Norderstedt
SPECIAL OLYMPICS

Norderstedt feiert Goldgewinnerin Valentina Beck

Valentina Beck und ihre Trainerin Maike Rotermund wurden am Flughafen von vielen Freunden und Angehörigen begrüßt.

Valentina Beck und ihre Trainerin Maike Rotermund wurden am Flughafen von vielen Freunden und Angehörigen begrüßt.

Foto: Christopher Herbst

27 Jahre alte Sportlerin der Norderstedter Werkstätten triumphiert bei den Special Olympics in Abu Dhabi mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel.

Hamburg/Norderstedt. Ein Popstar hätte nicht spektakulärer empfangen werden können. Jedes Mal, wenn sich die Tür zwischen Gepäckannahme und Ankunftsbereich am Hamburger Flughafen öffnet, gucken die vielen Angehörige und Freunde, ob sie denn endlich kommen würden – Valentina Beck und Maike Rotermund. Direkt aus Abu Dhabi, mit Zwischenstopp in Frankfurt am Main, direkt von den Special Olympics, der weltweit größten Sportveranstaltung für geistig Behinderte.

Beck, das 27 Jahre alte kleine Kraftpaket von den Norderstedter Werkstätten, war dabei, genauso Rotermund als ihre Trainerin. Und mehr als das: Unter riesigem Jubel spaziert das Duo, das ansonsten für den Integrativen Sportverein Norderstedt startet, schließlich in die Empfangshalle. Um den Hals der Sportlerin baumelt eine dicke schwere Goldmedaille. Sie hat es geschafft, der Traum, für den sie gekämpft hat, wurde Wirklichkeit: Platz eins mit der deutschen 4 x 100-Meter-Staffel. Aber das war noch nicht alles: persönliche Bestleistung mit 2,04 Metern im Weitsprung, dazu der 100-Meter-Einzellauf. Medaillen gab es jedesmal, das gehört sich so bei den Special Olympics.

Zum Empfang gibt’s Blumen, roten Teppich und Kameras

„Ich habe mir den roten Teppich und viele, viele Blumen gewünscht“, sagt sie. Sie wird nicht enttäuscht. Rosen, Luftballons, selbst gebastelte Transparente, unzählige Umarmungen und Bussis. „Ich wollte die große Party hier.“ Und sie mittendrin – auch das Interview vor der Fernsehkamera ist da selbstverständlich.

Beck, die das Down-Syndrom hat, war eines von 229 Mitgliedern der deutschen Delegation in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine bunte Truppe: Valentinas erfolgreiche Staffel besteht neben ihr aus der Hamburgerin Agnes Wessalowski, Michaela Harder aus Schleswig und Robert Glowczewski – ebenfalls ein Hamburger.

„Die Stimmung, die Motivation und Begeisterung der Athletinnen und Athleten, ihre sprühende Lebensfreude und ihr Teamgeist - das alles war schlichtweg umwerfend, dem konnte und wollte sich niemand entziehen“, das hat Christiane Krajewski, Präsidentin von Special Olympics Deutschland, am Donnerstag anlässlich der Abschlussfeier gesagt – diese fand passenderweise am Welt-Down-Syndrom-Tag statt. Und wer in das Gesicht von Valentina Beck blickt, sieht, wie bedeutend jeder einzelne Moment bei den Weltspielen gewesen ist.

Maike Rotermund strahlt, sie ist gerührt von der Aufmerksamkeit. Doch erschöpft dürfte sie ebenso sein. „Es ist großartig, wenn man hier bei der Ankunft die Rufe durch die Tür hört. Und Valentina hat den roten Teppich bekommen, den sie sich gewünscht hatte.“

2023 finden die Weltspiele in Berlin statt

Doch dass die turbulenten, spannenden 14 Tage der Special Olympics mit 7000 Sportlern aus 190 Ländern, die so schön waren, jetzt zu Ende gegangen sind, ist für sie auch in Ordnung so. Zumal ja sowieso gilt: Nach den Wettkämpfen ist vor den Wettkämpfen. Valentina Beck ist so gar nicht müde. „Ich mache keine Pause, ich mache weiter.“ Denn das nächste Ziel ist schon im Visier. „Berlin in vier Jahren! Da freue ich mich drauf.“ In der deutschen Hauptstadt werden 2023 die Special Olympics ausgetragen. Mit Norderstedter Beteiligung? Das steht für Valentina Beck schon jetzt fest.

Bevor der Trubel abklingt, muss das eigentlich unzertrennliche Team noch einmal Abschied nehmen. Valentina Beck hüpft in die Arme von Maike Rotermund, grinst in die Runde. „Tschüs, mein Goldstück“, sagt die Trainerin. Fortsetzung folgt – mit Sicherheit.