Norderstedt
SPORTVEREIN

Kaltenkirchener Turnerschaft wird 125 Jahre alt

Ein Foto aus dem Jahr 1913 – heute ist die KT ein elementarer Bestandteil der regionalen Sportlandschaft.

Ein Foto aus dem Jahr 1913 – heute ist die KT ein elementarer Bestandteil der regionalen Sportlandschaft.

Foto: STADTARCHIV KALTENKIRCHEN / Stadtarchiv Kaltenkirchen

Heute hat der Verein 16 Abteilungen mit fast 2000 Mitgliedern. Das Jubiläum wird das ganze Jahr über in der Stadt gefeiert.

Kaltenkirchen. Es erscheint zunächst skurril: Da feiert der größte Sportverein der 22.000-Einwohner-Stadt Kaltenkirchen sein 125-jähriges Bestehen – aber niemand weiß, wann genau der Club gegründet wurde. Wie kann das sein? Die Lösung des Rätsels ist ganz einfach: Das Protokollbuch, in dem der Gründungstag festgehalten worden war, wurde 1909 beim Brand des Central-Gasthofs ein Opfer der Flammen. Und die Zeitzeugen haben im Laufe der Dekaden offenbar wenig Wert darauf gelegt, den jüngeren Generationen den Gründungstag der Kaltenkirchener Turnerschaft zu überliefern.

Trotz der Lücke in der Chronik gilt als sicher: Die KT – oder genauer gesagt das, was als Keimzelle des heutigen Vereins bezeichnet werden kann – wurde 1894 aus der Taufe gehoben. Einem Jahr, in dem im Deutschen Kaiserreich unter der Regentschaft von Wilhelm II. der Wandel vom Agrarstaat zur Industrienation energisch vorangetrieben, der französische Offizier Alfred Dreyfus wegen angeblichen Landesverrats auf die Teufelsinsel deportiert, die Tower-Bridge in London fertiggestellt wurde, der englische Schriftsteller Rudyard Kipling seinen Roman „Das Dschungelbuch“ veröffentlichte und der belgische Baron Pierre de Coubertin das Komitee für die Olympischen Spiele gründete.

Die Konsolidierung des Vereins ist fast abgeschlossen

Dass sie das Jubiläum in größerem Stil würdigen würden, war den Clubverantwortlichen immer klar. In Ermangelung eines konkreten Termins verabschiedeten sie sich aber vom Gedanken einer zentralen Feier und verteilten mehrere Veranstaltungen auf das Jahr 2019. Den Auftakt bildete ein Festakt im Januar, bei dem Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote lobende Worte für den Verein fand. „Dass ein Verein wie die KT so lange besteht, ist ein klarer Vertrauensbeweis. Es zeigt, dass es zu jeder Zeit ein ansprechendes Sportangebot gegeben hat“, sagte der frühere Oberbürgermeister der Stadt Norderstedt.

Vorzüglich in den Ablaufplan passt, dass der Kaltenkirchener Stadtlauf „nullt“ und am 1. Mai unter KT-Regie zum 30. Mal stattfindet. Ein weiterer Höhepunkt: Am 19. Mai gibt’s erstmals die Stadtmeisterschaften im Tischtennis-Rundlauf. Abgeschlossen wird das Programm am 9. November – angelehnt an die Vereinsfarben – mit der Rot-Weiß-Party. Noch wichtiger ist Clubchef Thomas Langhein (61) allerdings der Blick nach vorn. Er wurde am 23. März 2017 an die Spitze der Kaltenkirchener Turnerschaft gewählt. Sein Hauptziel damals und auch heute: die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins. Bei der heutigen Mitgliederversammlung kandidiert er für eine zweite Amtszeit. Die Zahlen, die Langhein dann präsentieren wird, sind beeindruckend. „Mein Vorstandsteam und ich sind mit einer Drei-Jahres-Zielsetzung angetreten, und wir liegen gut im Soll. Es ist uns gelungen, die Schulden von 140.000 Euro um etwa zwei Drittel zu reduzieren. Der Verein hat keinerlei Bankverbindlichkeiten mehr. Noch nicht vollständig getilgt ist das 2017 aufgelegte Mitgliederdarlehen. Diesen Schritt wollen wir in den kommenden zwei Jahren machen.“

