Norderstedt
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Marcel Hoppe trifft für zwei Clubs

Der 19 Jahre alte Basketballer kann mit TuRa Harksheide und dem Eimsbütteler TV Meister werden

Norderstedt. Einen wie ihn muss es doch mächtig wurmen, zu Hause bei den Eltern auf der Couch zu liegen und nichts machen zu können. Tut es auch, und Marcel Hoppe findet es vor allem ziemlich langweilig, nach Feierabend die am linken Fußgelenk angebrachte Schiene zu betrachten oder zur Linderung der Schmerzen Eisbeutel aufzulegen. Was aber soll er machen? Der 19 Jahre alte Basketballspieler des TuRa Harksheide ist außer Gefecht gesetzt – seine Teamkollegen müssen zwei Wochen ohne den Korbjäger Nummer eins auskommen, nachdem sich dieser in der Oberligapartie beim Eimsbütteler TV II einen Außenbandanriss zugezogen hat.

Damit war sie perfekt, die erste große Enttäuschung für die junge Männermannschaft in dieser Saison. Mit kaum glaublicher Deutlichkeit verlor die Truppe von Trainer Mohammed Atya beim zweiten Team des Eimsbütteler TV mit 54:82 (26:36). Alle anderen Matches hatte man zuvor mehr oder weniger souverän gewonnen.

Wenn Marcel Hoppe genesen ist, könnte TuRa gleich wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Wie schwer es ohne den Youngster wird, zeigte sich gegen den ETV II. Die besagte Szene ereignete sich kurz nach dem Wechsel: Der Außenspieler wurde zu Fall gebracht, verletzte sich und musste vom Feld. In der Folgezeit ging beim Tabellenführer (zwölf Punkte aus sieben Partien) nichts mehr.

Am Abend zuvor war noch alles anders gewesen. Marcel Hoppe, der bis zum 23. Lebensjahr eine Doppellizenz besitzt, die jedes Jahr verlängert werden kann, trat mit der ersten Crew des Eimsbütteler TV in der 2. Regionalliga beim TSV Kronshagen an und half mit beim 92:71-Erfolg; der ETV ist aktuell – genau wie die eine Klasse tiefer auf Korbjagd gehenden TuRaner, Spitzenreiter in seiner Staffel.

Gehobenes Niveau und Erfolge sind für Marcel Hoppe längst der Normalfall. Er spielt eben leidenschaftlich gern Basketball und gilt als eines der größten Talente im Hamburger Jugendbereich, wenn nicht sogar im ganzen Norden.

Bei TuRa war der in zwei Vereinen aktive Norderstedter schon früher am Ball. 2016 versuchte er sein Glück dann beim Zweitbundesligisten SC Rist, wo er in der Pro-B-Liga aber nur fünf Einsätze hatte. Zehnmal saß er auf der Bank. Für die zweite Crew des Wedeler Schulsportvereins (2. Regionalliga) spielte er 16-mal. Nach einer Zusammenkunft mit Teamleiter Christopher Roquette beschloss man die Trennung nach nur einem Jahr.

In den Punktspielen auf tieferer Ebene ist der 1,97 Meter große Youngster – sein Teamkamerad Lasse Rieper liegt mit 2,02 Metern noch etwas darüber – nur schwer zu bremsen. Kein Wunder, dass die Harksheider nach einer durchwachsenen Vorsaison gut drauf sind.

Die Zahl seiner in der gesamten Laufbahn erzielten Punkte kriegt er nicht mehr zusammen. „Diese Saison zähle ich mit“, sagt das Basketball-Ass. In vier Spielen für den ETV waren es 2017 insgesamt 100, in sechs Begegnungen für TuRa 126 – das sind im Schnitt 22,6 pro Spiel.

Im Kindergarten wirdsein Ballgefühl entdeckt

Entdeckt wurde Hoppe vor 15 Jahren von Marcel van Cleef, Erzieher im Integrativen Kindergarten Norderstedt. Der heutige Basketball-Crack versuchte sich zunächst als Handballer beim Norderstedter SV. Mit zehn Jahren war Schluss damit. Marcel, dessen Schwester Maren (14) gern reitet, wollte höher hinaus – das ist ihm gelungen.

Bei allem sportlichen Ehrgeiz will Marcel Hoppe seine berufliche Entwicklung im Auge behalten. 2016 hat er am Gymnasium Harksheide das Abitur gemacht. Derzeit verlässt er morgens gegen 7 Uhr das Haus an der Ulzburger Straße und tritt mit dem Pkw den Weg nach Finkenwerder an, wo er beim Logistik-Unternehmen IGS eine zweieinhalbjährige Lehre absolviert. „Diese Jobausrichtung ist für mich sehr interessant“, so der Korbjäger.

Die Eltern freuen sich über die Entwicklung ihres Sprößlings. Mathias und Heike Hoppe waren 1993 aus Halberstadt (Harz) übergesiedelt und bauten sich in Norderstedt eine Zukunft auf. Der Vater chauffiert seinen Sohn des Öfteren persönlich, damit dieser nicht gestresst zu den Punktspielen erscheint.

Auch das Highlight schlechthin erlebten die beiden zusammen. Im Sommer stand Marcel im NBBL-Allstar-
Team Nord, das in Bonn vor 6000 Zuschauern gegen die Auswahl des Südens kämpfte – und knapp unterlag. Marcel träumt noch heute davon...