Norderstedt
FUSSBALL

SV Todesfelde will in die Regionalliga Nord

Torjäger Morten Liebert und Kapitän Luca Sixtus sind zwei der wichtigsten Spieler im Team des Oberliga-Tabellenführers.

Torjäger Morten Liebert und Kapitän Luca Sixtus sind zwei der wichtigsten Spieler im Team des Oberliga-Tabellenführers.

Foto: Thomas Maibom

Fußballer des Dorfclubs beschäftigen sich immer intensiver mit dem Aufstieg. Hauptsponsor Bernd Jorkisch unterstützt die Pläne.

Todesfelde. Für die Aufwertung des Amateurfußballs im Kreis Segeberg steht – neben Eintracht Norderstedt – mittlerweile der Name eines Vereins: SV Todesfelde. Nach etlichen Jahren schickt sich eine Mannschaft an, in die gehobene Gesellschaft der norddeutschen Eliteclubs aufzurücken. Das Team des Dorfvereins beherrscht in dieser Saison die Szenerie in der Flens-Oberliga.

Sieben Siege am Stück, nur vier Niederlagen 2019 und überhaupt große Beständigkeit: Die Verantwortlichen machen sich konkret Gedanken darüber, wie sie im Falle der Meisterschaft einen Aufstieg in die Regionalliga Nord – dieser wird über eine Playoff-Runde geregelt – bewerkstelligen könnten. Aktuell sechs Punkte Vorsprung auf Verfolger Phönix Lübeck, dem ebenso Ambitionen nachgesagt werden, lassen den SVT-Kader um Teamchef Sven Tramm und das gesamte Umfeld des Vereins träumen. Doch es stellen sich diverse Fragen: Wie ist es um die Machbarkeit des Aufstiegs bestellt? Kann der SVT die nicht unerheblichen Auflagen des Norddeutschen Fußball-Verbandes erfüllen? Ist die nötige Infrastruktur vorhanden? Und das Wichtigste: Ist das Projekt finanziell überhaupt zu stemmen? Wie hoch müssten die Investitionen angesetzt werden, um eine reelle Chance zu haben, sich zu etablieren?

Bernd Jorkisch spielte einst selbst für den SVT

Die Verwirklichung des Traums und das Bekenntnis der Fußballer, das sportliche Abenteuer zu wagen, wird im Wesentlichen vom Engagement eines Mannes gestützt, dessen finanzielle Unterstützung den Aufschwung im SVT-Fußball vor 20 Jahren einleitete: Bernd Jorkisch. Der geschäftsführende Gesellschafter eines Holzhandelsunternehmens in Daldorf (Gesamtbetriebsfläche: 130.000 Quadratmeter) garantiert zusammen mit ungefähr 60 Kleinsponsoren das wirtschaftlich gesunde Fundament des SV Todesfelde.

Der 62 Jahre alte Unternehmer, dessen berufliche Karriere 1978 als 20-Jähriger mit der Gründung eines Kleinsägewerks auf dem heutigen Gelände in Daldorf begonnen hatte, ist seit Anfang der 1970er-Jahre Mitglied beim SV Todesfelde, der seit 2005 – mit einer zweijährigen Unterbrechung – der Oberliga angehört. Hier spielte Jorkisch in der Jugend auch Fußball, „wenn auch nicht mit dem Erfolg, wie er heute Fußballanhängern des Clubs immer wieder Freude bereitet.“

Der „Joda-Sportpark“ trägt den Namen der Marke für Haus und Garten der Firma von Jorkisch. Der Geldgeber, der in Bad Segeberg lebt, hat einmal gesagt: „Der SV Todesfelde ist ein besonderer Verein. Er ist ein Identifikationsfaktor für viele Menschen. Er steht für Integration und ist ein Team der gesamten Region.“

Der in Bockhorn aufgewachsene Vater von drei Töchtern zeigte sich schon immer beeindruckt von der Tatsache, dass der Verein durchweg ehrenamtlich geführt wird. Das fängt beim Vorsitzenden Holger Böhm an und setzt sich fort bis hin zu den zahlreichen Helfern, die die Anlage an der Dorfstraße pflegen und instand halten. Dazu gehört zum Beispiel aktuell der Neubau der Sanitäranlagen in den Umkleideräumen. 2015 bauten Clubmitglieder in Eigenregie die Haupttribüne, Jorkisch stiftete das Holz.

