Norderstedt
Dribbelstark und treffsicher

Der Supertechniker mit dem ausgeprägten Torinstinkt

Wenn Sepehr Nikroo (r.) im gegnerischen Strafraum an den Ball kommt, wird es gefährlich.

Wenn Sepehr Nikroo (r.) im gegnerischen Strafraum an den Ball kommt, wird es gefährlich.

Foto: Anne Pamperin

Sepehr Nikroo vom Oberliga-Aufsteiger Hamburger SV III hat in dieser Saison zwölfmal getroffen und glänzt zudem dem als Vorbereiter.

Norderstedt.  Nach der 2:3-Niederlage seines Hamburger SV III im Oberligaspiel gegen den FC Teutonia 05 schlich Sepehr Nikroo traurig über den Platz. „Mist, wir hätten gewinnen können“, ärgerte sich Nikroo. Und garnierte seine Enttäuschung mit Selbstkritik „Das Ding in Meiendorf war halt auch nicht schlau von mir.“

Mit einer Gelb-Roten Karte wegen Meckerns war der beste Torschütze des HSV III beim 1:0-Sieg an der Meiendorfer Straße vom Platz geflogen, musste gegen Titelkandidat Teutonia seine Sperre abbrummen. Nikroo entschuldigte sich zwar einsichtig beim Team; doch wie weh sein Fehlen der in Norderstedt ansässigen Truppe tat, wurde am ineffektiven Umgang mit den Großchancen deutlich.

Platz sechs in der Oberliga-Torschützenliste

Der 24 Jahre alte Iraner aus Isfahan hätte sich so manche Möglichkeit wohl nicht entgehen lassen; schließlich sorgt er in dieser Saison für immense Gefahr vor den gegnerischen Kästen. Zwölf Treffer und drei Vorlagen gehen auf sein Konto. In der Torschützenliste der Oberliga Hamburg ist Sepehr Nikroo Sechster – und dies, obwohl er öfter auf der Außenbahn begann und längst nicht immer, so wie beim 3:6 gegen den Niendorfer TSV, gemeinsam mit HSV-Präsident Marcell Jansen in der Sturmspitze auflief.

„So eiskalt vor dem Tor war ich nicht immer. Ich habe mit der Zeit ein Gespür dafür entwickelt, was der Gegner macht und spekuliere gerne“, erklärt er seinen Lauf. Diese Einstellung steht symbolisch für Nikroos Art des Fußballs. Als Siebenjähriger kam er mit seiner Familie nach Hamburg und spielte schon in seiner Jugend stets in Vereinen; unter anderem beim SC Sternschanze und Altona 93, doch das reichte ihm nicht.

Der Iraner ist ein typischer Straßenkicker

„Ich bin sogar mit einem Fußball in meine Schule in die Thadenstraße in Altona gegangen, habe gespielt, wann immer ich nur konnte“, sagt Sepehr Nikroo. Wie sehr er seinen Sport liebt, sehen die Fans des HSV III nicht nur an seiner guten Trefferquote. Der 1,80 Meter große und 67 Kilo leichte Nikroo ist ein typischer Straßenkicker, bewegt sich mit der Kugel tänzerisch, hat diverse Tricks auf engstem Raum drauf und lässt seine Gegenspieler gern elegant aussteigen.

„Mein Spiel lebt sehr vom Spaß und von meiner Technik“, sagt Sepehr Nikroo. „Und über meine Tore freue ich mich immer. Auch, da bin ich ehrlich, wenn wir verloren haben. Denn ich arbeite hart im Training, um im Spiel zu treffen.“

Verbessern kann er sich trotz seiner tollen Quote trotzdem noch. „Ich muss Sepehr manchmal aufwecken“, sagt HSV-Trainer Marcus Rabenhorst. Was er meint: In manchen Phasen ist Nikroo zu sehr aufs Dribbling fixiert oder fällt aus dem taktischen Konzept, weil es scheint, als sei er gar nicht auf dem Feld.

Ein Spieler mit großen Qualitäten

„Ich hadere manchmal zu lange mit meinen Fehlern“, sagt dieser selbstkritischer. Gleichwohl lobt Rabenhorst seinen Supertechniker als „Spieler mit großen Qualitäten“. Nikroo beschreibt sein Verhältnis zu Rabenhorst und dem gleichberechtigten zweiten Coach Christian Rahn als „einfach überragend“.

Als A-Jugendlicher wechselte er im Sommer 2013 zu Rot-Weiß Erfurt, konnte sich im darauffolgenden ersten Herrenjahr aber nicht in der Drittligamannschaft durchsetzen und blieb ohne Profi-Einsatz. „Der damalige Trainer setzte auf eine defensive Fünferkette und viel Kampf. Das war nicht mein Spiel“, erinnert sich Nikroo. So blieb ein Einsatz im Vorbereitungsmatch gegen die Queens Park Rangers, in deren Reihen die englische Legende Rio Ferdinand auflief, sein fußballerischer Höhepunkt in Erfurt. Über den SC Victoria fand er dann den Weg zum Hamburger SV III.

„Nebenjob“ als Kabinen-DJ

Den Gegnern auf dem Feld heizt der Stürmer mit Toren ein, in der Kabine gibt es von Nikroo was auf die Ohren. „Ich bin bei uns der Kabinen-DJ. Ein schöner Nebenjob“, sagt Sepehr Nikroo, der eine Ausbildung im Büromanagement absolviert, lachend.

Der Berufswunsch seiner Eltern für ihn war Pilot. „Deshalb nannten sie mich Sepehr, das bedeutet auf Persisch ,Himmel‘. Pilot war aber leider nicht mein Traumberuf. Trotzdem bin ich ein extremer Familienmensch.“ Eine Profikarriere hat er übrigens noch nicht ganz abgeschrieben. „Ich träume immer noch davon – alles ist möglich...“