Norderstedt
HANDBALL

„Ich habe sofort ein Knacken und Ziehen gespürt“

Die 21 Jahre alte Jana Grützner wird dem SVHU wegen ihres Kreuzbandrisses bis zu zehn Monate fehlen.

Die 21 Jahre alte Jana Grützner wird dem SVHU wegen ihres Kreuzbandrisses bis zu zehn Monate fehlen.

Foto: Thomas Maibom

Jana Grützner, Drittliga-Handballerin des SV Henstedt-Ulzburg, spricht über ihre schwere Knieverletzung und den Umgang damit.

Henstedt-Ulzburg. Den 23. November 2019 wird Jana Grützner nicht so schnell vergessen. Im Drittliga-Handballspiel bei der HSG Jörl Doppeleiche-Viöl läuft es zum Ende der ersten Halbzeit gut für die Kreisläuferin und ihr Team des SV Henstedt-Ulzburg. Die Partie ist ausgeglichen, der SVHU hat alle Chancen, etwas Zählbares bei den favorisierten Gastgeberinnen mitzunehmen.

In direkter Folge eines Freiwurfes bekommt die 21-jährige plötzlich einen Stoß von ihrer Gegenspielerin, der Grützner zu Boden sinken lässt. Nach Ende der Begegnung fährt Trainer Christian Gosch seine Spielerin nach Kiel ins Krankenhaus, um die Verletzung genauer untersuchen zu lassen. Einige Tage später folgt dann die bittere Diagnose: Riss des linken Außenbandes und des vorderen Kreuzbandes im linken Knie. Die Saison ist beendet.

„Die Situation war eigentlich unspektakulär“, sagt Jana Grützner. „Ich hatte nach dem Pfiff der Schiedsrichter keine Spannung mehr in meinem Körper und war unvorbereitet auf den Stoß. Als es passiert ist, habe ich sofort ein Knacken und Ziehen im Bein gespürt.“ Und die Gegenspielerin? „Ich möchte ihr keine Absicht unterstellen, aber die Aktion war total unnötig.“ Das vorzeitige Saisonaus kommt für Jana Grützner, die seit 2016 für den SVHU spielt, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Im Abwehrzentrum war die kampfstarke Kreisläuferin neben Kapitänin Annika Jordt gesetzt und für ihre Tempoarbeit in der zweiten Welle bei ihren Gegenspielerinnen gefürchtet. „Einen richtigen Zeitpunkt gibt es für so eine Verletzung natürlich nie. Dass es gerade jetzt passiert, ist natürlich sehr ärgerlich für mich. Dass ich im Moment so viel Vertrauen von Christian bekommen habe, macht die Situation nicht leichter.“

Grützner soll beim SVHU bleiben

Bis zur Operation im Januar, die in Kiel durchgeführt wird, muss sich Grützner noch einige Wochen gedulden. Geht es nach Trainer Gosch, bleibt die gebürtige Niederrheinerin dem SVHU auch über die Saison hinaus erhalten. „Er lässt mir keine Wahl“, erklärt die 21-jährige mit einem Lachen. „Erstmal möchte ich die OP überstehen und bin dann acht bis zehn Monate raus. Mein Kopf hat das noch nicht so ganz verstanden. Ich denke immer noch daran, nur ein bis zwei Spiele aussetzen zu müssen.“

An Erfahrung im Umgang mit Kreuzbandrissen mangelt es dem SV Henstedt-Ulzburg leider nicht. Im Sommer 2018 erwischte es zunächst Mittelfrau Katharina Rahn. Wenige Monate später erlitt Rückraumkollegin Janne Harbeck dieselbe Verletzung. Spielmacherin Anna Nowatzki ist mit zwei Kreuzbandrissen traurige Spitzenreiterin der mannschaftsinternen Rangliste. „Ich bin sehr gut mit Anna befreundet“, erzählt Jana Grützner. „Sie gibt mir viele Tipps und Ruhe im Umgang mit meinem Knie. Wenn sich eine von uns damit auskennt, dann ist das Anna.“

Die Abwehrspezialistin wird vermisst

Das es nun ausgerechnet sie getroffen hat, kam für die Jurastudentin durchaus überraschend. „Da ich eine eher kleine Kreisspielerin bin, mache ich meine mangelnde Größe mit viel Einsatz wett. Trotz dieses sehr körperlichen Spielstils ist das meine erste große Verletzung.“ Bereits bei der Heimniederlage gegen den VfL Oldenburg II (19:20) wurde Grützner schmerzlich vermisst. Mit 225 Gegentoren in neun Partien stellen die „Frogs-Ladies“ immerhin eine der besten Defensiven der Liga.

Auf die Abwehrarbeit wird es auch besonders ankommen, wenn der SVHU am Sonnabend auswärts auf den MTV Heide trifft (17 Uhr, Sportzentrum Hemmingstedt). Der Oberliga-Aufsteiger spielt bislang eine furiose Saison und liegt mit 14:4 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz. Erst vor zwei Wochen fertigte die Mannschaft von Trainer Helge Thomsen Vorjahres-Meister TV Hannover-Badenstedt mit 45:39 ab.