Norderstedt
Vorbildlicher Teamplayer

Auf Laufmaschine Tim Hauff ist stets Verlass

Tim Hauff (30, l.) ist kein Filigrantechniker. Aber er rennt in den Punktspielen des GSV mit dem Ball am Fuß die Außenlinie rauf und runter.

Tim Hauff (30, l.) ist kein Filigrantechniker. Aber er rennt in den Punktspielen des GSV mit dem Ball am Fuß die Außenlinie rauf und runter.

Foto: Anne Pamperin

Der Mittelfeldspieler des Fußball-Bezirksligisten Glashütter SV ordnet den Begegnungen seiner Mannschaft sogar das Privatleben unter.

Norderstedt.  Um die hervorstechendste Eigenschaft von Tim Hauff zu beschreiben, benötigt Boris Thormählen, der Co-Trainer der Bezirksliga-Fußballer des Glashütter SV, nicht lange. „Tim“, sagt Thormählen, „ist eine absolute Laufmaschine.“ Hauff, kürzlich 30 geworden, spielt seit 2012 in Glashütte – und schreibt als zuverlässiger Außenbahnspieler seine Geschichte. Eine, die reich an Anekdoten ist. Und ein Beispiel für ganz speziellen Ehrgeiz bietet.

Drei Abstiege, zwei Aufstiege

Der gebürtige Mecklenburger und Fan des VfB Stuttgart, der dem GSV nach seinem Umzug nach Hamburg stets treu geblieben, hat in mehr als sieben Jahren in der Kreis- und der Bezirksliga eine ganze Menge erlebt. Hauff arbeitete sich hoch von der zweiten in die erste Mannschaft, machte drei Abstiege mit, durfte zwei Aufstiege feiern. Obwohl sonst nicht gerade ein Torjäger, entschied er in seiner ersten Saison ein Derby gegen TuRa Harksheide durch zwei Treffer – woran er sich bis heute gerne erinnert.

Er geht stets an seine Grenzen

Doch immer galt für ihn, was er mit eigenen Worten so ausdrückt: „Ich versuche, stets an meine Grenzen zu gehen.“ Bei anderen Spielern geht das als nichtssagende Floskel durch, bei Hauff nicht. So nahm er im April dieses Jahres nach viermonatiger Vorbereitung am Hamburg-Marathon teil. Eigentlich wären es fünf Monate gewesen, aber vier Wochen vor dem Wettkampf erlitt er beim Fußball einen Bänderriss.

„Ich bin dann am Freitag zwei Tage vor der Veranstaltung nach vierwöchiger Pause zum ersten Mal wieder gelaufen. Um zu schauen, ob es geht. Und habe den Marathon dann mit Bandage in
3:36 Stunden geschafft“, sagt er stolz.

Urlaubsplanung richtet sich nach dem Spielplan

Spielt sein Glashütter SV, sieht es ähnlich aus. Für Hauff gilt das Motto „Weiter, immer weiter“. Das bedeutet auch, dass er Familienbesuche in Mecklenburg-Vorpommern gerne so legt, dass er zum Punktspiel wieder da ist. Auch die Urlaubsplanung muss sich im Zweifelsfall dem Spielplan unterwerfen, was seine Freundin ab und an erzürnt.

Hauff kann nicht anders. Er ist ein Typ der Marke Mr. Zuverlässig, wie sie jeder Verein braucht. Keine in seinen Leistungen schwankende Diva, sondern einer, der immer für die Mannschaft da ist und stets Vollgas gibt. Bei ihm weiß man, was man bekommt. „Ich bin sicher kein filigraner Techniker, der im Mittelfeld drei Leute stehen lässt. Aber mit dem Ball die Außenlinie rauf und runter rennen, gute Flanken schlagen und stets kämpfen – das kann ich“, beschreibt Hauff seine Spielweise.

Zwangspause nach Kreuzbandriss

Umso nervenaufreibender war es für ihn, als er mehr als eineinhalb Jahre wegen eines Kreuzbandrisses im rechten Knie ausfiel. Er zog sich die Verletzung in einem Match gegen Lokstedt zu. Erst wurde die Blessur gar nicht bemerkt, der Mittelfeldmann kickte sogar zehn Minuten lang weiter. „Als ich abends mit Freunden auf dem Kiez war, um meinen Geburtstag zu feiern, war es dann so weit. Das Knie wurde dick. Die letzten Meter auf dem Weg nach Hause musste ich getragen werden“, erinnert er sich.

Nach der Operation wollte die Schwellung über ein Jahr nicht aus dem Gelenk weichen. Folglich konnte die Reha nicht beginnen, Hauff war zum Nichtstun verdammt. „Wirklich nervig“ sei diese Zeit gewesen. Als er schließlich wieder auf dem Platz stand, wurde es sehr emotional an der Poppenbütteler Straße. „Der Stadionsprecher wünschte mir bei meiner Einwechslung alles Gute. Und Moritz Scholz hat mich mit seinen Pässen bestimmt zwanzigmal in den Raum geschickt, damit ich ein Tor schieße. Jeder Ball kam zu mir, da konnte ich echt nicht mehr“, sagt Hauff lächelnd.

Nimmermüder Einsatz für den GSV

Er schätzt den Glashütter SV für dessen familiäre Atmosphäre, der GSV schätzt Hauff für seinen nimmermüden Einsatz. „Außerdem ist Tim bei uns der Kistenwart und bei Mannschaftsabenden und der Abschlussfahrt gerne vorn mit dabei“, sagt Boris Thormählen augenzwinkernd.

Für einen unseriösen Lebenswandel steht Tim Hauff indes ganz und gar nicht. Seit zwei Monaten ist er Geschäftsführer der Firma Elektro-Alster-Nord, wo er seine erste Ausbildung als Elektriker begann. 50 bis 60 Stunden die Woche Arbeit, in der Freizeit mit seiner langjährigen Freundin den gemeinsamen Hausbau vorantreiben. Und natürlich Fußball. So sieht sein Leben aus.

Welche sportlichen Ziele er noch hat? „Ich will noch lange weiterspielen. Ich brauche das. Diese Saison wollen wir den Klassenerhalt schaffen“, sagt Hauff. Und: „Vielleicht können wir ja irgendwann mal wieder um den Aufstieg in die Landesliga mitspielen.“ Er wird alles dafür geben. So weit ihn die Füße tragen...