwas, nur Eintracht-Keeper Lars Huxsohl musste einmal gegen Kulikas zugreifen, dem an diesem Tage kein weiteres Traumtor vergönnt sein sollte (70.). Eine weitere Kopfballchance vergab er durch einen unplatzierten Abschluss.

Latte rettet Eintracht kurz vor Abpfiff

Doch die schwachen Kieler hatten tatsächlich noch eine aus Eintracht-Sicht ungewollte Zugabe auf Lager, die fast die Stimmung auf der Rückfahrt verdorben hätte. Barne Pernot legte sich den Ball zwei Minuten vor dem Abpfiff zum Freistoß zurecht und hämmerte ihn mit Urgewalt ans Lattenkreuz (88.). Mit der letzten Aktion des Spiels traf Nils Brüning auf der Gegenseite erneut den Pfosten, musste aber nicht unglücklich sein. Schließlich folgte der erlösende Abpfiff unmittelbar nach seinem erneuten, wiederum knappen Fehlschuss.

„Das war heute eine überragende Mannschaftsleistung meiner Jungs. Ich möchte keinen Spieler hervorheben. Alle waren top. Selten war ein Auswärtssieg verdienter als dieser“, sagte Coach Martens nach dem zugleich letzten Punktspiel in diesem Jahr. „Was meine Mannschaft in diesem Halbjahr in der Regionalliga Nord geleistet hat, ist wirklich großartig. Darauf kann sie stolz sein.“ Sprach’s und machte sich auf – zur großen musikalischen Feierstunde im Mannschaftsbus.

Eintracht Norderstedt: Huxsohl – Kummerfeld, Nuxoll, Bojadgian, Bork – Nyarko – Keßner (81. Brown), Amamoo (90. Grau), von Knebel, Brüning – Lüneburg (77. Kobert).

Tore: 0:1 Johann von Knebel (15.), 1:1 Laurynas Kulikas (32.), 1:2 Yannik Nuxoll (52.). Z.: 70.