Norderstedt
Frauenfussball-Regionalliga

Jetzt stehen sie ganz allein an der Tabellenspitze

Alina Witt (SVHU, l.) läuft Gegenspielerin Denise Baar (Hannover 96) auf und davon. Zwischen der  3. und 34. Minute gelangen ihr drei Treffer.

Alina Witt (SVHU, l.) läuft Gegenspielerin Denise Baar (Hannover 96) auf und davon. Zwischen der 3. und 34. Minute gelangen ihr drei Treffer.

Foto: Nils Göttsche

Der SV Henstedt-Ulzburg fertigt Hannover 96 mit 4:1 ab – der siebte Sieg im siebten Punktspiel. Alina Witt schafft einen Hattrick.

Henstedt-Ulzburg.  Nachdem der Schlusspfiff ertönt war und sich der Applaus der mehr als 150 Zuschauer gelegt hatte, stürmten die Fußballerinnen des SV Henstedt-Ulzburg auf ihre Torhüterin Alicia Bautz zu und bildeten eine Jubeltraube im Fünfmeterraum. Er war in diesem Moment perfekt, der unerwartet deutliche 4:1 (3:1)-Erfolg über den bis dato punktgleichen und ebenfalls noch ungeschlagenen Verfolger Hannover 96. Der SVHU ist nun mit der optimalen Ausbeute von 21 Punkten aus sieben Partien alleiniger Tabellenführer der Regionalliga Nord.

Keeperin Bautz hatte bis auf eine Ausnahme ihr Tor sauber gehalten, doch am Ende war es auch eine beeindruckende Mannschaftsleistung der Gastgeberinnen. An eine derart imponierende Siegesserie kann sich im Verein niemand erinnern. Die Crew von Trainer Christian Jürss steuert eindeutig auf den Titelgewinn in der dritthöchsten deutschen Spielklasse hin.

Gutes Niveau im Duell der Titelanwärter

Dabei dämpft der 33 Jahre alte Coach selbst nach dem jüngsten Triumph zu große Euphorie. „Es war eine Partie auf beachtlichem Niveau, in der wir alles in allem den Ton angeben konnten – auch wenn Hannover über die gesamte Spielzeit trotz des klaren Rückstandes ein gefährlicher Gegner war.“

Den Niedersächsinnen fehlte allerdings eine Spielerin wie Alina Witt. Die Torjägerin versetzte dem Gegner fast im Alleingang frühzeitig den K.o. Witt traf gleich in der Anfangsphase zweimal (3./
8. Minute) und erhöhte noch vor der Pause per Kopfball auf 3:0 (34.) – ein klassischer Hattrick also. Der vierte Treffer gelang in der 66. Minute Linda Ottlinger. Sie stellte nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer der Gäste durch Aileen Osterwold (42.) nach einer Ecke der eingewechselten Indra Hahn die Weichen endgültig auf Sieg.

Alina Witt hat jetzt 13 Saisontore auf dem Konto

Arm in Arm verließen Ottlinger und Witt den Platz. Letztere hatte ihr 13. Saisontor erzielt und begrüßte vor dem Duschen schnell noch den früheren SVHU-Coach Tobias Homp, der sich das Spitzenspiel anschaute. Schleswig-Holsteins Fußballlerin des Jahres spielte groß auf, obwohl sie vor dem Anpfiff eine Schmerztablette einwerfen musste. Die 24-Jährige hat ihre Probleme mit dem linken Fuß noch immer nicht komplett überwunden, hielt aber bis zum Ende tapfer durch.

Für Anna-Lena Füllkug war früher Schluss. Sie trat in der 74. Minute mit missmutiger Miene den Weg in die Kabine an. Die Schwester des von Hannover 96 zu Werder Bremen gewechselten Profis Niclas Füllkrug (er fällt wegen seines zweiten Kreuzbandrisses lange aus) kam kaum einmal zur Geltung – der SVHU war gewarnt, es blieb aber bei ihren neun Saisontoren.

96-Trainerduo zeigt sich überrascht von SVHU-Druck

Mit Hochachtung vor dem Gegner waren auch die beiden „96“-Trainer Marcel Geisenhainer und Lars Gänsicke auf der Anlage am Schäferkampsweg erschienen. „Wir hatten überhaupt keine Vorstellung, zu was die Henstedt-Ulzburgerinnen trotz ihrer Erfolge im Stande sein könnten“, bemerkte das Duo, das die Fußballerinnen des Traditionsvereins seit 2015 von der Bezirksliga bis in die Regionalliga geführt hat.

Die Realität sah dann in etwa so aus: Der Tabellenführer agierte von hinten heraus druckvoll, verband taktisches Geschick mit spielerischen Elementen und vermied vor allem leichte Fehler, wie sie in dieser Saison bei knapperen Siegen schon mal passiert sind. Marcel Geisenhainer: „Wir sind nach dieser Niederlage sehr enttäuscht, aber vielleicht ist an der Spitze ja doch noch etwas möglich.“

Der Zusammenhalt ist ausgezeichnet

Dem SV Henstedt-Ulzburg mit seinem ausgezeichneten Zusammenhalt, dürfte in dieser Verfassung allerdings schwer beizukommen sein. „Hier zieht jeder mit, auch wenn er mal häufiger nur auf der Bank sitzt“, sagte Christian Jürss, der gegen Hannover 96 einen Kader von 18 Spielerinnen zur Verfügung hatte.

Ähnlich wird es auch in der dritten Heimpartie hintereinander sein: Am Sonntag, 20. Oktober, empfängt der SVHU um 14 Uhr den VfL Jesteburg.