Norderstedt
SV Henstedt-Ulzburg

Rücktritt der Reizfigur stellt den Großclub vor Probleme

Carsten Schittkowski (47) hatte sein Amt am 1. November 2015 angetreten. Zuvor arbeitete er beim Ahrensburger TSV.

Carsten Schittkowski (47) hatte sein Amt am 1. November 2015 angetreten. Zuvor arbeitete er beim Ahrensburger TSV.

Foto: Ulrich Stueckler / Ulrich Stückler

Carsten Schittkowski verlässt den SV Henstedt-Ulzburg, die Nachfolge ist unklar. Die finanzielle Lage des Clubs wirft zudem Fragen auf.

Henstedt-Ulzburg.  Auch so kann man sich verabschieden. „Mein Wunsch ist, dass es den SV Henstedt-Ulzburg in einigen Jahren noch gibt“, sagte Carsten Schittkowski (47) auf der Delegiertenversammlung des Großsportvereins. Der hauptamtliche Vorsitzende hat seine Kündigung eingereicht, er war nur drei Jahre im Amt. Die Führungskrise verschärft sich umso mehr, da auch der Finanzvorstand Kurt Wagner zum Jahresende aufhört.

Schittkowskis finaler Satz lässt Raum zur Interpretation. „Das war äußerst unglücklich. Aber ich weiß nicht, ob es als böse Absicht gedacht war“, sagt Timo Scholle, der Vorsitzende des Aufsichtsrates. Er trägt jetzt die Verantwortung für den Umbruch. Zur Erinnerung: Im September trat er mit dem Bündnis „Frischer Wind für den SVHU“ zur Aufsichtsratswahl an, die fünf Kandidaten wurden gewählt, die alten Mitglieder zogen sich ausnahmslos zurück.

Schittkowski ist für die Sportler eine Reizfigur

Das strategische Ziel: Besserung auf allen Ebenen, ob nun finanziell, kommunikativ oder bei der Angebotsstruktur. Schittkowski erbat sich damals Bedenkzeit, ließ offen, ob er weitermachen würde – ehe er sich nun gegen den SVHU entschied. Dem Vernehmen nach ist nicht jeder Sportler darüber unglücklich, der Vorsitzende ist eine Reizfigur. Unter anderem deswegen, weil er nebenbei Geschäftsführer einer Firma für Sportausrüstung und Merchandise ist. Manchmal blieb sogar unklar, welche Aufgaben er genau hatte. Es habe unterschiedliche Vorstellungen darüber gegeben, bestätigt Timo Scholle. Ebenso soll das Arbeitsverhältnis zur Ortspolitik und zur Gemeinde mit Bürgermeister Stefan Bauer nicht optimal gewesen sein.

Gleichwohl war Carsten Schittkowski ebenfalls über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben. Kein Wunder also, dass der neue Aufsichtsrat den Vorstand sowieso personell stärken wollte. Denn neben Schittkowski saß darin zuletzt nur noch Kurt Wagner, der ehrenamtlich tätig war. Bei einem Verein mit 4500 bis 4900 Mitgliedern – genaue Zahlen gibt es tatsächlich nicht – ist eine solche Konstellation zumindest ambitioniert. „Dass Kurt Wagner aufhört, habe ich erst vor einem Monat erfahren“, sagt Timo Scholle. „Wir müssen den Vorstand neu besetzen.“ Bestenfalls mit einem Vorsitzenden, einem Finanzexperten, einer Person für Mitgliederbelange und einer für die Öffentlichkeitsarbeit.

Scholle: „Der neue Vorsitzende muss nicht hauptamtlich sein. Wir prüfen ergebnisoffen und gucken uns auch an, was die Nachbarvereine so machen. Wir können uns damit aber erst beschäftigen, seitdem die Kündigung da ist.“ In der Nachbarstadt haben zum Vergleich der 1. SC Norderstedt, der Norderstedter SV und seit kurzer Zeit auch TuRa Harksheide festangestellte Geschäftsführer. „Es gibt aussichtsreiche Gespräche“, verrät Timo Scholle. Carsten Schittkowskis Kündigung ist jetzt Teil eines arbeitsrechtlichen Verfahrens, formal ist er noch im Amt.

Dünne Liquidität, marode Gebäude

Wer auch immer die Nachfolge antritt, hat viel zu tun. Die vereinseigenen Gebäude wie das Sportland in der Olivastraße oder das Umkleidehaus im Sportpark Henstedt sind mindestens stark sanierungsbedürftig – oder reif für den Abriss. Geld für neue Investitionen hat der SV Henstedt-Ulzburg indes kaum, die Liquidität ist sehr dünn. Das heißt, der Club ist auf öffentliche Zuschüsse angewiesen. Auf der Delegiertenversammlung wurde eine Prognose für 2018/2019 präsentiert, wonach Einnahmen von 1.659.000 Euro und Ausgaben von 1.614.000 Euro erwarten würden. Notwendige Ausgaben für die Instandhaltung kämen wohl hinzu. Eine Beitragserhöhung von 26,50 auf 27 Euro wurde zwar beschlossen, aber 15 von 83 Delegierten stimmen dagegen, weitere 24 enthielten sich.

Eine positive Nachricht gibt es aber: Der Kultur- und Sportausschuss hat den Bau eines Kunstrasens an der Bürgermeister-Steenbock-Straße beschlossen, die Maßnahme wird im nächsten Sommer umgesetzt, kostet die Gemeinde 861.000 Euro – bis zu 250.000 Euro könnten als Förderung vom Land fließen.