Norderstedt
Absagen ohne Ende

Das Winterwetter nervt Fußballer und Funktionäre

Ein idyllisches Bild: Der Fußball ruht im Schnee. Die Aktiven sehen es mittlerweile anders, sie wollen endlich wieder auf Torejagd gehen

Ein idyllisches Bild: Der Fußball ruht im Schnee. Die Aktiven sehen es mittlerweile anders, sie wollen endlich wieder auf Torejagd gehen

Foto: Thomas Maibom

Klirrender Frost und Schnee machen die Sportplätze gegenwärtig unbespielbar – so reagieren die Betroffenen auf die vielen Ausfälle.

Norderstedt.  Schnee und Kälte haben den Norden voll im Griff. Zur Freude von Skisportlern und sonstigen Anhängern der weißen Pracht – und zum Leidwesen der Amateurfußballer. Die fragen sich, wann sie ihren Sport endlich mal wieder unter normalen Bedingungen ausüben können. Pessimisten rechnen sogar damit, dass sich die Zwangspause im Wettkampfbetrieb bis Mitte März oder sogar noch länger hinziehen könnte.

Jürgen Stebani, Spielausschussvorsitzender des Norddeutschen Fußball-Verbandes, ist ebenfalls ein Leidtragender des Winterwetters. Der Sportfunktionär aus Melbeck bei Lüneburg muss Woche für Woche den Spielplan der Regionalliga Nord, in der neben anderen auch Eintracht Norderstedt kickt, aktualisieren. „Bislang sind schon mehr als 60 Partien abgesagt worden“, sagt Stebani, der im Dialog mit den betroffenen Vereinen Ausweichtermine finden muss. Deadline ist der 34. Spieltag am 13. Mai.

„Angstschweiß habe ich noch nicht auf der Stirn“, sagt der 67-Jährige. Wohl aber einige Sorgenfalten. Denn er muss nicht nur die meteorologischen, sondern auch die technischen Rahmenbedingungen berücksichtigen – und die sind nicht überall so gut wie beispielsweise in Norderstedt.

Jürgen Stebani: „Der VfB Oldenburg, der SC Weiche Flensburg 08, der VfV Borussia 06 Hildesheim und der Lüneburger SK haben auf ihren Plätzen kein regionalligataugliches Flutlicht.“ Das hat zwangsläufig Auswirkungen auf die Anstoßzeiten bei Nachholspielen in der Wochenmitte.

Plan B für die Regionalliga liegt in der Schublade

Was aber passiert, wenn die Lage eskaliert und die Zahl der Nachholpartien in den dreistelligen Bereich klettert? „Dann habe ich einen Plan B in der Schublade“, sagt Stebani, „den lege ich aber erst offen, wenn der Notfall eintritt.“

Beim Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verband reagiert man ebenfalls noch gelassen auf die missliche Lage, auch wenn am vergangenen Wochenende mehr als 90 Prozent aller Begegnungen im SHFV ausgefallen sind. Pressesprecher Karsten Tolle: „Wenn alle Stricke reißen, gibt es eben Englische Wochen. Ostern und Pfingsten wird ohnehin gekickt, und generelle Absagen von Spieltagen gibt es sowieso nicht mehr.“ Eine Neustrukturierung in den höheren Klassen (Oberliga, Landesliga, Verbandsliga mit etwa 1000 Teams) vor Saisonbeginn habe den Spielbetrieb entzerrt. So gibt es pro Staffel nur noch
16 Vereine und damit auch weniger anzusetzende Partien für den Spielausschuss. Tolle: „Eine Verlängerung der Saison sollte vermieden werden, das bringt neue Probleme.“

Sven Tramm, Coach des Oberligisten SV Todesfelde, wohnt seit zehn Jahren in Neversdorf bei Leezen. In dieser Zeit hat der 39-Jährige in der kleinen Gemeinde noch nie solche Schneemengen gesehen wie in den vergangenen Tagen, als in seiner direkten Umgebung
25 bis 30 Zentimeter Neuschnee fielen.

„An Fußball denkt man mittlerweile kaum noch“, sagt Tramm. „Seit mehr als vier Wochen haben wir jetzt schon nicht mehr trainiert.“ Der Coach, dessen Mannschaft erst 14 Saisonspiele bestritten hat und zuletzt beim Hallenmasters in Kiel am 6. Januar wettkampfmäßig aktiv war, kann seine Schützlinge folglich nur zu Tempoläufen im Freien auffordern.

Die Spieler selbst treffen einander beim Thaiboxen oder zum Waterspinning. Und wie beschäftigt sich der Übungsleiter? Er schippt fleißig Schnee und baut mit Sohn Moritz (12) daraus eine Ritterburg.

Die Landesliga-Fußballer des TuS Hartenholm kontaktierten vor Kurzem die A-Jugend-Handballer des SV Hen­stedt-Ulzburg und bestritten mit ihnen zwei Fußball- und Handballpartien über jeweils 30 Minuten – unter dem Hallendach, versteht sich. Darüber hinaus halten sich die Hartenholmer in der Kampfsportschule von Florian Dau in Kaltenkirchen durch Kraft- und Ausdauereinheiten mit Elementen aus dem Boxen und Karate in Form.

Im Kaltenkirchener Fitnessstudio CleverFit wird zusätzlich geschwitzt. Man trifft sich außerdem beim Volleyball. Fußball wird gelegentlich auf dem Kunstrasen in Bad Bramstedt gespielt.

Der Hartenholmer Staffelgefährte SSC Phoenix Kisdorf organisiert Kraft- und Ausdauereinheiten, draußen betreiben die Spieler Biathlon mit Fußbällen und haben Spaß beim Schneeballwerfen. Fußballeinheiten finden in der Halle in Kisdorf statt.

Auch beim Verbandsliga-Club FFC Nordlichter Norderstedt liegt Fußball-Biathlon im Trend – Olympia lässt grüßen. Die Kicker des SV Henstedt-Ulzburg gehen in die Sauna und spielen in der Halle Fußballtennis. Gelegentlich wird auf Kunstrasen trainiert.