Norderstedt
Handball

Karsten Voß ist beim SVHU der Coach fürs Mentale

Mentaltrainer Karsten Voß beobachtet SVHU-Spielerin Jana Grützner bei einer Übung mit Badmintonschläger und Bällen.

Mentaltrainer Karsten Voß beobachtet SVHU-Spielerin Jana Grützner bei einer Übung mit Badmintonschläger und Bällen.

Foto: Nils Göttsche

Der 46-Jährige, der eine Ausbildung zum Mentaltrainer im Leistungssport absolviert hat, arbeitet mit den Drittliga-Frauen zusammen.

Henstedt-Ulzburg.  Ein Mentalcoach in der 3. Liga? Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist für die Handballerinnen des SV Henstedt-Ulzburg inzwischen ganz normal. Seit vier Jahren arbeitet das Team eng mit dem selbstständigen Physiotherapeuten und Heilpraktiker Karsten Voß (46) zusammen. Aus anfänglichen Zweifeln sind längst spürbare Erfolge geworden. sind. Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt spricht Voß über seinen Aufgabenbereich, die Arbeit mit dem Team und prägende Erlebnisse.

Herr Voß, wenn ein Verein einen Mentaltrainer hinzuzieht, brennt es sportlich meist lichterloh. Das war bei den Handballfrauen des SV Henstedt-Ulzburg nicht der Fall. Wie ist der Kontakt entstanden, wie sind sie zu Ihrer Aufgabe gekommen?

Karsten Voß: Angefangen habe ich mit Life Kinetik, einem Bewegungs- und Koordinationsprogramm zur Entfaltung des Gehirnes. Das habe ich dem Team damals angeboten, weil ich gerne mit Leistungssportlern zusammenarbeiten wollte. Daraus und in Absprache mit den Trainern Sven Rusbült und Christian Gosch hat sich einiges entwickelt. Das reicht von Einzelcoachings der Spielerinnen bis zu teambildenden Maßnahmen und ganzen Trainingseinheiten.

Mussten Sie zu Beginn viel Überzeugungsarbeit leisten, oder haben die Spielerinnen Ihr Angebot sofort angenommen?

Bei den Mädels merkt man richtig, dass sie sehr offen für diese Art von Training sind und es als willkommene Abwechslung sehen. Grundsätzlich ist es aber schon so, dass mein Job mit gewissen Vorurteilen behaftet ist. Mentaltraining hat nichts mit einem Psychiater zu tun, der ich auch nicht bin. Ich habe eine Ausbildung als Mentaltrainer im Leistungssport absolviert. Dazu gehören Bausteine wie Motivation, mentale Stärke, Konzentration oder mentale Wettkampfvorbereitung.

Wie kann man sich Ihre Arbeit mit der Mannschaft konkret vorstellen?

Die ist sehr vielschichtig. Ich gebe mal ein Beispiel, an dem man sehr gut erkennen kann, wie es funktioniert. Manche Spielerinnen sind vor einem Match so aufgeregt, dass sie sich nicht vernünftig konzentrieren können und ihre Leistung darunter leidet. Wir führen dann Einzelgespräche, bei denen ich Techniken an die Hand gebe, um die Nervosität abzulegen. Das klappt übrigens sehr gut mit Jonglieren.

Wie groß ist Ihr Anteil am sportlichen Erfolg der Frogs-Ladies in den vergangenen Jahren?

Ich glaube, man darf sich nicht auf einzelne Personen fixieren, sondern muss das gesamte Funktionsteam sehen. Athletiktrainer, Physiotherapeutin oder Teambetreuer – jeder hat seinen Anteil. Wenn ich mit dem Mentaltraining etwas Positives beitragen kann, freut mich das natürlich. Ich sehe meine Aufgabe vor allem darin, Abwechslung und Spaß zu fördern. Das hebt die Grundstimmung und steigert somit auch die Leistungsfähigkeit der Spielerinnen. Mit ist wichtig zu erwähnen, dass wir nun schon seit Jahren kontinuierlich über die gesamte Saison trainieren und ich nicht nur in prekären Situationen hinzugezogen werde.

Was hat es mit der Geschichte „Ich bin ein Fan von Dir“ auf sich?

Das war tatsächlich ein prägendes Erlebnis für mich und das Team. Es ging um eine Technik des Mentaltrainings. Die Spielerinnen sollten lernen, sich durch das Aufsagen des Spruches „Ich bin ein Fan von Dir“ in Drucksituationen selbst Mut zuzusprechen. Dann bekamen wir bei einem Heimspiel, das unentschieden stand, kurz vor Schluss einen Siebenmeter zugesprochen...

Und was ist dann passiert?

Die ganze Mannschaft und der Trainer haben daraufhin Schützin Katharina Rahn diesen Spruch zugerufen, um sie zu motivieren und ihr zu zeigen: Egal was jetzt passiert, wir stehen hinter dir. Nach dem Spiel hat sie uns dann erzählt, dass sie diese positiven Emotionen extrem gepusht hätten, das Siegtor zu werfen. Solche Situationen sind natürlich klasse, weil du dadurch merkst: die Arbeit kommt an und hilft.

Sie arbeiten auch noch mit einem anderen Sportler zusammen...

Ja, ich betreue den 14 Jahre alten Kartfahrer Tim Tramnitz, der 2020 in der Rennserie Formel 4 starten wird. Bei Tim geht es wie bei den Handballfrauen um Mentalcoaching. Mein Ziel ist es zudem, das Thema im Businessbereich zu platzieren. Denn auch dort geht es schließlich um Leistung.