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TuRa Harksheide verpflichtet Trainer Jörg Schwarzer

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Mirko Schneider
Fußballtrainer Jörg Schwarzer kehrt an seine frühere Wirkungsstätte zurück

Fußballtrainer Jörg Schwarzer kehrt an seine frühere Wirkungsstätte zurück

Foto: Anne Pamperin

Der 52-Jährige war schon von 2005 bis 2012 Coach am Exerzierplatz. Vorgänger Sidnei Marschall übt Kritik an den Clubverantwortlichen.

Norderstedt.  Die fast zweiwöchige Hängepartie um Sidnei Marschall hat ein Ende. Der 37 Jahre alte Brasilianer bekräftigte nach einem Gespräch mit dem Vorstand seinen am 27. November ausgesprochenen Rücktritt als Trainer von Fußball-Landesligist TuRa Harksheide. Neuer Coach bei TuRa ist Jörg Schwarzer (52). Er saß schon von Oktober 2005 bis Saisonende 2011/2012 auf der Bank am Exerzierplatz. Schwarzer solle „mit neuen Impulsen und seiner langen Trainererfahrung das in unserer Mannschaft schlummernde Potenzial voll abrufen“, vermeldete der Verein in einer Presseerklärung.

Mit Marschall, der das Amt am 1. September vom zurückgetretenen Marcus Fürstenberg übernommen hatte, habe man sich leider nicht einigen können. „Wir bedauern es sehr, dass wir keinen Weg für eine gemeinsame Zukunft finden konnten. TuRa hätte es gerne gesehen, wenn Sidnei Marschall zusammen mit Jörg Schwarzer das Trainerteam gebildet hätte. Wir wünschen Sidnei Marschall für seine weitere Trainerkarriere viel Erfolg und bedanken uns für die äußerst gute und lange Zusammenarbeit, sowohl als Spieler als auch als Trainer. Zu allen internen Dingen im Zusammenhang mit der Trainerfrage, die in den letzten Tagen nicht nur uns beschäftigt hat, werden wir öffentlich keinerlei weitere Stellung beziehen“, heißt es in dem Schreiben.

Doch die erhoffte Ruhe werden die wohlklingenden Formulierungen wohl nicht bringen. TuRa Harksheide dürfte stattdessen ein Gesprächsthema bleiben. Denn Marschall, ein Freund klarer Worte, lässt die Darstellung des Clubs so nicht stehen. „Ich bin sehr traurig und sehr enttäuscht vom Verein“, sagte er gegenüber dem Abendblatt. Von einer „guten Zusammenarbeit“ in den letzten Wochen könne keine Rede sein.

„Ich habe kein richtiges Vertrauen in mich als Trainer gespürt. Bereits vor fünf Wochen haben die Vereinsverantwortlichen mit Jörg Schwarzer gesprochen, obwohl sie gleichzeitig betont haben, sich mit mir in der Winterpause über eine Fortsetzung der Trainertätigkeit unterhalten zu wollen.“

Dies habe er als Vertrauensbruch empfunden, was einen wesentlichen Grund für seinen Rücktritt geliefert hätte. Die Aussage Marschalls hatte Fußball-Abteilungsleiter Bernd Meier nach dem Landesliga-Match am vergangenen Sonntag gegen den USC Paloma als „verkehrt“ eingestuft, ohne auf den zu diesem Zeitpunkt öffentlich unbekannten Inhalt einzugehen. Und Meier hatte betont, Marschall halten zu wollen.

Konkret hellhörig, so der Ex-Coach, sei er bereits geworden, als er im Auswärtsspiel beim Harburger TB am 20. Oktober, das TuRa mit 5:2 gewann, wegen seines Urlaubs in Griechenland fehlte. Neben Bernd Meier, der nach Vereinsangaben als Interimstrainer agierte, habe an diesem Tag auch Jörg Schwarzer auf der Bank gesessen. „Ich fand es nicht gut, einen externen Trainerkollegen da hinzusetzen. Es gab vor circa fünf Wochen einen Austausch mit Jörg Schwarzer, der mir versicherte, er wolle meinen Job nicht übernehmen.“

Marschall empfindet Angebot als Zurückstufung

Das Angebot schließlich, das TuRa Marschall am Dienstagabend laut dessen Version unterbreitete, empfand der frühere Freistoß-Spezialist und Mannschaftskapitän als Zurückstufung. „Mir wurde angeboten, als Duo mit Jörg Schwarzer weiterzumachen. Nach Außen sollten wir gleichberechtigt auftreten, intern sollte ich aber nur die Nummer zwei sein. Ich habe absolut nichts gegen ihn, ich kenne ihn nicht. Aber ich wollte Cheftrainer bleiben. Außerdem hatte ich dem Verein ein Team mit Co-, Torwart- und Fitness-Trainer angeboten“, so Marschall.

Die Mannschaft stehe komplett hinter ihm, habe sich für seine Rückkehr ausgesprochen. Marschall: „Ein sehr trauriges Angebot, das mir der Verein da gemacht hat. Als ich 2012 zu TuRa kam, eierte der Club in der Bezirksliga herum. Durch Top-Leistungen haben wir viel erreicht. Es tut mir weh, all das zu verlassen, bei dem auch ich mitgeholfen habe, es aufzubauen. Ich war der Letzte aus der Ära Marcus Fürstenberg, es ist einfach schade.“

Schwarzers letzte Station: der TuS Hartenholm

Nun beginnt also eine neue Ära am Exerzierplatz. Mit Jörg Schwarzer. Dieser war nach seinem Engagement bei TuRa Harksheide vom 8. Oktober 2013 bis zum 30. Juni 2016 beim Schleswig-Holstein-Ligisten TuS Hartenholm tätig. Mehr als ein versöhnlicher Saisonabschluss dürfte angesichts von Platz elf in der Landesliga Hammonia mit schon 14 Punkten Rückstand auf die Aufstiegsplätze kaum noch drin sein.

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