Norderstedt
Jugendfussball

Jens Martens sucht seine neue U-19-Mannschaft

Jens Martens hat die Nachwuchstruppe im Winter übernommen und mit ihr den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord geschafft

Jens Martens hat die Nachwuchstruppe im Winter übernommen und mit ihr den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord geschafft

Foto: Anne Pamperin

Das Casting für das Regionalliga-Teamvon Eintracht Norderstedt hat begonnen – und gestaltet sich in dieser Saison besonders schwierig

Norderstedt.  Fußballvereine lieben und fürchten ihn: den Umbruch. Der Austausch vieler Spieler vor einer neuen Saison birgt Chancen und Risiko zugleich. Doch im Jugendfußball ist der ständige Wechsel Gesetz.

„Johan Feilscher, Maximilian Mus­ci, Karim Ay, Alfa Saibou und Emanuel Gstettner konnten wir halten, Alexandros Tourgaidis ist zum Niendorfer TSV gewechselt“, beschreibt Eintracht Norderstedts U-19-Trainer Jens Martens den Verhandlungsstand mit seinen Spielern aus dem Kader der Serie 2017/2018. Fünf blieben, Tourgaidis wollte gehen, 18 Akteure mussten es tun, weil sie in den Herrenbereich kommen.

Ein Jugendteam spielt nur maximal zwei Jahre in einer Altersklasse zusammen, das bedeutet: Mindestens jede zweite Saison wird personell kräftig rotiert. Doch wie läuft die Suche nach einem fast komplett neuen Aufgebot ab, zum Beispiel bei der U 19 von Eintracht Norderstedt?

„Wir setzen auf Sichtungstrainings“, sagt Martens. Zum ersten von fünf Terminen im Mai kamen 30 Spieler. Zwölf wurden erneut für den 8. Mai eingeladen, wesentlich mehr kamen in den folgenden Wochen. Doch wer nun glaubt, Eintracht Norderstedt könnte sich einfach nur die talentiertesten Kicker herauspicken, ist schief gewickelt.

„Der HSV, der FC St. Pauli und der Niendorfer TSV spielen in der Bundesliga, der SC Victoria und der Eimsbütteler TV haben im Gegensatz zu uns in der Regionalliga Nord frühzeitig die Klasse gehalten. Wir schafften das erst mit dem 4:3 in Calenberg am 3. Juni. Daher gingen Spieler woanders hin, weil sie entweder in die Bundesliga wollten oder aber Victoria und der ETV ihnen frühzeitig die Perspektive Regionalliga bieten konnten“, sagt Jens Martens, der resümiert: „Momentan haben wir in Hamburg nicht das Drittzugriffsrecht im Jugendfußball, sondern das Sechstzugriffsrecht.“

In der Saison 2019/2020 soll das anders werden. „Fünf verbliebene plus fünf aus der U 17 in die U 19 hochgezogene Spieler plus 14 Neue gleich frühzeitiger Klassenerhalt in der Regionalliga Nord“ – so lautet die Wunschformel für die neue Serie. Dafür haben Martens, sein Assistent Gökhan Yüksel, der neue U-18-Trainer Tobias Homp und der neue U-15-Coach Ricardo Leu bei den Probetrainings gesichtet.

Allerdings liegt die Wahrheit nicht nur auf dem Platz. Das Auftreten, die Sprachkenntnisse und die Vorgeschichte des Fußballers – zum Beispiel disziplinarische Verfehlungen – und dessen Aussagen dazu spielen für Jens Martens eine wichtige Rolle. Seine Argumente für den Verein von der Ochsenzoller Straße sind die hervorragenden Trainingsbedingungen, die Sozial- und Fachkompetenz der Trainer und die sehr gute medizinische Betreuung.

Geld zahlt Eintracht Norderstedt nicht. Auch deshalb sind die Berater einiger Spieler ein heikles Thema. „Viele denken zu schnell ans Finanzielle, sehen ihre Jungs zu schnell in der Bundesliga. Von einem guten Berater erwarte ich mehr Realismus und eine vernünftige Zukunftsplanung mit ihrem Schützling.“

Ex-Torjäger Kastriot Alija hat noch keinen neuen Club gefunden

So hat zum Beispiel Kastriot Alija trotz 31 Saisontoren für Eintrachts U 19 in der abgelaufenen Serie bislang noch keinen Verein im Herrenbereich gefunden. Das Vertragsangebot der Norderstedter lehnte der amtierende Torschützenkönig der Regionalliga Nord ab. Nach Abendblatt-Informationen wurde er nicht gut beraten, einige Clubs sollen daraufhin Abstand von einer Verpflichtung genommen haben. Martens will zu dem Thema nur so viel sagen: „Kastriot ist ein hervorragender Spieler. Ich wünsche ihm sehr, dass er noch einen Club findet.“

Andererseits gibt es auch Zufallstreffer. So beobachtete Ex-HSV-Coach Frank Pagelsdorf zufällig in Florida einen jungen US-Amerikaner. Als Pagelsdorf noch Chef im Volkspark war, trainierte Martens die Bundesliga-Frauen des Vereins. „Pagel“ rief Martens an, schickte Videos des Spielers, checkte in einem Vorgespräch die Bodenständigkeit des Jungen.

Konsequenz: Der Kicker wurde für zwei Wochen ins ferne Norderstedt zum Probetraining geschickt. Alle Kosten inklusive Hotel übernahm seine Familie. „Er hat auf jeden Fall Talent“, sagt Martens nach den ersten Eindrücken. Und vielleicht wird der junge Amerikaner ja ein Teil des hoffentlich erfolgreichen Umbruchs der U 19 von Eintracht Norderstedt...