Norderstedt
Norderstedts Nummer eins

Ehrgeiz ist das Markenzeichen von Lars Huxsohl

Keeper Lars Huxsohl spielt zum zweiten Mal für die Eintracht. Er stand in Norderstedt schon von 2017 bis 2018 unter Vertrag.

Keeper Lars Huxsohl spielt zum zweiten Mal für die Eintracht. Er stand in Norderstedt schon von 2017 bis 2018 unter Vertrag.

Foto: Thomas Maibom

Der Regionalliga-Torhüter will bei der Eintracht mit konstant guten Leistungen an ein sehr erfolgreiches Jahr in den USA anknüpfen.

Norderstedt.  Vor dem Auswärtsspiel der Fußballer von Eintracht Norderstedt beim amtierenden Regionalliga-Meister VfL Wolfsburg II an diesem Sonnabend (13 Uhr, AOK-Stadion) befindet sich Eintracht Norderstedts Keeper Lars Huxsohl in einer paradoxen Situation. Nach starkem Start mit sieben Punkten aus drei Spielen verlor die Eintracht zuletzt zwei Partien im eigenen Stadion. Dem 2:4 gegen den FC St. Pauli II folgte ein 2:3 gegen Holstein Kiel II. Die Garstedter stellen mit elf Gegentoren gemeinsam mit den Kielern die drittschlechteste Abwehr der Staffel.

Der Keeper sieht sich als Teamspieler

Huxsohl aber trifft daran keine Schuld. Durch schludrige Defensivarbeit kamen die gegnerischen Akteure häufig unbedrängt zum Schuss, haltbar war kaum eines der Gegentore. Der Keeper will trotzdem den Schwarzen Peter nicht einfach weiterreichen, er sieht sich als Teamspieler. „Wir werden alle zusammen daran arbeiten, weniger Treffer zu bekommen“, sagt der 23-Jährige.

Obwohl sich der frühere U-17- und U-19-Keeper des SV Meppen bislang nichts vorzuwerfen hat, geht für ihn grundsätzlich immer noch mehr. „Ich bin eben ex­trem ehrgeizig“, sagt er. Vermutlich ist dieser extreme Ehrgeiz neben dem „wunderbaren familiären Umfeld bei der Eintracht“ und der Möglichkeit, seinen Beruf mit dem Fußball zu verbinden (Huxsohl ist über die Firma Cimpa als Berater für Airbus im Projektmanagement angestellt) auch ein Grund für seine Rückkehr.

Von Torwartrotation hält er nichts

Das Kapital Eintracht Norderstedt und Lars Huxsohl schien schon zu den Akten gelegt. Am 19. Oktober 2016 stieß Huxsohl aus der Vereinslosigkeit zur Eintracht, nachdem er von seinem Heimatverein SV Meppen im Sommer 2016 kein neues Angebot mehr erhalten hatte. An der Ochsenzoller Straße forderte er Platzhirsch Johannes Höcker heraus. Doch richtig durchsetzen konnte er sich nie. In den Spielzeiten 2016/2017 und 2017/2018 kam er auf jeweils zehn Einsätze. Mal war er kurzzeitig die Nummer eins, mal verordnete sein damaliger Trainer Dirk Heyne eine Torwartrotation. Dieser kritisierte an Huxsohl zudem, er sei ihm manchmal nicht laut genug.

„Ich bin sicher kein Oliver Kahn und werde niemals einen Mitspieler am Kragen packen. Aber ich kommuniziere auf dem Feld permanent“, sagt Huxsohl. Mit der Rotation konnte er sich nicht anfreunden. „So etwas funktioniert nicht. Man braucht das Vertrauen, die Nummer eins zu sein, um an das Leistungsmaximum zu kommen.“

Eastern-Conference-Sieger mit den UNH Wilscats

Im Sommer 2018 löste Huxsohl seinen Vertrag in Norderstedt auf. Er ging in die USA, zu den UNH Wildcats, einer Universitätsmannschaft in New Hampshire. Dort baute er seinen Master in „Business & Management“ – und schrieb nebenbei sein persönliches Fußballmärchen. Zum ersten Mal in der Geschichte gewannen die Wildcats die Eastern Conference – mit Huxsohl als Rückhalt.

Am Saisonende wurde er mit dem Titel bester College-Torhüter des Jahres geehrt. „Damit konnte ich zuvor nicht rechnen. Das war eine große Ehre und ein Wahnsinnsgefühl“, sagt er. Doch aus den USA nahm er noch mehr mit als sportliche Meriten. „Mir hat dort viel imponiert. Der Zusammenhalt der Mannschaft, die Freude über den ersten Titel. Eine neue Kultur kennenzulernen, das war großartig. Und es gab viele wunderbare Erlebnisse, zum Beispiel eine Reise mit meiner Klasse nach China. Oder ein Probetraining bei Red Bull New York.“

Stärken auf der Linie und bei der Strafraumbeherrschung

Ein Wechsel dorthin kam für Lars Huxsohl jedoch nicht infrage, da er in diesem Fall nicht seinen Master hätte machen können. „Für ganz oben im Profifußball wird es wohl nicht mehr reichen. Da muss ich realistisch sein“, sagt er.

Bei der Eintracht will er sich im zweiten Anlauf durchsetzen. Den Zweikampf um die Nummer eins mit seinem Kontrahenten Stefan Rakocevic entschied er in der Vorbereitung für sich. „Meine Stärken habe ich auf der Linie und bei der Strafraumbeherrschung. Generell gilt aber: Ich kann mich in allen Bereichen noch verbessern.“

Wer begreifen will, wie umfassend er diese Aufgabe für sich definiert, dem sei das von Lars Huxsohl eingestellte Highlight-Video bei youtube über seine Saison 2018/2019 bei den UNH Wildcats ans Herz gelegt. Dort präsentiert er sich als kompletter Keeper, legt Wert auf alle Facetten des Torwartspiels, einschließlich sauberer Pässe als erster Aufbauspieler. Sein Ziel mit der Eintracht in der laufenden Serie: „Für unser junges Team ist in dieser Saison ein einstelliger Tabellenplatz drin.“