Norderstedt
FUSSBALL

Ist der SV Todesfelde reif für die Regionalliga?

Luca Sixtus (Mitte), Kapitän des SV Todesfelde, reizt die Regionalliga zwar sportlich, er weiß aber um die Unwägbarkeiten.

Luca Sixtus (Mitte), Kapitän des SV Todesfelde, reizt die Regionalliga zwar sportlich, er weiß aber um die Unwägbarkeiten.

Foto: Thomas Maibom

Oberliga-Fußballer des Dorfclubs diskutieren über einen möglichen erstmaligen Antrag auf Zulassung für die Regionalliga Nord.

Todesfelde.  Luca Sixtus befindet sich im Reisefieber. Am kommenden Dienstag fliegt der Mannschaftskapitän des schleswig-holsteinischen Fußball-Oberligisten SV Todesfelde nach Australien, verbringt Weihnachten und den Jahreswechsel bei seiner Freundin Swantje (19), die für ein Jahr als Au-pair in einer Großfamilie in der Nähe von Sydney beschäftigt ist.

Vorfreude ist ja die schönste Freude. Das trifft nicht nur auf den 23 Jahre alten zentralen Mittelfeldspieler zu. Im Umfeld im Dorfclubs wird zunehmend über ein sensibles Thema diskutiert. Es geht um einen möglichen Aufstieg in die Regionalliga Nord, also in eine Spielklasse mit zahlreichen Proficlubs und weiteren semiprofessionellen Verein wie etwa Eintracht Norderstedt.

In Fußballerkreisen weiß man, dass der überlegene und vermutliche neue Meister NTSV Strand 08 aus wirtschaftlichen Gründen wohl keine Ambitionen auf den Aufstieg hegt. Diese Tatsache könnte dazu führen, dass jene Vereine, die in der Tabelle hinter den Timmendorfern stehen, als Nachrücker in Betracht kommen. Das wären der Heider SV (2.), TSB Flensburg (3.) und eben auf Rang vier der SV Todesfelde, der zudem zwei Partien weniger absolviert hat.

Wäre der Club aber überhaupt willens, über jene Möglichkeit nachzudenken? Sind die sportliche Qualität und vor allem die finanzielle Basis gegeben, den Sprung nach oben zu wagen? Luca Sixtus, seit vier Jahren einer der engagiertesten Akteure im Team und Leistungsträger des Oberligisten, sagt dazu: „Es wäre großartig, aber es ist alles noch vollkommen ungewiss. Wir bräuchten sicher Verstärkung“, so der frühere Jugendspieler von Eintracht Norderstedt, der seit Ende September mit einer schweren Knieverletzung (Patella-Luxation) ausfällt.

Finanziell wäre die vierte Liga ein enormer Kraftakt

Der Sportliche Leiter Markus Weber beschäftigt sich vor allem mit den Zahlen und den finanziellen Voraussetzungen. Für ihn gibt es kein kategorisches „Nein“. Er sagt: „Wir haben eine Reihe großzügiger Sponsoren, die uns unterstützen. Die Höhe des neuen Etats müsste sich aber wohl im sechsstelligen Bereich bewegen. Ob wir das bewerkstelligen, muss man sehen. Sollten wir gefragt werden, setzen wir uns mit den wichtigsten Personen zusammen und besprechen alles detailliert.“ Und damit meint er nicht nur die Förderer im Umfeld, sondern auch die Fußballer selbst.

Die Todesfelder ständen vor erheblichen und sehr kostenintensiven Veränderungen. Im jetzigen Zustand ist die Anlage des Joda-Sportparks nicht regionalligatauglich. So müssten zur Erweiterung weitere Zuschauerränge auf der Gegenseite des Platzeingangs gebaut werden. Zur Erfüllung der Auflagen gehört auch der Anbau eines großzügigen Presse- und VIP-Bereichs.

Die Meldefrist endet am 31. März. Wer die Zulassung beim Norddeutschen Fußballverband beantragt, muss 3000 Euro zahlen – und erhält immerhin die Hälfte im Falle einer Ablehnung zurück. Weitere Kosten würden durch eine geforderte Wirtschaftlichkeitsprüfung entstehen.

Das sind gravierende Neuerungen für einem Verein, dessen Markenzeichen seit Jahren Bodenständigkeit und solide ehrenamtliche Arbeit zahlreicher Mitglieder sind. Das weiß auch Lennard Koth (26). „Zusammenerhalt war immer unsere Stärke. Diese Einheit kann man nicht so einfach sprengen, auch wenn man Verstärkung bräuchte. Wir müssen alles realistisch angehen und uns darüber klar werden, wie wir die Prioritäten in Zukunft vornehmen.“ Der Innenverteidiger stand früher beim VfB Lübeck unter Vertrag. Spieler wie Kai Schulz und Emanuel Bento (dreimal abgestiegen mit Neumünster, Eichede und Goslar) haben Regionalliga-Erfahrung.

Eutin, Schilksee und Eichede sind warnende Beispiele

Die Angst davor, wie in jüngster Vergangenheit die Neulinge Eutin 08, TSV Schilksee und SV Eichede umgehend wieder sang- und klanglos in die Oberliga abzusteigen, ist in Todesfelde durchaus vorhanden – auch wenn man zweimal in Folge im Landespokal-Halbfinale und viermal in Folge Kreispokalsieger war.

Lohnt sich das sportliche Wagnis also? Trainer Sven Tramm: „Ich bin eigentlich ein Fußball-Romantiker und finde, dass nur der Meister aufsteigen sollte. Auf uns würde eine Mammutaufgabe warten. Uns steht keine Stadt zur Seite, wir müssten uns als Dorfclub beweisen. Schön ist, dass jetzt andere über uns spekulieren.“