Norderstedt
Nach der Havelse-Pleite

Bei Eintracht Norderstedt herrscht Alarmstufe Rot

Linksverteidiger Ronny Marcos zog sich in der 25. Minute eine Oberschenkelverletzung zu – sein Einsatz im Match beim Lüneburger SK ist fraglich.

Linksverteidiger Ronny Marcos zog sich in der 25. Minute eine Oberschenkelverletzung zu – sein Einsatz im Match beim Lüneburger SK ist fraglich.

Foto: Anne Pamperin

Regionalliga-Fußballer rutschen auf einen direkten Abstiegsplatz ab. Jetzt müssen unbedingt Punkte gegen den Lüneburger SK her.

Norderstedt.  Dane Kummerfeld hatte einen dicken Hals. „Das war nie und nimmer ein Elfmeter“, sagte der
Außenbahnspieler von Eintracht Norderstedt, der Mitte der ersten Halbzeit für Linksverteidiger Ronny Marcos (Oberschenkelzerrung) eingewechselt worden war – und bezog sich damit auf die Szene, die seine Mannschaft in der Heimpartie gegen den TSV Havelse (1:2) auf die Verliererstraße brachte.

Rückblende: Havelses Julius Langfeld dringt beim Zwischenstand von 1:0 für die Gastgeber (Torschütze: Nils Brüning/17.) in der 57. Minute in den Norderstedter Sechzehnmeterraum ein und versucht, Kummerfeld auszutricksen. Dieser erinnert sich so: „Ich bekomme den Ball erst auf den Oberschenkel, dann springt er an meinen angelegten Arm.“

Ein Tiefschlag für die Moral der Mannschaft

Schiedsrichter Jost Steenken (Vorwärts Nordhorn) sieht es anders, für ihn ist die Sache unstrittig – er entscheidet auf Handspiel und demzufolge Strafstoß für die Niedersachsen, den Erhan Yilmaz mit ein wenig Glück verwandelt. Der Eintracht-Akteur ist sich allerdings keiner Schuld bewusst. „Was hätte ich in dieser Situation denn tun sollen, ich kann mir den Arm doch nicht abhacken.“ Kummerfelds Trainer Dirk Heyne sagt nach dem Match: „Das war aus dem Nichts ein Tiefschlag für die Moral meiner Mannschaft.“

Drei Elfmeter in der zweiten Halbzeit

Der Ausgleich der Gäste ist allerdings nur die Ouvertüre zu einem Elfmeterdrama im Edmund-Plambeck-Stadion. In der 75. Minute kommt Norderstedts Johann von Knebel gegen David Lukic einen Schritt zu spät, der Unparteiische zeigt zum zweiten Mal auf den Punkt. Erhan Yilmaz behält erneut die Nerven, verlädt Torhüter Tjark Grundmann – es steht 1:2.

Dann die Riesenchance für die Eintracht zum Ausgleich. Sinisa Veselinovic, der kurz zuvor für von Knebel auf den Platz gekommen ist, spitzelt Havelses Noah Plume die Kugel an die Hand (82.) – der dritte Strafstoß der Partie. Veselinovic tritt an, schießt aber so schwach, das Schlussmann Alexander Rehberg den Ball festhalten und sich von seinen Teamkollegen feiern lassen kann.

Sinisa Veselinovic vergibt vom Punkt das 2:2

„Ich hatte mir den Ball schon geschnappt, aber Sini hat mir gesagt, dass er sich gut fühlt. Also habe ich ihm die Ausführung überlassen“, sagte Mannschaftskapitän Jan Lüneburg – rückblickend betrachtet hätte er es besser nicht tun sollen...

Nach der dritten Punktspielniederlage in diesem Jahr herrscht bei Eintracht Norderstedt Alarmstufe Rot. Das Team ist mit 29 Zählern und 38:52 Toren auf den 15. Tabellenplatz der Regionalliga Nord abgerutscht. Falls Eintracht Braunschweig sich in der 3. Liga bis zum Saisonende nicht retten kann, wäre dies ein direkter Abstiegsplatz. Lüneburg: „Alle wissen, wie ernst die Lage ist, es geht nur noch um den Klassenerhalt. Wir werden weiter Gas geben, gut trainieren – dann kommt irgendwann auch das Glück zurück.“

Personalsorgen vor dem Kellerduell mit dem LSK

An Coach Heyne will der Angreifer die sportliche Talfahrt der Garstedter nicht festmachen. „Er macht einen guten Job und steht ja schließlich nicht auf dem Platz.“ Dafür aber unter Erfolgsdruck: Am kommenden Sonntag geht’s um 14 Uhr auswärts gegen den punktgleichen Lüneburger SK.

Abzuwarten bleibt, welche Spieler der 61 Jahre alte Fußballlehrer dann zur Verfügung hat. Mit Johannes Höcker, Jordan Brown, Evans Nyarko, Nick Brisevac, Hamajak Bojadgian, Jannik Mohr (alle verletzt) sowie Marin Mandic und Philipp Koch (beide gesperrt) fehlten gegen den TSV Havelse gleich acht Startelf-Kandidaten. Möglicherweise fällt nun auch noch Ronny Marcos aus; die Ausgangslage vor dem Kellerduell mit dem LSK könnte kaum schlechter sein. Heyne: „Mal sehen, wen wir rechtzeitig fit bekommen...“

Eintracht Norderstedt – TSV Havelse 1:2 (1:0). Tore: 1:0 Nils Brüning, 1;1, 1:2 Erhan Yilmaz (59./Handelfmeter, 76./Foulelfmeter). – Zuschauer: 225. – Eintracht Norderstedt: Grundmann – Marxen (87. Baghdadi), Coffie, Novotny, Marcos (25. Kummerfeld) – von Knebel (78. Veselinovic), Meien – Büyükdemir, Brüning, Facklam – Lüneburg.