Seit 2018 ist der Förderer Träger des Bundesverdienstkreuzes. Er ist Honorarkonsul von Finnland für den Ostseeraum und engagiert sich in vielen Bereichen für soziale Zwecke. Nun gibt Jorkisch eine klare Zielrichtung aus. „Wir werden uns schnellstmöglich an einen Tisch setzen, die Möglichkeiten ableuchten und rechtzeitig bis zum Meldetermin beim Norddeutschen Fußball-Verband eine Entscheidung treffen.“

Der NordFV verlangt eingezäunte Stehplätze

Was gefordert ist, erklärt Eddy Münch, Sicherheitsbeauftragter des schleswig-holsteinischen Landesverbandes. Er kennt den Verein gut. „Wir haben Vorgespräche geführt“, sagt Münch. „Vor allen Stehplatzbereichen müssen Zäune von 2,20 Meter Höhe stehen, vor den Sitzplätzen müssen sich Ordner aufstellen.“ Wichtig sei auch die Zuschauertrennung, es muss also ein separater Bereich für Gästefans eingerichtet werden. Grundsätzlich, so Münch, sei Todesfelde aber „wirklich gut aufgestellt“.

Hauptsponsor Jorkisch verspricht, den erhöhten Aufwand mittragen zu wollen. „Bei allen Überlegungen werden wir allerdings Vernunft walten lassen. Das Gesamtgebilde muss stimmen, und daran zweifele ich im Prinzip auch nicht. Sollte es eines Tages so weit sein, ist es der Verein den Spielern schuldig, sie für ihren Erfolg zu belohnen. Der nötige Impuls muss also von der Clubführung kommen.“

Worte, die Mittelfeldmotor Luca Sixtus und seine Teamkameraden gerne hören dürften. „Wir sind über Jahre als Team gewachsen, und kein Spieler will selbst beim Scheitern im Titelkampf den Club verlassen. Wir sind uns eines gewissen Risikos bewusst und wollen bei einem sofortigen Abstieg nicht wieder in der Versenkung verschwenden, wie es beim SV Eichede, TSV Schilksee oder Eutin 08 der Fall war. Wenn die Balance zwischen Ansprüchen von außen und der Mannschaft entsteht, könnten wir auch in der Regionalliga bestehen.“

Kapitän Luca Sixtus ist zuversichtlich

Mindestens 30 Mal hat sich Sixtus in jüngster Zeit auf dem Internetportal Elbkick-TV die Zusammenfassung des Landespokal-Halbfinals gegen den favorisierten Regionalligisten SC Weiche Flensburg 08 angesehen, den entscheidenden Schuss von Florian Petzold beim überraschenden 1:0-Sieg kurz vor dem Abpfiff noch einmal auf der Couch bejubelt. „Diese Szene hat uns alle noch mehr euphorisiert“, sagt der 24 Jahre alte Kapitän.

Das bestätigen auch die SVT-Spieler Emanuel Bento und Kai Schulz, die in der Firma von Bernd Jorkisch angestellt sind. Auch über diese beiden Leistungsträger hat der Sponsor einen guten Draht zur Mannschaft.

„Ich klopfe mal auf Holz, dass es klappt“, sagt Jorkisch. „Über allem steht, dass die Bereitschaft aller Spieler vorhanden ist, das Aufstiegsrecht wahrzunehmen.“ Und wie lautet seine Wunschliste der möglichen anstehenden Erfolge? „Der schönste Triumph wäre der Oberliga-Titel, danach kommt der Landespokalsieg und an dritter Stelle eine Top-Platzierung beim Hallenmasters in Kiel am 11. Januar“, sagt er.