Norderstedt
Schach

SK Norderstedt verpasst das erhoffte Erfolgserlebnis

Handschlag vor dem Duell am Schachbrett: Michal Olszewski (SK Norderstedt, l.) und die Nummer sechs der Weltrangliste, Maxime Vachier-Lagrave von der OSG Baden-Baden

Handschlag vor dem Duell am Schachbrett: Michal Olszewski (SK Norderstedt, l.) und die Nummer sechs der Weltrangliste, Maxime Vachier-Lagrave von der OSG Baden-Baden

Foto: Thomas Maibom

Das Bundesliga-Schlusslicht kassiert Heimniederlagen gegen den Deutschen Meister OSG Baden-Baden und die SG Speyer-Schwegenheim.

Norderstedt.  Benedict Krause vom Schachklub Norderstedt reizte den Bundesliga-Doppelspieltag seiner Mannschaft im Seminarhaus an der Ulzburger Straße voll aus. Einen Tag, nachdem er der früheren deutschen Nummer eins, Arkadij Naiditsch (OSG Baden-Baden), in einem Marathon-Match ein Remis abgerungen hatte, saß der 21 Jahre alte Fide-Meister gegen den Italiener Luca Shytaj (SG Speyer-Schwegenheim) 5:50 Stunden am Brett – diesmal allerdings musste Krause seinem Kontrahenten nach dem letzten Zug zum Sieg gratulieren, das 3:5 gegen die Crew aus Rheinland-Pfalz war perfekt.

„Jetzt haben wir kaum noch eine Chance auf den Klassenerhalt“, sagte SKN-Kapitän Viktor Polischuk. Die Gastgeber hatten ihre nominell stärkste Formation zusammengetrommelt, um endlich die ersten Mannschaftspunkte in der Serie 2017/2018 einfahren zu können. „Wir sind über das Resultat gegen Speyer enttäuscht, es war mehr für uns drin“, so Polischuk.

Dass es letztlich nicht zum erhofften Erfolgserlebnis reichte, lag vor allem daran, dass Michael Kopylov,
Ashot Parvanyan und auch Krause ihre zwischenzeitlich aussichtsreichen Stellungen nicht behaupten konnten. Den einzigen Sieg für den SKN holte Emil Powierski gegen Sarah Hoolt; Michal Olszweski, Lawrence Trent und Andrey Ostrovskiy spielten an den Positionen eins bis drei jeweils remis.

Gegen den elfmaligen Deutschen Meister OSG Baden-Baden, der mit dem Franzosen Maxime Vachier-La­grave unter anderem die Nummer sechs der Weltrangliste aufbot, hatten die Norderstedter nicht viel zu melden.

Ihre 1:7 -Schlappe war aber nicht viel mehr als eine Randnotiz. „Das ist doch kein Wunder. Unser Etat liegt bei etwa 15.000 Euro, der von Baden-Baden im sechsstelligen Bereich“, sagte Vereinschef Rüdiger Schäfer. Er freute sich sehr darüber, dass sein SKN dem Spitzenreiter, der von der Grenkeleasing AG gesponsert wird und in der Schach-Bundesliga eine ähnlich dominante Rolle wie der FC Bayern München im nationalen Fußball-Oberhaus spielt, einen Brettpunkt abluchste.

Wie ungleich das Duell von vornherein war, verdeutlich ein Blick auf die Elo-Zahl, die Auskunft über die Leistungsstärke der Akteure gibt: Die Nummer acht der Gäste, der Däne Peter Heine Nielsen (2637), ist mit einem weitaus besseren Wert gelistet als der Norderstedter Spitzenmann Michal Olszewski (2540).

Und wie fühlt es sich an, wenn man als krasser Außenseiter einem Denksportler der Extraklasse gegenübersitzt? „Schach ist ein bisschen wie ein Quiz“, sagte Thomas Kahlert, der sich Baden-Badens Jan Gustafsson geschlagen geben musste, „je stärker dein Gegenüber ist, desto schwieriger werden die Fragen, die er dir stellt. Du benötigst mit zunehmender Spieldauer immer mehr Zeit für die Antworten, gerätst letztendlich unter Druck – und machst Fehler.“

Druck für den weiteren Saisonverlauf verspürt der SK Norderstedt nicht. „Uns war immer bewusst, dass es angesichts unseren finanziellen Rahmenbedingungen eine ganz harte Punktrunde wird“, so Rüdiger Schäfer, „deshalb können wir gut damit umgehen, dass wir auch nach dem achten Spieltag Tabellenletzter sind.“

Dass der SKN, dem zum dritten Mal der Abstieg aus der Eliteklasse droht, in absehbarer Zukunft sein Image als Fahrstuhlmannschaft abstreifen kann, ist unwahrscheinlich. „Irgendjemand hat mal gesagt, dass Schach kein Sponsorensport, sondern Mäzenatentum ist“, sagte Thomas Kahlert. Ein Mäzen mit einer Vorliebe für das königliche Spiel ist in der fünftgrößten Stadt Schleswig-Holsteins jedoch weit und breit nicht in Sicht.

Aber: Geld ist nicht immer der Garant für sportlichen Erfolg. So sorgte der Hamburger SK, der der SG Speyer-Schwegenheim mit 3,5:4,5 unterlegen war und bei seiner Kaderzusammenstellung auf Lokalkolorit und Nachwuchstalente setzt, mit dem 4:4 gegen die übermächtige OSG Baden-Baden für eine dicke Überraschung.

SK Norderstedt – OSG Baden-Baden 1:7. Michal Olszewski – Maxime Vachier-Lagrave 0:1; Lawrence Trent – Michael Adams 0,5:0,5; Andrey Ostrovskiy – Etienne Barcrot 0:1; Benedict Krause – Arkadij Naiditsch 0,5:0,5; Ashot Parvanyan – Sergej Movesian 0:1; Falko Meyer – Rustam Kasimdzhanov 0:1; Thomas Kahlert – Jan Gustafsson 0:1; Christian Michna – Peter Heine Nielsen 0:1.


SK Norderstedt – SG Speyer-Schwegenheim 3:5. Michal Olszewski – Mykhaylo Oleksiyenko 0,5:0,5; Lawrence Trent – Arturs Neiksans 0,5:0,5; Andrey Ostrovskiy – Toms Kantans 0,5:0,5; Michael Kopylov – Nikita Meskovs 0:1; Benedict Krause – Luca Shytaj 0:1; Ashot Parvanyan – Lev Yankelevich 0:1; Emil Powierski – Sarah Hoolt 1:0; Viktor Polischuk – Simon Commercon 0,5:0,5.