Norderstedt
Motorsport

Stephanie Zorn gibt bei jeder Gelegenheit Vollgas

Stephanie Zorn vom Norderstedter AMC ist eine der wenigen Fahrerinnen in der schleswig-holsteinischen Rallye-Szene

Stephanie Zorn vom Norderstedter AMC ist eine der wenigen Fahrerinnen in der schleswig-holsteinischen Rallye-Szene

Foto: Anne Pamperin

Die 38 Jahre alte Rallyefahrerin ist in die Fußstapfen von Vater Ulf getreten. Die Kommandos im Cockpit gibt Co-Pilot Thomas Puls.

Kaltenkirchen.  Dass Stephanie Zorn aus Klein Nordende eine Exotin in ihrem Sport ist, stört sie überhaupt nicht. „Daran sind meine Eltern Schuld. Ich stamme aus einer Rallye-Familie“, sagt die 38 Jahre alte Rennfahrerin, die für den Norderstedter AMC startet. Zorn war als Mädchen Beifahrerin ihres Vaters Ulf. Mittlerweile sitzt sie selbst am Steuer und gehört zu den wenigen Frauen, die sich auf der Piste mit den männlichen Konkurrenten duellieren.

Mit ihrem aufgemotzten Renault Clio II RS – liebevoll „kleiner Nils“ genannt – nimmt die gebürtige Mindenerin pro Jahr an bis zu 15 Rennen teil. Zum Saisonabschluss startete sie mit
31 weiteren Fahrern bei der 48. Rallye Atlantis des MSC Kaltenkirchen.

Bis 2016 saß mit Katrin Telschow eine Frau neben ihr und gab die Kommandos. In diesem Jahr musste sich Stephanie Zorn einen neuen Co-Piloten suchen. Das Naheliegende – nämlich mit ihrem ebenfalls im Rallyesport erfolgreichen Lebensgefährten Martin Schütte ein Team zu bilden – verwarf sie allerdings schnell. „Wir haben beide Varianten ausprobiert. Entweder er oder ich als Fahrer, aber beides hat nicht funktioniert.“

Um den Familienfrieden nicht unnötig zu strapazieren, musste eine andere Lösung her. Mit dem Stuvenborner Thomas Puls (57) fand Stephanie Zorn genau den richtigen Co-Piloten. Und der ist beim Rallyesport extrem wichtig. Der Beifahrer gibt die Anweisungen, ohne die der Fahrer aufgeschmissen wäre.

Viel Zeit bleibt im Rennen nicht: Wer mit bis zu 200 Stundenkilometern auf der Geraden rast, dann plötzlich eine enge Linkskurve fahren und im nächsten Moment eine Rechtskurve anpeilen muss, sollte unbedingt jemanden neben sich haben, der im richtigen Moment die entsprechende Ansage macht.

Was zu beachten ist, notiert sich Thomas Puls im Probelauf vor dem Start. Fahrer und Beifahrer müssen sich hundertprozentig vertrauen können. „Rallyefahren ist ein Teamsport“, sagt Stephanie Zorn, die mit einer guten Platzierung bei der Rallye Atlantis auch in der Gesamtwertung der schleswig-holsteinischen Meisterschaftswertung vorne mitmischen wollte. Zu fahren waren zwei Runden mit jeweils vier Wertungsprüfungen in Schmalfeld, Stuvenborn, Todesfelde und Wittenborn. Die Gesamtstrecke dieser Prüfungen lag bei 70 Kilometern, dazu kamen rund 60 Kilometer Verbindungsetappen. Die Zuschauer freuten sich über röhrende Motoren und waghalsige Kurvenmanöver.

Jan-Felix Puls, der Sohn von Co-Pilot Thomas Puls, stand mit Ehefrau Tanja am Zuschauerpunkt in Stuvenborn und wartete auf den ersten von drei Umläufen des Duos Zorn/Puls. Doch die Familie des Bauunternehmers war vergeblich gekommen; sie bekam telefonisch mitgeteilt, dass das Auto nicht mehr fährt. In der Tat schied Stephanie Puls – wie schon vor einem Jahr – frühzeitig aus.

„Schon in der ersten Wertungsprüfung ist die Kupplung kaputtgegangen. Das Auto musste abgeschleppt werden“, sagte die Versicherungskauffrau, die bei der Sparkasse Südholstein Firmenkunden betreut.

Der Frust war groß. „Diese Saison besteht aus Pleiten, Pech und Pannen“, stellte die Motorsportlerin enttäuscht fest. Auch wenn die Auswertung der SH-Meisterschaft noch nicht veröffentlicht wurde, ist sich Stephanie Zorn sicher, dass der anvisierte Treppchenplatz futsch ist. „Durch den Ausfall fehlt mir ja nun ein Ergebnis. Ich bin sicher aus der Platzierung raus.“

Ein schwacher Trost: Der Siegerpokal der Rallye Atlantis blieb in der Familie. Lebensgefährte Martin Schütte sicherte sich mit Beifahrerin Kerstin David im Mitsubishi Lancer Evo 7 den Gesamtsieg.

Die Verantwortlichen des MSC Kaltenkirchen freuten sich über einen reibungslosen Ablauf und bedankten sich bei allen Helfern, Gemeinden und Behörden für die Unterstützung.

www.rallyeatlantis.de