Norderstedt
Leichtathletik

Isabell Teegen beendet mit 25 Jahren ihre Laufkarriere

Isabell Teegen (r.) startete 2016 bei der Europameisterschaft in Amsterdam im Halbmarathon für Deutschland

Isabell Teegen (r.) startete 2016 bei der Europameisterschaft in Amsterdam im Halbmarathon für Deutschland

Foto: Iris Hensel

Die Mözener will sich aufs Studium der Zahnmedizin konzentrieren – und zudem vieles tun, was sie als Leistungssportlerin nicht durfte.

Norderstedt.  Ihre Karriere als Leichtathletin begann mit 14 Jahren. Vorher war Isabell Teegen (Mözen) als Handballerin beim SV Todesfelde aktiv. 2007, beim Fest der 1000 Zwerge in Hamburg, ging ihr Stern als Läuferin auf; sie gewann auf Anhieb den 300-Meter-Wettbewerb der Schülerinnen. Zwei Jahre später qualifizierte sich zierliche Sportlerin für die Deutschen Hallenmeisterschaften der A-Jugendlichen und wurde auf Anhieb Fünfte über 800 Meter.

Später wechselte Teegen, die für den SC Rönnau 74 startete, auf längere Distanzen und schaffte unter der Regie von Trainer Sören Kuhn den Sprung in den Bundeskader. Ihr größter Erfolg war die Teilnahme an den Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam 2016, wo sie im Halbmarathon antrat.

Nach fast zehn Jahren Leistungssport hat die 25-Jährige, die heute in Eppendorf wohnt und im fünften Semester Zahnmedizin am UK Eppendorf studiert, die Sportschuhe an den Nagel gehängt. Das Abendblatt fragte die angehende Zahnärztin nach den Gründen und ihren Zukunftsplänen.

Isabell, in Deinem Alter legen viele Langstreckenläufer eigentlich erst so richtig los. Warum beendest Du deine Karriere jetzt schon?

Isabell Teegen: Vor einem Jahr hätte ich wohl auch nicht gedacht, dass ich nun aufhöre. Es war ein langer Prozess. Das Laufen hat mir sehr viel bedeutet, da fällt man so eine Entscheidung nicht von heute auf morgen. Ein Grund war, dass ich meine Waden- und Achillessehnenprobleme in den vergangenen Jahren nie losgeworden bin. Hinzu kam, dass der Umfang meines Zahnmedizin-Studiums mit jedem Jahr zugenommen hat und ich deshalb meinen Ansprüchen im Training nicht mehr gerecht werden konnte. Der Tag hat schließlich nur
24 Stunden, da muss man dann irgendwann Prioritäten setzen. Und für halbe Sachen war ich noch nie zu haben. Also habe ich einen Schlussstrich gezogen.

Warum bist Du als Jugendliche vom Handball zur Leichtathletik gewechselt? Wie lief das ab? Hat Dich jemand entdeckt?

Das Handballspielen hat mir zwar auch gefallen, aber zum Laufen hatte ich schon immer eine ganz besondere Verbindung. Beim Schulsport habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir bringt, schnell zu rennen. Dort habe ich dann auch meine ersten Crossläufe gewonnen. So ist Ralph Meyer, der Schülertrainer beim SC Rönnau 74, auf mich aufmerksam geworden. Es hat mich schon immer begeistert, die eigenen Grenzen zu verschieben.

Was waren Deine schönsten sportlichen Erlebnisse in den vergangenen zehn Jahren?

Oh, da gibt es einige. Aber persönlich am meisten bedeutet hat mir mein Halbmarathon-Debüt in Berlin 2016, wo ich die schnellste Deutsche war und mich für die EM in Amsterdam qualifiziert habe. Im Winter davor konnte ich kaum trainieren und habe es dann innerhalb von acht Wochen mit meinem Team geschafft, in Form zu kommen. Das war das härteste Rennen meines Lebens, aber an diesem Tag standen so viele Menschen hinter mir, die extra nach Berlin gereist sind. Sie haben mich unterstützt, das hat mich getragen.

