Norderstedt
Kisdorf

Aus nach der Verfassungsprüfung

Vielseitigkeitsreiterin Hanna Knüppel und Carismo müssen bei EM vor dem abschließenden Springen passen

Kisdorf. Irgendwann reißt jede Erfolgsserie – das hat Vielseitigkeitsreiterin Hanna Knüppel (21) nun am eigenen Leib erfahren.

Bisher war es auf der sportlichen Karriereleiter stets bergauf mit ihr gegangenen. Zusammen mit dem 14 Jahre alten Holsteiner Wallach Carismo holte sich die Buschreiterin 2017 bei der Europameisterschaft der Jungen Reiter im irischen Millstreet Gold im Einzelwettbewerb und mit der deutschen Equipe – einige Monate später wurde sie zu Schleswig-Holsteins Sportlerin des Jahres gekürt.

2018 lief zunächst ebenfalls alles nach Plan. Im Juni gewann die angehende Pferdefachwirtin im englischen Houghton zusammen mit den einstigen Mannschafts-Olympiasiegern Peter Thomsen und Dirk Schrade sowie Ben Leuwer den Nationenpreis.

Dann allerdings ging einiges schief. Bei der Deutschen Meisterschaft der Jungen Reiter in Luhmühlen zog sich Hanna Knüppel nach einem Sturz mit Nachwuchspferd Calesco einen Nasenbeinbruch zu. Glück im Unglück: Sie wurde rechtzeitig zur Europameisterschaft in Fontainebleau (Frankreich) wieder fit. „Die Verletzung hat mich überhaupt nicht behindert“, sagte sie.

Die EM begann für die Amazone vom Reitverein Kisdorf, Henstedt-Ulzburg und Umgebung durchaus verheißungsvoll. Nach der Dressur und dem Geländeritt lag Hanna Knüppel als beste deutsche Starterin auf Rang fünf, die Mannschaft hatte auf dem zweiten Platz liegend sogar alle Chancen auf die Goldmedaille. Dann der Schock: Ausgerechnet der ansonsten so zuverlässige Carismo fiel bei der obligatorischen Verfassungsprüfung durch, Knüppel durfte zum abschließenden Springen nicht mehr antreten. Somit verpasste sie ein gutes Einzelergebnis und konnte auch keine weiteren Punkte für die Mannschaft sammeln – Deutschland fiel auf den neunten Platz zurück.

„Abends nach dem Geländeritt und auch morgens beim ersten Traben war nichts zu sehen, was auf eine Verletzung hindeutete. Beim Abreiten ,tickerte‘ Carismo ein wenig, was aber wenige Minuten später nicht mehr zu sehen war. Beim Vortraben in der Verfassungsprüfung lief er dann unrund“, sagte Hanna Knüppel.

Die Richter und der Tierarzt schickten Pferd und Reiterin in die sogenannte Holding-Box und begutachteten den Vierbeiner später noch einmal, doch auch beim zweiten Vortraben war die Bewegung nicht klar. Zur Enttäuschung des langjährigen Landestrainers Detlef Peper, der erstmals als Chef d’Equipe ein deutsches Team betreute, sprachen sie ein bitteres „Not accepted“ aus.

Der Frust bei allen Beteiligten war riesengroß: „Die verlorene Medaille für die Mannschaft tut mir am meisten leid, da alle im Team die ganze Saison hart gearbeitet haben“, sagte Hanna Knüppel. Der einzige, wenn auch nur schwache Trost: Ihre Teamkameradin Emma Brüssau (Schriesheim) gewann nach einer fehlerfreien Nullrunde im Springen immerhin Silber in der Einzelkonkurrenz.