Norderstedt
Rasant unterwegs

Stephanie Zorn ist Norddeutschlands schnellste Frau

Foto: Anne Pamperin

Die 39 Jahre alte Rallyefahrerin vom Norderstedter AMC gewinnt zusammen mit ihrem Co-Piloten Thomas Puls den Schleswig-Holstein-Cup.

Kaltenkirchen.  Der „kleine Nils“ hatte es verdammt eilig. Und seine Fahrerin Stephanie Zorn, die ihrem Renault Clio II RS diesen putzigen Namen gegeben hat, ebenfalls. Dabei hätten es die 39-Jährige, die für den Norderstedter Automobil- und Motorsportclub startet, und ihr Beifahrer Thomas Puls bei der 49. Rallye Atlantis des MSC Kaltenkirchen ganz gemütlich angehen lassen können. Denn schon vor dem Start der Saisonabschlussveranstaltung stand das Duo Zorn/Puls als Sieger des ADAC Rallye Cups Schleswig-Holstein sowie als Gewinner des Rallye Cups Nord fest.

2017 hatte das noch ganz anders ausgesehen. „Nils“ schied in Kaltenkirchen nach einem technischen Defekt – die Kupplung machte schon nach wenigen Kilometern schlapp – vorzeitig aus, und der Sieg in der Cup-Gesamtwertung war in weite Ferne gerückt. „In diesem Jahr sind wir dafür ganz entspannt gefahren“, sagte die Versicherungskauffrau, die bei der Sparkasse Südholstein die Firmenkunden in Kaltenkirchen und Bad Segeberg betreut, vor dem Start.

Doch entspannt ist relativ: Stephanie Zorn gab bei der Rallye Atlantis von Beginn an richtig Gas. In der ersten von insgesamt acht Wertungsprüfungen in Schmalfeld hatte sie den eine Minute vor ihr gestarteten Marcus Leibbrandt aus Winnenden (Baden-Württemberg) bereits nach wenigen Metern in Sichtweite. „Wenn die Prüfung noch länger gewesen wäre, hätte ich ihn überholt. Eigentlich soll das ja nicht passieren, aber der Fahrer kam offensichtlich nicht mit den Bedingungen bei uns im Norden zurecht“, sagte Zorn anschließend lachend.

In der Gesamtwertung der Rallye Atlantis, an der 42 Duos teilnahmen, belegte die schnellste Frau Norddeutschlands den sechsten Platz. Sieger wurde – wie schon im Vorjahr – ihr Lebensgefährte Martin Schütte, mit dem sie in Klein Nordende lebt.

Dass sie und ihr Partner nicht gemeinsam auf die Jagd nach Bestzeiten gehen, liegt daran, dass beide gerne das Steuer in der Hand halten. Stephanie Zorn fährt stattdessen seit 2017 zusammen mit dem Stuvenborner Thomas Puls. „Bei einem Gespräch mit Steffi bei der Siegerehrung des Rallye Cups Nord 2016 stellte ich fest, dass sie einen Beifahrer suchte und ich ein Auto. So sind wir dann zusammengekommen“, sagte der Co-Pilot.

Vor 25 Jahren gab Stephanie Zorn noch ihrem Vater Ulf als Beifahrerin Anweisungen, seit 1997 ist sie selbst die Chefin im Auto. Und ihr „kleiner Nils“ sieht zwar harmlos aus, ist aber ziemlich forsch unterwegs. „Er hat so um die 200 PS unter der Motorhaube“, sagt Stephanie Zorn.

Die Rallye Atlantis war das Ende einer langen Saison für die Motorsportler. Nun ist bis März Wettkampfpause. „Ich hoffe, das wir im kommenden Jahr wieder ähnlich erfolgreich sind und vielleicht in der Deutschen Meisterschaft etwas weiter nach vorne kommen. Demnächst werden die Termine veröffentlicht, da muss man dann sehen, wie es passt. In diesem Jahr konnte ich nur an drei von fünf Läufen teilnehmen und bin in der Gesamtwertung deswegen nur auf Rang sieben gelandet“, sagte Stephanie Zorn. Sie nahm 2018 zusammen mit Thomas Puls an 16 Rennen teil und absolvierte bei Wertungsprüfungen mehr als 1000 Kilometer.

Jetzt aber ist die Zeit gekommen, das Auto wieder auf Vordermann zu bringen. In den Wintermonaten hat Zorn zudem endlich einmal Gelegenheit, auch anderen Hobbys nachzugehen – zum Beispiel dem Reiten. „Mein Pferd ist im Sommer eigentlich nur ein teuer bezahlter Rasenmäher. In der kalten Jahreszeit sitze ich dafür regelmäßig im Sattel“, sagt die Motorsportlerin, die auch noch zwei Katzen hat.

Dass Stephanie Zorn als Frau eine Exotin in der Rallye-Szene ist, stört sie nicht. Im Gegenteil: „Ich freue mich schon jetzt auf die kommende Saison. Unser Sport ist zwar laut und intensiv, manchmal auch schmutzig. Das muss man mögen und man darf auch nicht so empfindlich sein. Aber mir macht das alles sehr viel Spaß.“

Alle Ergebnisse der Rallye Atlantis sind im Internet zu finden.

www.rallyeatlantis.de