Norderstedt
Fussball-WM

In diesem Spiel ist Göran Helgesson Schweden-Fan

Göran Helgesson tippt auf ein 1:1 – dieses Resultat dürfte für Titelverteidiger Deutschland das frühe WM-Aus bedeuten

Göran Helgesson tippt auf ein 1:1 – dieses Resultat dürfte für Titelverteidiger Deutschland das frühe WM-Aus bedeuten

Foto: Thomas Maibom

Göran Helgesson, Kapitän des Herren-65-Teams des Golfclub Gut Waldhof, drückt seinem Heimatland im Duell mit Deutschland die Daumen.

Henstedt-Ulzburg.  Zum Entspannen gibt es für Göran Helgesson nichts Schöneres als Golf. Bei seinem Hobby entwickelt der Schwede auch schon mal originelle Ideen. Bevor er sich auf der 18-Loch-Anlage des Golf-Clubs Gut Waldhof in Kisdorferwohld zum Abschlag bereit macht, breitet der 65-Jährige eine blau-gelbe Nationalflagge auf dem Rasen aus, auf der Golfbälle zusammengelegt sind. Sie verrät den Tipp Helgessons für das WM-Spiel Schweden gegen Deutschland – 1:1.

Dem Mann aus Göteborg, der 1990 aus beruflichen Gründen nach Düsseldorf gezogen war, fünf Jahre später dann in den Norden kam, 2010 mit dem Golfspielen begann und heute mit seiner Ehefrau Sabine in Henstedt-Ulzburg wohnt (Sohn Jonas, 23, lebt in Hamburg), ist sich bewusst, dass dieses Ergebnis vermutlich das Ende aller Titelträume für die Truppe von Jogi Löw bedeuten würde.

Doch welcher Mannschaft drückt Göran Helgesson in Sotschi die Daumen, wem gelten seine Sympathien? „Eigentlich bin ich auch als Schwede ein glühender Fan des deutschen Fußballs“, sagt der einzige Skandinavier im GC Gut Waldhof. Seine Gefühle schwanken, die Fahne schwenken würde er allerdings eher für sein Heimatland. „Bei einer WM kann sich das ändern. Vielleicht kann man es auch so verstehen, dass ein 1:1 zwei Sieger beinhaltet.“

Ein Remis nutzt indes nur Schweden, das ist Fakt. Die Tatsache, dass die Skandinavier erstmals seit 2006 in Deutschland (0:2 gegen den Gastgeber im Achtelfinale) wieder bei einer WM dabei sind, sieht der Golf-Senior mit dem Handicap 10 als Indiz dafür, dass es mit dem Fußball in seinem Heimatland steil bergauf geht. „Wir haben Italien in der Qualifikation ausgebootet, das ist doch einfach sensationell gewesen.“

Erinnerungen beim Doktor der Chemie – seine Firma in Norderstedt stellt Geräte für die biologische und chemische Grundforschung her – werden auch wach an das Jahr 1982, als der IFK Göteborg im heimischen Ullevi-Stadion den Hamburger SV im Uefa-Cup-Finale mit 1:0 bezwang und im Rückspiel in Hamburg (3:0) den Pokaltriumph endgültig perfekt machte.

Dass Göran Helgesson eines Tages ein großer Fan des HSV werden würde, ahnte er damals wohl noch nicht. Aber auch das ist mittlerweile Vergangenheit. Über Jahre hinweg besorgte er seiner Familie jeweils drei Dauerkarten pro Saison. Dann begann 2013 die lange Leidenszeit des Bundesliga-Dinos, und es war Schluss mit der langen Liebe.

Helgesson befasst sich stattdessen mit der Entwicklung des schwedischen Fußballs. Ihm gefällt vor allem die Kompaktheit und Geschlossenheit der Mannschaft von Coach Janne Andersson, die zwar nicht zu den jüngsten Teams bei der Weltmeisterschaft in Russland gehört, an guten Tagen aber ein sehr unbequemer Gegner ist.

Die Skandinavier wollen zum großen Wurf ausholen

Göran Helgesson, der Kapitän der Waldhofer Herren-65-Crew ist, die in der schleswig-holsteinischen B-Pokalrunde derzeit auf Platz vier liegt, hebt die Erfolge der Nationalelf ausdrücklich hervor. „In Schweden kann man mit Fußball nicht annähernd so viel Geld verdienen wie in anderen Ländern. Die Motivation ist also, im Ausland zu kicken“, sagt er. Demzufolge prägen international bewährte Spieler wie Albin Ekdal, Marcus Berg, Emil Forsberg, Andreas Granqvist und Henrik Larsson das Gesicht einer Mannschaft, die am Sonnabend zum großen Wurf ausholen will.

Hat er bei der Pleite gegen Mexiko spezielle Defizite in der deutschen Mannschaft entdeckt? „Wenn ich Trainer wäre, müsste Marco Reus von Beginn an ran“, so seine Meinung. „Was ich nicht verstehe, ist, dass Timo Werner allein im Angriffszentrum agiert hat. Das ist doch ein Konterstürmer.“

Helgesson fiebert dem Sonnabendabend entgegen. Er verbringt ihn bei Freunden. Auch dort gibt’s deutsch-schwedische Begegnungen. Und im Golfclub frotzeln sie schon: „Wenn Deutschland verliert, brauchst du dich hier nicht mehr sehen zu lassen“.