Norderstedt
FUSSBALL

„Ein guter Spruch schadet doch nicht“

Ralf Palapies (49) war zuletzt – mit einer Unterbrechung – über acht Jahre Trainer des SV Rugenbergen.

Ralf Palapies (49) war zuletzt – mit einer Unterbrechung – über acht Jahre Trainer des SV Rugenbergen.

Foto: Christopher Herbst

Fußballtrainer Ralf Palapies spricht über seine neue Tätigkeit als Coach der U19-Regionalligajugend von Eintracht Norderstedt.

Norderstedt. Zu seiner neuen Aufgabe als Trainer der U19-Fußballer von Eintracht Norderstedt kam Ralf Palapies fast wie die Jungfrau zum Kinde. „Pala“ holte seinen elfjährigen Sohn Noah vom Training der Garstedter U 13 ab, als er zufällig auf Jens Martens, den Coach der Regionalligaherren, traf. „Jens fragte mich, was ich in der neuen Saison so mache. Als ich wahrheitsgemäß sagte, dass ich Pause mache, wurde er hellhörig. Plötzlich saß ich mit ihm und Präsident Reenald Koch an einem Tisch. Und nun bin ich U 19-Trainer der Eintracht.“

Erstmals trainiert Palapies eine Nachwuchsmannschaft

Es ist eine Premiere für den 49-Jährigen. Noch nie hat „Mister Rugenbergen“ eine Jugendmannschaft betreut. „Mein Sohn hat nur ein Wort gesagt: Cool! Meine Frau Astrid weiß eh, dass ich auf den Platz gehöre.“ Palapies und Martens kennen und schätzen sich seit vielen Jahren als Kollegen – und in der vergangenen Saison kam es zu einer interessanten Parallele. Martens übernahm zusätzlich zur U 19 der Eintracht, mit der er am Saisonende in der A-Junioren Regionalliga Nord überzeugender Fünfter wurde, am 8. April die Liga-Mannschaft der Garstedter und hielt sie ebenfalls in der Regionalliga Nord. Ralf Palapies kehrte am 3. April zu seinem Herzensverein SV Rugenbergen zurück und rettete den Bönningstedter Oberligisten vor dem Absturz in die Landesliga. Die Anerkennung, die Palapies bei der Eintracht widerfährt, dürfte jedoch weniger diesem kurzfristigen Engagement, sondern seinem langfristig erfolgreichen Wirken geschuldet sein. Im Sommer 2010 gelang Palapies auf seiner dritten Trainerstation (zuvor Interimstrainer bei Raspo Elmshorn, dann SC Egenbüttel) überraschend der Aufstieg in die Oberliga Hamburg. Nahezu alle Experten waren sich einig: Ein One-Hit-Wonder, der SVR steigt sofort wieder ab. Es kam anders. Seit eben jenem Sommer 2010 spielt Rugenbergen in der Oberliga. Mit geringeren Mitteln als die der Konkurrenz etablierte Palapies bis zu seinem freiwilligen Rücktritt im Sommer 2018 den anfangs totalen Außenseiter in der höchsten Hamburger Spielklasse.

„Ja, es hat Spaß gemacht, den Experten das Gegenteil zu beweisen. Im Laufe der Zeit haben wir beim SV Rugenbergen dann auch viel Wertschätzung der Konkurrenz erhalten.“ In seiner aktiven Zeit war Ralf Palapies laut Selbsteinschätzung „ein Willensspieler“. Sein legendärster Erfolg: Das 4:3 nach Verlängerung mit Altona 93 gegen den VfL 93 im Jahre 1994 nach 0:3-Rückstand. „Ich kam im defensiven Mittelfeld sogar mit Walter Laubinger und Otto Addo zurecht, obwohl die nun wirklich die besseren Fußballer waren.“

In Rugenbergen schwor er auf das Kollektiv

Getreu diesem Motto baute sich der als Spieler hauptsächlich in der 4. Liga aktive Palapies in Rugenbergen ein kampfstarkes Kollektiv zusammen, das viele Gegner das Fürchten lehrte und sich so gut wie immer aus dem Abstiegskampf heraushielt. Besonders gut verstand er sich dabei stets mit den Medien. Grundehrlich, sympathisch und jederzeit mit einem guten Spruch auf den Lippen absolvierte er die Gespräche mit der Presse. So forderte er nach einem sensationellen 7:1 im Derby bei der SV Halstenbek-Rellingen am zweiten Spieltag der Oberligasaison 2013/14 umgehend, seine Mannschaft könne „nun nur noch ein Ziel haben: den Titel“. Nach einem solchen Sieg sei das ja wohl „selbstverständlich“.

Nach dem Turniersieg beim Hallenmasters 2015 fragte er die Marketingchefin des Turniersponsors Möbel Schulenburg auf der Pressekonferenz, ob Rugenbergens Patrick Ziller „als bester Spieler des Turniers von euch ein paar Möbel kriegen kann“. Als er zu Rugenbergen zurückkehrte und zum Einstand gleich 2:0 gegen den HEBC gewann, befand Palapies: „Das liegt natürlich nur an meiner Aura.“ Ändern will er seine oft selbstironische Art nicht. „Ein guter Spruch schadet doch nicht. Es braucht Spaß und Lockerheit, auch im Leistungsfußball.“

Doch es wäre weit gefehlt, Palapies als launigen Sonnyboy abzustempeln. Nur mit Sprüchen hat man keinen Erfolg. „Intern kann ich auch richtig stinkig werden. Bei mir gibt es klare Regeln und ich will, dass sie eingehalten werden.“ So schloss er in Rugenbergen mal die Kabinentür ab, als ein Spieler zu spät zum Treffen kam, der somit nicht an der Besprechung teilnehmen konnte.

Die A-Jugend ist ein neuer Reiz für den Oberligaveteran

Zugleich ist Palapies ein akribischer Arbeiter. Und ein Trainer, der sich stets für seine Spieler interessiert. „Ich will so viel wie möglich über sie wissen. Ein Trainer sollte sich ehrlich für die Menschen in seiner Mannschaft interessieren. Er muss sie begeistern und wertschätzen, damit sie ihm auch folgen.“ Die zum Trainieren der U 19 nötige B-Elite-Jugend-Lizenz holt Palapies nun nach. Trainingsstart mit der U19 ist am 13. Juli. Er freut sich auf die neue Aufgabe: „Die Oberliga Hamburg ist eine tolle Liga. Doch ich kannte jeden Spieler, jeden Verein, jeden Platz, jede Kabine. Nun ist ein neuer Reiz für mich da. Ich bin schon sehr gespannt darauf, meine jungen Spieler kennenzulernen.“