Norderstedt
Karrieresprung

Eintracht Norderstedt hat einen adligen Shootingstar

Johann von Knebel (r.) geht keinem Zweikampf aus dem Weg

Johann von Knebel (r.) geht keinem Zweikampf aus dem Weg

Foto: Anne Pamperin

Dem 21 Jahre alten Mittelfeldmann Johann von Knebel ist überraschend schnell der Sprung von der Landes- in die Regionalliga gelungen.

Norderstedt.  Um Aufmerksamkeit zu erregen, muss er sich nur mit seinem vollständigen Namen vorstellen. Gestatten, Johann Magnus Kilian Ludwig von Knebel Doeberitz! „Meine gesamte Familie ist adlig. Das hat einen preußischen Hintergrund“, sagt der zentrale Mittelfeldspieler von Fußball-Regionalligist Eintracht Norderstedt. Goldene Löffel oder das Schummeln beim Anfertigen von Doktorarbeiten sind ihm allerdings fremd. „Wir sind nicht wohlhabend. Ich bin in einem normalen Mietshaus groß geworden, nicht auf einem Schloss“, stellt der 21-jährige schmunzelnd klar.

Beachtung findet der im Sommer vom Landesligisten FC Voran Ohe verpflichtete von Knebel an der Ochsenzoller Straße eh nicht durch einen mondänen Lebensstil. Sondern eher als Held der Arbeiterklasse. Auf dem Platz ackert und rackert von Knebel für zwei. Keinen Ball gibt er verloren, knallt sich in jeden Zweikampf.

Da ihn zudem beachtliche Fertigkeiten im offensiven Eins-gegen-eins und eine erfrischende Risikofreudigkeit auszeichnen, hat Shootingstar von Knebel Phänomenales vollbracht: Er stand in 16 von 22 Punktspielen in der Regionalliga Nord auf dem Feld (ein Tor, vier Vorlagen), sechsmal absolvierte er die kompletten 90 Minuten.

Oft tun sich selbst gestandene Oberligaspieler in der Regionalliga schwer. Nun überspringt ein Landesligakicker in seinem zweiten Herrenjahr zwei Klassen und ist auf dem besten Weg zum Leistungsträger. Ein Wunderkind also?

Johann von Knebel, der vom früheren Eintracht-Manager Jörg Franke nach Norderstedt vermittelt wurde, bremst. „Ich bin überrascht, dass es so gut läuft, aber komplett verwunderlich ist es nicht. Ich hatte eine gute Vorbereitung, habe viel gearbeitet.“ Seinen Platz in der Mannschaft hat er momentan auf der Zehnerposition gefunden. Auch auf der Sechs ist er einsetzbar.

„Johann“, sagt sein Trainer Dirk Heyne, „ist vom ersten Tag an in den Übungseinheiten marschiert. Er hat die Umstellung auf die höhere Belastung in der Regionalliga schneller geschafft, als wir es erwartet haben. Er besitzt eine Top-Einstellung, bringt immer volles Engagement, lässt nie den großen Larry raushängen. Deshalb war er in der Mannschaft sofort anerkannt.“

Von Knebel selbst fühlt sich nach eigenem Bekunden besonders wohl mit dem gepflegten Spielstil der Eintracht, auch wenn tabellarisch noch Luft nach oben sei: „Ich hoffe, wir schaffen bald etwas Abstand nach unten und landen am Schluss unter den ersten sieben Teams“, sagt er, „wir haben so viel Qualität, so viele gute Fußballer. Die Kugel wird gehalten, es wird kombiniert, das ist kein Kick-and-Rush-Gebolze.“

Als Spitze gegen seinen vorherigen Verein FC Voran Ohe will er dieses Lob keinesfalls verstanden wissen. Im Gegenteil. Noch heute sieht sich der Student des Sportmanagements gerne Begegnungen seines Ex-Clubs an, der in der Landesliga Hansa aktuell Platz vier belegt. „Wie Ohe mit so geringen Mitteln in der Spitzengruppe mitmischt, davor ziehe ich absolut den Hut“, sagt von Knebel.

In der vergangenen Saison begeisterte er übrigens selbst Ohes Platzwart Behrend Schulz mit seiner formidablen Einstellung. „Der Junge ist einfach klasse. Der hält sich nicht für was Besonderes, sondern gibt einfach immer alles“, waren Schulz’ Lieblingssätze, wenn er von Knebels Eifer auf dem Rasen bewunderte.

Sein sportliches Vorbild ist der junge Mario Götze

Auf spezielle Art alles gegeben hat der in Dortmund geborene von Knebel, dessen Vorbild „der junge Mario Götze“ ist, auch in den neun Monaten vor seinem ersten Herrenjahr in Ohe. Mit seinem Freund Leo Hebbeler (Torwart beim
SC Condor) reiste er durch Aus­tralien. Den Aufenthalt verdienten sich die Kumpels mit der Schufterei auf Obstplantagen. „Die Arbeit war hart. Aber wir haben viele coole Leute kennengelernt, und wenn man abends zusammen im Hotel saß und den Tag ausklingen ließ, war das ein tolles Gefühl.“

Gemeinschaft ist ein Zauberwort im Leben des außerhalb des Feldes ruhig und höflich wirkenden Talents: „Ich bin ein absoluter Familienmensch. Das schätze ich auch in Norderstedt. Ich mag Vereine, in denen es familiär zugeht.“ Einen Karriereplan, so beteuert von Knebel, habe er nicht. Dafür einen großen Traum. Schon bei seiner Verpflichtung verkündete er, unbedingt den Oddset-Pokal gewinnen zu wollen, um 2019 im DFB-Pokal antreten zu können. Am liebsten gegen Borussia Dortmund, in direkten Duellen mit Mario Götze. „Das wäre so richtig cool...“