Norderstedt
FUSSBALL

Eintracht liefert Defensivkunst statt Spektakel

Fußball-Regionalligist trennt sich 0:0 vom FC St. Pauli II. Spieler und Trainer Jens Martens sind damit nicht einmal unzufrieden.

Norderstedt. Vieles im Leben ist eine Frage der Perspektive. „Ich bin nicht unzufrieden. Ich habe ein sehr interessantes Regionalligaspiel gesehen“, lauteten die ersten beiden Sätze von Eintracht Norderstedts Trainer Jens Martens nach dem 0:0 im Regionalliga-Derby gegen den FC St. Pauli II. Wie viele der 585 Zuschauer im Edmund-Plambeck-Stadion diese Einschätzung teilen, ist nicht überliefert. Eine Mehrheit dürfte sich für die beiden Sätze keinesfalls finden lassen. Denn Fans wünschen sich – neben einem Sieg – spektakuläre Strafraumszenen und Tore.

Beides bot diese Partie nicht, in der nur eine Handvoll Tormöglichkeiten zu verzeichnen waren. In Halbzeit eins drosch St. Paulis Seungwon Lee den Ball aus 16 Metern drei Meter drüber (22.), Jakub Bednarczyk sowie Christian Stark scheiterten bei einer Doppelchance aus spitzem Winkel (26.). Auf der anderen Seite konnte Gäste-Torwart Leon Schmidt eine Hereingabe von Eintrachts Lennart Keßner klären (29.). In Halbzeit zwei wurde es nicht brisanter. Schmidt lenkte eine abgerutschte Flanke des Garstedters Rico Bork an die Latte, dann parierte er Jan Lüneburgs Nachschuss (65.), bei der folgendem Ecke fiel dem Eintracht-Verteidiger Yannik Nuxoll der Ball vor die Füße. Im Fallen schoss er aus kurzer Distanz daneben (66.). Viel mehr gab es vor den Toren nicht zu sehen. Eher viel weniger.

„Ein komisches Spiel. Es gab für kein Team eine wirklich hundertprozentige Torchance“, so beschrieb Norderstedts Abwehrchef Hamajak Bojadgian den Abnutzungskampf auf spielerisch mittelmäßigem Niveau.

Norderstedt zieht die Lehren aus dem Hinspiel

All das bedeutete aber nicht, dass Martens falsch lag. Er hatte eben nur eine andere Perspektive. Eine aus des Trainers Sicht durchaus verständliche. „Im Hinspiel sind wir ins offene Messer gelaufen. Daraus haben wir unsere Lehren gezogen“, erklärte der Coach. Damals, am 11. August, spielte die Eintracht trotz einer 2:1-Führung munter weiter offensiv – und verlor noch mit 2:4. „Damals rannten wir ohne Absicherung nach vorne – und gaben das Spiel aus der Hand“, so Martens.

In die gleiche Kerbe schlug der einmal mehr sehr starke Bojadgian, der mit Nuxoll die defensive Zentrale dicht machte. „Wir haben hinten die Null gehalten. Damit können wir zufrieden sein. Es ist wichtig, dass wir seit vielen Wochen hinten gut stehen.“ Auch Nuxoll pflichtete dieser Sichtweise bei, sprach ebenfalls von der „wichtigen Null hinten“. Außerdem seien „35 Punkte zu diesem Zeitpunkt der Saison super, da können wir stolz drauf sein“.

Mittlerweile ist die Abwehr ligaweit eine der besten

Die Statistik untermauert die neuen Bollwerk-Qualitäten der Eintracht. So kassierte die Mannschaft in den vergangenen zehn Partien nur gegen Titelkandidat VfB Lübeck (1:2) mehr als ein Gegentor, fünfmal musste Torwart Larx Huxsohl überhaupt keinen Ball aus dem Netz holen. Coach Martens bewertet diese Entwicklung umso höher wegen zweier weiterer Aspekte. „Uns fehlen neun verletzte Spieler. Heute morgen meldete sich dann zusätzlich Evans Nyarko mit Fieber ab.“ Martens wechselte sogar nur einmal, weil auf der Bank größtenteils Akteure saßen, die gerade erst Verletzungen auskuriert haben. „Trotzdem haben wir gegen das schnelle Umschaltspiel gut ausgesehen“, lobte Martens. In der Tat: Immer wieder sprintete die Eintracht nach Ballverlusten kollektiv in Höchstgeschwindigkeit zurück, geriet defensiv nie in Unterzahl.

Ferner gesteht Martens seinem Team Zeit zu. Die Eintracht verbesserte sich durch das 0:0 zwar auf Rang vier, stellt nun schon die fünftbeste Abwehr der Liga. Er fordert aber trotzdem Geduld. „Die Bäume wachsen hier ja nicht in den Himmel. Neben den U-23-Mannschaften stellen wir das jüngste Team in der Regionalliga Nord. Beim Auswärtsspiel in Egestorf am letzten Spieltag der vergangenen Saison hatten wir einen Altersdurchschnitt von 26,8 Jahren auf dem Platz, nun waren es 23,0 Jahre“, so Martens. Sollte die Eintracht am Sonnabend (13 Uhr) bei Holstein Kiel II jedoch berauschend agieren und, sagen wir mal, 5:3 gewinnen, würde er sich gewiss nicht dagegen wehren. Alles eine Frage der Perspektive.

Eintracht Norderstedt: Huxsohl – Kummerfeld, Nuxoll, Bojadgian, Bork – Koch – Keßner (70. Kobert), Amamoo, von Knebel, Brüning – Lüneburg. Zuschauer: 585.

Am morgigen Dienstag, 3. Dezember, veranstaltet die Eintracht ab 19 Uhr im Clubhaus einen „Nikolaus-Talk“ mit Trainer Jens Martens, Kapitän Jordan Brown und Torhüter Lars Huxsohl. Neben einer Einschätzung zum Saisonverlauf wird das Trio auch persönliche Dinge erzählen. Fans und Interessierte sind ausdrücklich willkommen.