Norderstedt
Schwache Leistung

Mit Rumpelfußball in die dritte Runde eingezogen

Der von Drittligist Sportfreunde Lotte geholte Neuzugang Mats Facklam nutzte in der 88. Minute eine seiner wenigen Chancen zum 3:1 für Eintracht Norderstedt

Der von Drittligist Sportfreunde Lotte geholte Neuzugang Mats Facklam nutzte in der 88. Minute eine seiner wenigen Chancen zum 3:1 für Eintracht Norderstedt

Foto: Anne Pamperin

Eintracht Norderstedt siegt im Oddset-Pokal 4:1 beim SC Poppenbüttel – am Sonntag geht’s gegen Holstein Kiel II um Regionalliga-Punkte.

Norderstedt.  Viele der 400 Zuschauer auf dem Sportplatz an der Bültenkoppel rieben sich verwundert die Augen. Gerade erst hatte Christopher Siegk (TuS Berne), der Schiedsrichter des Oddset-Pokalspiels zwischen Bezirksliga-Aufsteiger SC Poppenbüttel und Regionalliga-Club Eintracht Norderstedt, die beiden Fußballmannschaften zur Pause gebeten – und schon trotteten die Gäste wieder auf den Platz. Fröhlich sahen sie dabei allerdings nicht aus; Trainer Dirk Heyne wollte dem Team nach miserablen 45 Minuten und der vermutlich kürzesten Halbzeitansprache seit seiner Amtsübernahme im Oktober 2016 offenbar Gelegenheit zum Nachdenken geben.

„Die waren gerade mal 30 Sekunden drin, da ist die Tür auch schon wieder aufgegangen“, sagte ein SCP-Betreuer, der sich vor dem Kabinentrakt postiert hatte, „da muss es richtig geknallt haben.“ Heyne wollte dies so nicht bestätigen. „Nein, ich bin nicht laut geworden. Wir haben alles ganz in Ruhe besprochen“, sagte er nach dem Match.

Hannes Steckel bringt Außenseiter SCP in Führung

Ungeachtet der Lautstärke dürften deutliche Worte gefallen sein. Denn das, was der Favorit bis zu diesem Zeitpunkt gezeigt hatte, war eines Regionalligisten unwürdig. Die Norderstedter präsentierten gegen den drei Klassen tiefer kickenden Gegner Rumpelfußball, sie veranstalteten ein Quer-, Rück- und Fehlpassfestival – und gerieten in der
17. Minute durch Hannes Steckel zu allem Überfluss auch noch in Rückstand.

„Wir haben ohne Tempo nach vorn, ohne Bewegung im Zentrum, ohne Temperament gespielt und den Zug zum Tor verweigert“, sagte der Eintracht-Coach, der nach dem Seitenwechsel Nick Brisevac und Felix Drinkuth für Cornel Schiopu und Tayfun Can einwechselte.

Die beiden Neuen sorgten prompt für Schwung und hatten maßgeblichen Anteil daran, dass sich die Eintracht nicht bis auf die Knochen blamierte. Jan Lüneburg (47.), Marlon Stannis (78.), Mats Facklam (88.) und Felix Drinkuth (90.+4.) sorgten für einen 4:1-Erfolg, der einige offene Fragen beantwortete.

Beispielsweise dürften Schiopu und Can in absehbarer Zeit keine Aussicht auf einen Platz in der Startformation haben. Gleiches gilt für Schlussmann Nick Nürnberger, der Johannes Höcker mehr schlecht als recht vertrat; er sorgte mit seinen Ausflügen in Richtung Mittellinie sowie überflüssigen Zweikämpfen mit Poppenbütteler Spielern immer wieder für Aufregung in den eigenen Reihen. Der frühere DDR-Nationaltorhüter Dirk Heyne war fassungslos: „Das war überheblich, das kann ich nicht gebrauchen.“

Wesentlich souveräner agierte da SCP-Keeper Jan Haerting, der mit einem angerissenen Außenband im rechten Knie aufgelaufen war. Haerting, der in den vergangenen Jahren unter anderem auch bei TuRa Harksheide und dem Hamburger SV III zwischen den Pfosten stand, schluckte während der Partie mehrere Ibuprofen-Tabletten, um die Schmerzen zu bändigen – und zeigte trotz seines Handicaps mehrere gute Paraden.

Mats Facklam erzielt sein erstes Pflichtspieltor

Aus Norderstedter Sicht ebenfalls enttäuschend: Der Auftritt von Juri Marxen, der auf der rechten Seite für den am Sprunggelenk verletzten Mannschaftskapitän Jordan Brown verteidigte. Von seinen vielen Flanken kam nur eine an – die allerdings führte prompt zum 3:1. Der in der vergangenen Woche von den Sportfreunden Lotte verpflichtete Mats Facklam agierte unauffällig, erzielte aber immerhin den ersten Pflichtspieltreffer für seinen neuen Club, der in der dritten Pokalrunde auf Bezirksligist FC Alsterbrüder trifft.

Am Sonntag hat die Eintracht aber zunächst einmal in der Regionalliga Nord das zuletzt mit 4:1 gegen den VfL Wolfsburg II erfolgreiche U-23-Team von Holstein Kiel (14 Uhr, Edmund-Plambeck-Stadion) zu Gast. Johannes Höcker, Nick Brisevac und Felix Drinkuth werden dann mit Sicherheit von Beginn an auf dem Platz stehen...