Norderstedt
FUSSBALL

Johann von Knebel soll in Norderstedt bleiben

Jubelt Johann von Knebel (22; links) auch in der Saison 2020/2021 für die Eintracht? Die Chancen dafür stehen gut..

Jubelt Johann von Knebel (22; links) auch in der Saison 2020/2021 für die Eintracht? Die Chancen dafür stehen gut..

Foto: noveski.com

Eintracht Norderstedt will die Vertragsverhandlungen mit dem talentierten Offensivspieler bald abschließen.

Norderstedt. Nach dem Treffer zum 3:1 beim Heider SV ließ sich Johann von Knebel nicht lumpen. Der 22 Jahre alte Offensivmann von Fußball-Regionalligist Eintracht Norderstedt sank auf die Knie und putzte Torschütze Yannik Nuxoll die Schuhe. Ein Lächeln umspielte dabei von Knebels Lippen. „Ich fühle mich komplett wohl in Norderstedt. In diesem jungen und homogenen Team zu spielen, macht mir viel Freude“, sagt er.

Nicht nur solch kreative Torjubel-Szenen beweisen das. Erstaunlich schnell hat der im Sommer 2018 vom Hansa-Landesligisten FC Voran Ohe an die Ochsenzoller Straße gewechselte von Knebel gegen alle Prognosen den Sprung zum absoluten Stammspieler (46 Regionalligapartien/sieben Treffer, neun Vorlagen) geschafft. Auf dem Feld überzeugt seine starke Mischung aus Kampfkraft, Technik und spielfreudigem Hang zum Risiko. Nur: Sein Vertrag ist einer von 17 am Saisonende auslaufenden Kontrakten – und die zurzeit am heißesten diskutierte Personalie rund ums Edmund-Plambeck-Stadion.

Es gab eine lose Anfrage aus Lübeck

Denn die Leistungen haben Aufsehen erregt. Der ehemalige Eintracht-Manager Jörg Franke, der von Knebel vor eineinhalb Jahren zu den Garstedtern gelotst hatte, bestätigte gegenüber dem Abendblatt eine Anfrage des VfB Lübeck vor mehreren Wochen. „Stefan Schnoor sprach mich an und bekundete Interesse an Johann“, so Franke. Der Haken: Schnoor ist gar nicht mehr Sportchef des VfB Lübeck, trat kürzlich zurück. Ohnehin will Franke nicht pokern. „Ich habe nicht vor, Johann in Deutschland wie Sauerbier anzubieten. Er möchte sein Studium in Hamburg beenden. Die Wahrscheinlichkeit einer Vertragsverlängerung bei der Eintracht ist relativ groß. Immerhin hat er dem Club viel zu verdanken – und das weiß er auch.“

Spätestens in der Winterpause soll eine Entscheidung fallen

Beide Parteien befinden sich bereits in Verhandlungen. Wenn Eintracht-Präsident Reenald Koch in knapp zwei Wochen von einem Miami-Urlaub zurückgekehrt sein wird, ist die nächste und vielleicht schon finale Verhandlungsrunde geplant. „Die Entscheidung fällt spätestens in der Winterpause“, sagt von Knebel dazu. In trockenen Tüchern ist die Verlängerung noch nicht. Das liegt gleich im doppelten Sinne an von Knebels Ambitionen. „Johann wird kein Bundesligaspieler mehr. Vielleicht ist die zweite Liga für ihn drin, in der dritten Liga hat er auf jeden Fall Chancen, sich durchzusetzen“, schätzt Jörg Franke. Daraus folgt: „Wenn Johann bleibt, möchte er mit der Eintracht in der nächsten Saison in der Regionalliga Nord ganz oben mitspielen.“

Eintracht will „oben mitspielen“

Die Logik: Entweder steigt die Eintracht auf oder von Knebel macht weitere Interessenten auf sich aufmerksam. Hier hat der Verein ein Entgegenkommen signalisiert. „Reenald hat uns in den Gesprächen versprochen, dass ein Team, das oben mitspielt, auch das Ziel des Vereins ist“, so Franke. Tief in die Geldschatulle greifen will Koch dafür nicht. Schon in dieser Saison liegt die Mannschaft als Fünfter deutlich über den Erwartungen. „Gelingen uns gute Vertragsverlängerungen, reichen uns punktuelle Verstärkungen“, sagte Koch vor seinem Abflug. Verbürgt ist: Die Eintracht spekuliert zur neuen Saison auf die Rückkehr von Kangmin Choi (Militärdienst in Südkorea endet im Sommer) und Linus Meyer (bei Nicht-Aufstieg mit dem SV Rödinghausen aus der Regionalliga West), würde damit den Kader mit noch mehr Qualität anreichern.

Clubchef Koch ist optimistisch

Den anderen Knackpunkt kann die Eintracht nicht beeinflussen: ein eventuelles Wiedererstarken des Interesses aus Lübeck. „Lübeck wäre die einzig denkbare andere Option für Johann“, so Franke. „Aktuell gibt es dort ohne Stefan Schnoor keinen Ansprechpartner für uns. Und Johann müsste das Gefühl haben, wirklich vom VfB gewollt zu werden. Ein Wechsel nach Lübeck, um dort auf der Bank zu sitzen, nutzt ihm ja nichts. Der Impuls müsste von VfB-Trainer Rolf Landerl kommen.“ Doch unter Landerl verpasste der VfB dreimal in Folge den Aufstieg, laut Medienberichten soll er bei den VfB-Fans umstritten sein. Eine für beide Seiten stimmige Variante, falls der VfB Lübeck kein ernsthaftes Angebot mehr abgibt, wäre vermutlich ein Deal wie bei Felix Drinkuth (aktuell von Bundesligist SC Paderborn an den Drittligsten Hallescher FC verliehen): Eine Verlängerung mit der Zusicherung an von Knebel, bei höherklassigen Angeboten den Verein verlassen zu dürfen. Koch jedenfalls ist optimistisch: „Johanns Entwicklung ist beachtlich. Ich glaube, wir werden uns einigen.“