Der Turnaround ist für ihn das Resultat harter Arbeit. „Wir haben unsere Einnahmen durch eine Verbesserung der Eigenvermarktung sowie die Vermietung von Räumlichkeiten im Vereinsheim für Veranstaltungen wie Geburtstags-, Hochzeits- oder Abi-Feiern deutlich gesteigert – und alle Bereiche, die nicht unmittelbar mit dem Sportbetrieb in Verbindung zu bringen sind, rigoros zurückgefahren. Die Reduzierung des Verwaltungsaufwands hat eine Kostenentlastung von zehn Prozent gebracht.“ Doch der wichtigste Faktor war die Unterstützung der 16 Abteilungen. „Sie haben trotz teilweise deutlich niedrigerer Budgets und eines Investitionsstopps, der 2019 etwas gelockert werden soll, supergut mitgezogen. Ohne sie hätten wir es nicht schaffen können.“ Ausdrücklich nicht gespart wurde bei den Übungsleitern. Langhein: „Von ihnen leben wir.“

Ein weiteres Markenzeichen: Auch mit 125 ist der Verein strukturell sehr jung. Laut Kreissportverband Segeberg waren zu Jahresbeginn 1193 der (Stand heute) 1989 Mitglieder Kinder und Jugendliche. Um die finanzielle Gesundung weiter zu forcieren, hat die Kaltenkirchener Turnerschaft im vergangenen Jahr die Unternehmergesellschaft KT Sports gegründet. Diese soll bis 2020 in eine klassische GmbH erweitert werden, um für potenzielle Geschäftspartner noch attraktiver zu sein. Eingelegt sind aktuell 5000 Euro Stammkapital, alleiniger Eigentümer ist der Verein.

Leistungssport bei der KT soll besser gefördert werden

Als Geschäftsführer fungieren Frank Horstmann (48) und Tobias Bandke (36); sie werden von Thomas Langhein und KT-Kassenwart Lutz Blödorn (58), die den e. V. als Gesellschafter vertreten, kontrolliert und sind ihnen rechenschaftspflichtig. Zu den Aufgaben gehören die Vermarktung sowie der Vertrieb von Werberechten, also der gesamten Marke KT, und die Förderung des leistungsbezogenen Sports. „Davon sollen ausdrücklich nicht nur die Fußballer profitieren“, betont Langhein, „ich sehe unter anderem auch in Tischtennis, Boxen und Leichtathletik großes Potenzial. Wer ein stimmiges Konzept vorlegt, kann mit Unterstützung rechnen.“

Der Clubchef, in seiner aktiven Zeit Mittelfeldregisseur und Kapitän des ersten Herrenteams, macht keinen Hehl daraus, dass ihm die KT-Kicker, die in der Verbandsliga West spielen, sehr am Herzen liegen. „Fußball ist für einen Verein die medien- und öffentlichkeitswirksamste Sportart“, sagt er, „ich hoffe darauf, dass es der Unternehmergesellschaft gelingt, möglichst viele mittelständische Gewerbeunternehmen aus der Region mit ins Boot zu holen und dass wir so unsere junge Mannschaft zusammenhalten und gezielt verstärken können.“ Während der langjährige Ligaobmann Frank Horstmann als mittelfristiges sportliches Ziel den Aufstieg in die Landesliga Holstein ausgibt, äußert sich Thomas Langheim offensiver: „Eine Stadt wie Kaltenkirchen sollte in der Oberliga Schleswig-Holstein vertreten sein. Diesen Schritt traue ich der KT zu.“