Norderstedt
REGIONALLIGA NORD

0:2 – die Derbyserie der Eintracht ist gerissen

Yannik Nuxoll (Nr. 3) scheitert hier per Kopf, in der 70. Minute fliegt der Norderstedt-Verteidiger vom Platz. Für den HSV hält Profi-Leihgabe Julian Pollersbeck (r.) einen Foulelfmeter.

Yannik Nuxoll (Nr. 3) scheitert hier per Kopf, in der 70. Minute fliegt der Norderstedt-Verteidiger vom Platz. Für den HSV hält Profi-Leihgabe Julian Pollersbeck (r.) einen Foulelfmeter.

Foto: Anne Pamperin

Erstmals verliert Eintracht Norderstedt in der Regionalliga ein Heimspiel gegen den Hamburger SV II. Trainer Jens Martens übt deutliche Kritik.

Norderstedt. Von Weltmeister-Trainer Sepp Herberger stammt folgende, gern zitierte Weisheit: „Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.“ Aber – so hätte Herberger hinzufügen können – sie erhoffen sich ein bestimmtes Ergebnis. Im Fall der Regionalligapartie zwischen Eintracht Norderstedt und dem Hamburger SV II war vor dem Spiel sogar deutlich mehr als nur Hoffnung bei den Anhängern der Garstedter zu spüren. Schließlich war der Lieblingsgegner zu Gast. Satte fünf Siege plus ein Remis hatte die Eintracht im Edmund-Plambeck-Stadion in ihren bislang sechs Spielzeiten in der Regionalliga Nord eingefahren. Diese imposante Heimserie ist durch das 2:0 (1:0) des HSV II nun gerissen.

Hätten die Eintracht-Fans vorher gewusst, wie es ausgeht, so wäre der Stadionbesuch eventuell verschoben worden. Oder aber begrenzt auf die Zeit zwischen 14:43 Uhr und 15:08 Uhr. In diesen 25 Minuten – wovon aufgrund der Pause nur zehn auf dem Spielfeld verbracht wurden – entschied sich die Partie. In einer mäßigen ersten Halbzeit hatte bis zur 43. Spielminute nur die Eintracht durch einen Kopfball von Nils Brüning eine Torgelegenheit generiert (10.). Vom ansonsten defensiv stabilen HSV – im Kasten mit Julian Pollersbeck, 2017 U21-Europameister, in der zweiten Liga aber nur noch Nummer drei – kam nach vorne zunächst gar nichts.

Jens Martens schimpft über defensive Nachlässigkeiten

Als sich das änderte, lag der Ball sofort im Netz. Gentrit Limani zog eine Freistoßflanke auf den 1,72 Meter kleinen Tobias Fagerström am zweiten Pfosten. Der durfte erst köpfen und den von Keeper Lars Huxsohl parierten Ball dann zum 0:1 ins Tor stochern (43.). „Der kleinste Spieler des Gegners kriegt den Ball. Das muss man ganz anders und viel konsequenter verteidigen“, zürnte Norderstedts Trainer Jens Martens.

Für das 0:2 galt das nicht minder. Justin Kabuya erkämpfte sich den Ball kurios auf der rechten Seite, als er nahe der Eckfahne ausrutschte, die Kugel an selbige spitzelte und im Spiel hielt, den indisponierten Verteidiger Juri Marxen düpierte und in die Mitte flankte. Dort wehrte Huxsohl zu Julian Ulbricht ab. Der schoss, traf den Ball nicht richtig – und aus sehr abseitsverdächtiger Position, die selbst nach Ansicht der Bilder auf sporttotal.tv nicht aufzulösen war, legte ihm Fagerström erneut auf: 0:2 (47.). „Auch da haben wir geschlafen und krasse individuelle Fehler begangen“, so Martens.

Brisevac vergibt Strafstoß, Nuxoll sieht Rot

Das alles wäre vielleicht nicht ganz so schlimm und die Heimserie zu retten gewesen, hätte Nick Brisevac in der 53. Minute die beste Chance zum 1:2 genutzt, nachdem Johann von Knebel einen Elfmeter herausgeholt hatte. Doch Norderstedts Spielmacher schoss halbhoch nach links und viel zu unplatziert – Julian Pollersbeck parierte reaktionsschnell, Nils Brüning jagte den Nachschuss über die Latte.

Der bemühten Eintracht war nun der Stecker gezogen, sie agierte offensiv total harmlos. Negativer Höhepunkt: Der überdrehte Fagerström provozierte in der 70. Spielminute Innenverteidiger Yannik Nuxoll zu einem Schubser und ließ sich fallen. „Das war mir zu theatralisch von ihm“, gab sogar HSV-Trainer Hannes Drews zu. Rot für Nuxoll war gleichwohl berechtigt, Gelb-Rot für Fagerström ebenfalls. Vor den Toren gab es nichts mehr zu sehen, von Julian Pollersbeck nichts zu hören. „Ich sage nix, außer dass wir gewonnen haben“, so der prominente Keeper kurz und knapp.

Eine klare Ansage tätigte dafür Eintrachts Nils Brüning. „So, wie wir heute gespielt haben, können wir nicht weitermachen. So holen wir nämlich keine Punkte.“ Richten werden müssen es wohl viele der Spieler, die gegen den HSV II schwach agierten. Die personelle Lage bei der verletzungsgeplagten Eintracht ist nicht gerade entspannt. Jens Martens: „Jetzt hat sich auch noch Yannik eine Rote Karte abgeholt und ist somit gesperrt. Das macht es für uns auch nicht einfacher.“

Der Spielplan der nächsten Wochen gibt auch keinen Anlass zur Freude. Bei Werder Bremen II, beim TSV Havelse und daheim gegen den VfB Lübeck hängen die Trauben hoch. Auch wenn jetzt natürlich keiner weiß, wie es ausgeht.

Eintracht Norderstedt: Huxsohl – Marxen, Nuxoll, Bojadgian, Kummerfeld – Koch (58. Amamoo) – Brown, Brisevac (80. Nyarko), von Knebel, Brüning – Kobert (64. Akyol).
Tore: 0:1 Tobias Fagerström (43.), 0:2 Julian Ulbricht (47.). Gelb-Rot: Tobias Fagerström (HSV/70./Unsportl.), Rot: Yannik Nuxoll (EN/70./Tätlichkeit). Z.: 627.