Norderstedt
Fussball-Regionalliga

Eintracht Norderstedt geht in der 90. Minute k.o.

Mannschaftskapitän Jordan Brown (r.) holte mit seinen Teamkollegen zwischenzeitlich einen 0:2-Rückstand auf.

Mannschaftskapitän Jordan Brown (r.) holte mit seinen Teamkollegen zwischenzeitlich einen 0:2-Rückstand auf.

Foto: Thomas Maibom

Die Elf von Trainer Jens Martens erspielt sich gegen Holstein Kiel II neun dicke Chancen, belohnt sich aber nicht für ihren Aufwand.

Norderstedt. Jens Martens, der Coach der Kicker von Eintracht Norderstedt, war nach der 2:3 (0:1)-Heimniederlage seiner Mannschaft gegen Holstein Kiel II sauer. Stinksauer. „Wir haben das 2:4 gegen den FC St. Pauli II, als wir in der Schlussphase drei unnötige Gegentore hinnehmen mussten, klar analysiert uns besprochen“, sagte er mit leicht bebender Stimme, „mein Team sollte gegen Kiel Fußball mit heißem Herzen und klarem Kopf spielen. Und jetzt erleben wir eine Woche später die gleiche Situation. Das kann nicht sein, man muss auch einfach mal in der Lage sein, einen Punkt über die Zeit zu retten.“

Keeper Lars Huxsohl ist machtlos

Was war passiert? Im Edmund-Plambeck-Stadion lief die 90. Minute, als die U 23 des Zweitligisten in die Norderstedter Hälfte eindrang und die ungeordnete Abwehr der Gastgeber übertölpelte. Jannis Voß passte in den Rücken der Viererkette, der eine Viertelstunde zuvor für Johann Berger aufs Feld gekommene Mats Facklam ließ Eintracht-Keeper Lars Huxsohl mit einem harten und platzierten Flachschuss keine Abwehrchance. Ausgerechnet Facklam, der den Club von der Ochsenzoller Straße zu Saisonbeginn in Richtung Kiel verlassen hatte...

Und noch ein weiterer Ex-Norderstedter trug sich in die Torschützenliste ein. Laurynas Kulikas, vom 1. Juli 2016 bis 24. Januar 2017 in Diensten der Eintracht, sorgte in der 16. Minute für das 0:1. Der Deutsch-Russe profitierte dabei von zwei Patzern der Hausherren: Fabian Grau leistete sich im Mittelfeld einen überflüssigen Ballverlust, sein Innenverteidiger-Kollege Hamajak Bojadgian geriet beim anschließenden Zweikampf mit Kulikas ins Straucheln, so dass dieser auf dem Weg zum Führungstreffer freie Bahn hatte.

Norderstedter Abwehr zeigt Schwächen

Damit nicht genug: Auch vor dem 0:2 (47.) machte die Hintermannschaft der Eintracht eine schlechte Figur. Ein Einwurf landete beim Gegner, Kulikas setzte daraufhin per Hacke Julius Alt in Szene – und der netzte unbedrängt ein.

Möglicherweise wäre das gesamte Match ganz anders verlaufen, wenn Johann von Knebel die Eintracht in der 4. Minute in Front gebracht hatte. Der für den verletzten Nils Brüning (Probleme mit der hinteren Oberschenkelmuskulatur) in die Startformation gerutschte Mittelfeldmann kam nach mustergültiger Vorarbeit von Michael Kobert frei zum Schuss, traf aber nur die Latte des von Timon Weiner gehüteten Kieler Kastens.

Eintracht-Tore sind brotlose Kunst

Überhaupt zog sich die Abschlussschwäche der ansehnlich kombinierenden Norderstedter wie ein roter Faden durch die gesamte Partie. „Wir haben in der Offensive eine richtig gute Leistung gezeigt, neun dicke Chancen herausgespielt, uns aber nicht für den Aufwand belohnt. Mann, ist das bitter“, sagte Jens Martens. Die beiden Tore durch Nick Brisevac, der den Ball in der 72. Minute über die Linie stocherte, und Hamajak Bojadgian (80./Kopfball nach einer Brisevac-Ecke) blieben angesichts des unbefriedigenden Endresultats brotlose Kunst.

Der Trainer von Holstein Kiel II, Ole Werner, hatte nach dem Schlusspfiff fast ein wenig Mitleid mit der Eintracht. „Ein 2:2 wäre das gerechte Ergebnis gewesen“, sagte er, um augenzwinkernd hinzuzufügen: „Wir müssen uns aber nicht dafür entschuldigen, dass wir dieses Spiel gewonnen haben.“

Martens ging bei seiner Bewertung der Begegnung etwas mehr in die Tiefe. „Wir haben viel Wucht nach vorn, die große Baustelle ist aktuell die Defensive. Wir sind in der Rückwärtsbewegung nicht gut genug, und wir leisten uns zu viele Konzentrationsfehler.

Pokalspiel beim Bramfelder SV

Am Sonnabend, 24. August (13 Uhr, AOK-Stadion am Allerpark) geht’s für ihn und seine Truppe beim Tabellenzweiten VfL Wolfsburg II das nächste Mal um Regionalliga-Punkte. Zuvor steht allerdings noch die Zweitrundenpartie im Hamburger Lotto-Pokal beim Oberliga-Aufsteiger Bramfelder SV auf dem Programm. Anstoß ist um 18.30 Uhr auf dem Kunstrasen Ellernreihe.

Eintracht Norderstedt – Holstein Kiel II 2:3 (0:1). Tore: 0:1 Laurynas Kulikas (16.),
0:2 Julius Alt (47.), 1:2 Nick Brisevac (72.), 2:2 Hamajak Bojadgian (80.), 2:3 Mats Facklam (90.). – Zuschauer: 412. – Eintracht: Huxsohl – Marxen, Bojadgian, Grau, Bork (76. Kummerfeld) – Nyarko – Brown, Brisevac, von Knebel (60. D. Akyol) – Lüneburg, Kobert (68. Keßner).