Und welches Ereignis würdest Du am liebsten aus Deinem Gedächtnis streichen?

Von Oktober 2016 bis Mai 2017 habe ich sehr gut trainiert, mir eine gute Grundlage hart erarbeitet. Im letzten Trainingslager vor Saisonbeginn habe ich dann Wadenprobleme bekommen und konnte am Ende zehn Wochen nicht laufen. Neun Monate Training, um dann keinen einzigen Wettkampf zu bestreiten – das war extrem bitter!

Gibt es Dinge, die Du die heute vielleicht anders als damals machen würdest?

Ich habe mit der Zeit gelernt, auf meinen Körper zu hören und nicht über den Schmerz hinweg zu trainieren. Hätte ich das schon früher getan, wäre mir wohl so manche Verletzung erspart geblieben.

Bleibst Du der Leichtathletik oder dem Laufsport weiterhin treu? Planst Du vielleicht sogar eine Laufbahn als Trainerin, um Deine Erfahrungen an den Nachwuchs weiterzugeben?

Momentan tut mir eine Laufpause nach all den Jahren einfach mal ganz gut. Aber ich kann mir vorstellen, dass das Laufen weiterhin eine Rolle in meinem Leben spielen wird – in welcher Form auch immer.

Was hast Du als Leistungssportlerin am meisten vermisst? Worauf musstest Du verzichten?

Da gibt es viele Dinge. Partys waren für mich tabu. Man verpasst Geburtstage von Freunden, muss ausreichend schlafen, sich entsprechend ernähren, vom Training erholen. Aber all das habe ich gern gemacht, es ist mir auch nie schwergefallen.

Wie geht es jetzt sportlich und beruflich für Dich weiter? Kann man überhaupt einfach von heute auf morgen aufhören? Was sind die Gefahren? Und wirst du noch Wettkämpfe bestreiten?

Ich werde mich in den kommenden Jahren vollkommen auf mein Studium konzentrieren und das Studentenleben genießen, dass habe ich bisher ja etwas verpasst. Ein Leistungssportler sollte aber auch abtrainieren – ich bin in den vergangenen Wochen viel Rad gefahren und habe den Mözener See zum Aquajoggen genutzt. Das Laufen wird immer meine Leidenschaft bleiben – aber jetzt muss sich mein Körper erst einmal so richtig erholen. Ich freue mich schon darauf, später nach Lust und Laune zu laufen. Und vielleicht werde ich in einigen Jahren ja auch mal wieder bei dem einen oder anderen Volkslauf an der Startlinie stehen.

Was würdest Du jungen Laufsportlern für Tipps geben, damit sie so erfolgreich werden wie Du?

Das Wichtigste ist, auch nach Rückschlägen immer an sich zu glauben, für seine Ziele zu kämpfen und niemals aufzugeben. Ich hatte Phasen, da habe ich weinend die Tartanbahn verlassen. Nach der für mich sehr enttäuschenden U-23-Europameisterschaft im Jahr 2015 hätte ich am liebsten sofort alles hingeschmissen. Aber am Ende bin ich immer wieder aufgestanden und habe hart gearbeitet.

Worauf freust Du Dich jetzt am meisten? Und was hast Du in den vergangenen Wochen gemacht?

Ich konnte ausgelassen feiern und bis zum Morgen tanzen, ohne dabei auf die Uhr schauen zu müssen oder an die nächste Trainingseinheit zu denken. Nach dem Semesterende habe ich ein paar ruhige Wochen bei meiner Familie in Mözen genossen, viel Zeit mit Freunden verbracht und bin mit meiner Schwester Teresa durch Thailand gereist. Es war am Anfang ein komisches Gefühl dass der Alltag nicht mehr vom Trainingsplan bestimmt wird. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen...