Norderstedt
Tennis

Babyboom bei den Glashütter Damen-Teams

Beim Training des Glashütter Damenkaders ist der Nachwuchs oftmals mit dabei. Einige der Jugendlichen werden später bestimmt auch TSC Glashütte Tennis spielen

Beim Training des Glashütter Damenkaders ist der Nachwuchs oftmals mit dabei. Einige der Jugendlichen werden später bestimmt auch TSC Glashütte Tennis spielen

Foto: Anne Pamperin

Während einer Saison kommen sieben Kinder zur Welt. Der Spielbetrieb bei den Damen läuft trotzdem fast reibungslos.

Norderstedt.  Satzpause beim Tennis. Zeit, um sich ein bisschen zu erholen. Bei den Damen des TSC Glashütte muss man sich das so vorstellen: Karina Renken läuft vom Platz zur Bank, hebt die kleine Smilla aus dem Kinderwagen und stillt sie. Danach geht sie wieder auf den Court, beendet das Match als Siegerin.

Das sind Szenen, wie es sie bei Punktspielen normalerweise nur selten gibt. Karina Renken hat bis zur 22. Schwangerschaftswoche gespielt. „Nach der Geburt bin ich quasi direkt vom Kreissaal wieder auf den Tennisplatz zurück“, sagt die 30-Jährige.

Renken hat den Baby-Boom bei den Glashütter Damen ausgelöst. In der Saison 2017/18, also in eineinhalb Jahren, sind sieben Kinder nacheinander zur Welt gekommen. Nur fünf der insgesamt zwölf Teammitglieder bei den ersten Damen und Damen 30 – beide spielen im Winter in der Verbandsliga – sind nicht Mutter.

Gezielte Familienplanung im Tennissport – geht das? Es gibt Mannschaften, die schon vor den ersten Ballwechseln einer neuen Saison Zerfallserscheinungen zeigen. So etwa lauten die Ausreden: Ich habe keine Zeit. Ich muss absagen. Mein Mann lässt mich nicht weg, meine Kinder schon gar nicht, und außerdem hat meine Großmutter Geburtstag. Entschuldigungen dieser Art werden bei den Tennisspielerinnen des TSC Glashütte nicht angenommen, sie werden auch gar nicht erst geäußert.

Um es klar zu betonen: Besprechungen gab es nur zum Thema Tennis, nicht aber in Bezug darauf, wer denn nun als nächste Mutter werden würde... „Wir haben uns nicht untereinander abgestimmt“, sagt Katharina Meusburger (32), die Nummer eins in beiden Kadern. „Es hat sich einfach so entwickelt. Wir kennen uns fast alle seit vielen Jahren. So weiß man, wie jede von uns tickt.“ Meusburger spielt seit 25 Jahren für den TSC.

„Es ist schön, dass wir uns alle in einem sportlichen Umfeld bewegen, in dem auch das Private nicht zu kurz kommt“, ergänzt Ina-Christin Piecyk, die Älteste der Damen 30. Die 39-Jährige bekam Sohn Rafael vor sechs Jahren und Tochter Martha vor drei Jahren.

Übrigens: Katharina Meusburger ist Kapitänin der Damen 30, Annabell Behrmann bei den Damen. Für sie spielt es keine Rolle, dass die „Dreißiger“ derzeit Tabellenführer ihrer Staffel sind und die Jüngeren gegen den Abstieg kämpfen. Wie all die anderen finden sie es angenehm, wie sich Kadermitglieder einbringen, egal, wie stark sie privat gerade gefordert werden. Großeltern, Ehemänner und Freunde sind schließlich auch noch da. Die bringen ihre Sprösslinge ohne Wehklagen mit zur Anlage, selbst wenn sie sich nicht so sehr für Tennis interessieren. Eine ideale Entlastung für die TSC-Damen, die sämtlich berufstätig sind.

Gibt es denn nie Situationen, in denen die Spielerinnen aufgrund der Veränderungen in ihrem Leben Zugeständnisse zur Mannschaft oder Kompromisse mit der Famile machen müssen? „Für uns war das nie ein Problem“, betont Lisa-Marlen Tjaden (29).

Pauline Künzel spielt außer Tennis noch Handball beim SV Henstedt-Ulzburg. Die 30-Jährige ist eine der wenigen im Kader, die kein Kind hat. „Wir erleben hier den Nestbau einer ganzen Generation“, sagt die temperamentvolle Sportlerin mit einem Lächeln.

Katharina Meusburger fällt es schwer, ihre Kameradinnen im Stich zu lassen. Daher ist sie froh, dass sie ihren zweiwöchigen Urlaub auf den Malediven erst nach dem Sonnabend-Punktspiel beim TC Garstedt antreten „muss“. Ursprünglich wollte sie mit ihrem Ehemann Lars vor einem Jahr in die Flitterwochen, doch dann wurde sie schwanger mit Sohn Paul...

Glashüttes Tennis-Damen (Foto): Adelina Kautz (mit Felix), Daniela Schaefer, Ines Ehlers (mit Rickmer und Greta), Karina Renken (mit Smilla), Katharina Meusburger (mit Paul), Pauline Künzel (hinten von links), Annabell Behrmann, Carina Lott (mit Jacob, Leo und Amelie), Lisa-Marlen Tjaden, Jessica Schaefer, Ina-Christin Piecyk - mit Martha und Rafael (vorne von links).