Norderstedt
FUSSBALL

Die Heimserie von Eintracht Norderstedt ist gerissen

Linksaußen Dane Kummerfeld (rechts) konnte nach seiner Einwechslung nur wenige Akzente setzen

Linksaußen Dane Kummerfeld (rechts) konnte nach seiner Einwechslung nur wenige Akzente setzen

Foto: Anne Pamperin

Das 1:3 gegen díe U23-Mannschaft des FC St. Pauli ist die erste Saisonpleite des Regionalligisten im eigenen Stadion.

Norderstedt.  Dirk Heyne wollte es sich in seiner Analyse nicht zu einfach machen. „Wir haben auch mit den Spielern, die auf dem Platz standen, schon viel besser Fußball gespielt“, sagte der Coach von Eintracht Norderstedt, suchte also gar nicht erst nach Ausreden für das 1:3 (1:1) gegen die zweite Mannschaft des FC St. Pauli, der ersten Heimniederlage in dieser Regionalligasaison. „Also stellen sich nach diesem Spiel viele Fragen.“ Auf diese konnte die Antwort weder Philipp Koch noch Marin Mandic, Hamajak Bojadgian, Jordan Brown, Kangmin Choi oder Johannes Höcker lauten. Koch (siehe Kasten) sitzt eine Rotsperre ab, Torwart Höcker erweiterte das Quartett der verletzten Stammspieler zum Quintett. „Ich habe mir im Training eine Kapselverletzung in der rechten Schulter zugezogen. Zwei Wochen lang soll ich jetzt erst einmal Ruhe halten“, so „Höcki“ vor dem Spiel.

Und „Ruhe“ lautete auch eine der Antworten zur Erklärung des schwachen Auftritts. Fand Höckers Vertreter Larx Huxsohl. „Wir waren viel zu ruhig auf dem Platz. Es waren zu wenig Spannung und Körpersprache da.“ Dabei herrschte gerade gegen die flinken St. Paulianer erhöhter Abstimmungsbedarf. Doch viel zu oft unterbanden die Garstedter tiefe Pässe in ihre Gefahrenzone nicht. Mit ihrer dritten Möglichkeit bestraften die Gäste dies. Jan-Philipp Kalla verlängerte einen Diagonalpass von Brian Koglin per Kopf in den Lauf von Kyoung-Rok Choi, der unhaltbar mit links zum 0:1 traf (31.).

Marcus Coffie trifft per Kopf zum 1:1

Sehr überraschend schlug die Eintracht mit ihrer ersten Chance zurück. Linus Meyer zirkelte eine Ecke auf den Kopf von Innenverteidiger Marcus Coffie, der aus fünf Metern im Tiefflug das 1:1 markierte (35.). Die Spielkontrolle blieb trotzdem bei den Braun-Weißen. Choi (36.), Ersin Zehir (40.), Koglin (46.) und Marcel Sobotta (54.) hätten längst ins Tor treffen müssen, als die zweite Antwort auf Heynes „viele Fragen“ anschaulich demonstriert wurde.

„Wir haben heute wirklich dumme Gegentore kassiert“, sagte Deran Toksöz. Das 1:2 war eines davon. Koglin wurde am langen Ecke nach einer Freistoßflanke von Keller nicht gedeckt und köpft auf das Knie von Eintracht-Verteidiger Jan-Philipp Rose. Von dort kullerte der Ball zum 1:2 ins kurze Eck (63.).

Die dritte Antwort lieferte Heyne in seiner Analyse selbst: „Wir hatten heute überhaupt keinen Zug zum Tor. Schon im Aufbauspiel stimmte vieles nicht.“ Das verbesserte sich erst mit der Einwechslung von Stürmer Jan Lüneburg (66.). Er ließ sich öfter hinter den bis dato einzigen Angreifer Sinisa Veselinovic fallen, befeuerte mit schönen Aktionen eine kleine Druckphase der Eintracht. Dane Kummerfeld scheiterte allerdings an Stefan Rakocevic im Tor der St. Paulianer (69.), Veselinovic verpasste knapp (70.), abermals Kummerfeld traf den Ball nicht richtig (75.). Stets hatte „Lüne“ aufgelegt.

Trainer Dirk Heyne übt deutliche Kritik

Viel mehr kam von der Eintracht nicht. Stattdessen nutzte St. Pauli den letzten Konter der Begegnung zur Entscheidung durch Irwin Pfeiffer. Dirk Heyne hatte genug gesehen: „Die Mängelliste ist groß heute. Ob mit dem Ball oder gegen den Ball. Wir standen sehr häufig im Abseits. Wir kamen fast gar nicht über die Außenbahnen durch.“

Die passenden Lösungen kann der Coach bis zum 10. Dezember suchen. Erst dann findet das nächste Ligaspiel statt – zu Hause gegen den TSV Havelse. Nur die Rückkehr von Kapitän Marin Mandic ist bis dahin realistisch. Mandic ist lautstark, hält die Abwehr zusammen, besitzt große Qualitäten im Aufbauspiel. Er ist sicher nicht die einzige Antwort – aber eine gute wäre er schon.

Eintracht Norderstedt: Höcker – Marxen, Coffie, Bauman, Rose – Toksöz, Meien (66. Lüneburg) – Drinkuth (76. Kunath), Meyer, Zekjiri (46. Kummerfeld) – Veselinovic. Tore: 0:1 Kyoung-Rok Choi (31.), 1:1 Marcus Coffie (35.), 1:2 Jan-Philipp Rose (63., Eigentor), 1:3 Irwin Pfeiffer (90.+3). Zuschauer: 495.

Philipp Koch für drei Spiele gesperrt

Es ist nicht die Saison des Philipp Koch. Im Sommer bestätigte die Mannschaft den 27-Jährigen nicht als Kapitän. Marin Mandic gewann die Wahl, Koch ist seitdem sein Stellvertreter. Im Pokal wurde der defensive Mittelfeldspieler unverschuldet zum Synonym für das Aus am „Grünen Tisch“ – zur Erinnerung: In Niendorf hätte er am 3. Oktober aufgrund einer Roten Karte aus der Liga nicht eingesetzt werden dürfen.In der zweiten Partie nach Ablauf der Sperre grüßte beim 0:3 in Lübeck das Murmeltier: Wieder Rot, wieder drei Spiele Sperre. Gegen den SSV Jeddeloh am 16. Dezember dürfte Koch wieder spielen. Im Umfeld des Vereins muss sich der Standardspezialist manchmal anhören, er spiele nur wegen seines Vaters, Präsident Reenald Koch. Der Clubchef kann das nicht mehr hören: „Quatsch! Fußball in der Regionalliga ist knallhartes Business. Wer nicht performt, der spielt nicht. Verwandtschaft spielt keine Rolle.“ Sohn Philipp äußerte sich zu dem Thema nach der DFB-Pokalpartie gegen Wolfsburg (0:1) am 13. August, vor der er für sein 250. Pflichtspiel geehrt wurde, mit feiner Ironie: „Freut mich, dass die Mannschaft einen so Blinden wie mich 250 Spiele lang mitgeschleppt hat. Auf die nächsten 250!“