Norderstedt
Fussball

Dane Kummerfeld: Stammplatz statt Reservebank

Dane Kummerfeld (r.) stand in dieser Saison in allen Regionalliga-Spielen von Eintracht Norderstedt in der Startformation

Dane Kummerfeld (r.) stand in dieser Saison in allen Regionalliga-Spielen von Eintracht Norderstedt in der Startformation

Foto: Anne Pamperin

Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler verkörpert alle Eigenschaften, die Regionalligist Eintracht Norderstedt so erfolgreich machen.

Norderstedt.  Die Szene in der 91. Minute der Regionalliga-Partie gegen den BSV Rehden – sie ist typisch für Dane Kummerfeld. Der Mittelfeldakteur des Fußballclubs Eintracht Norderstedt erobert in Höhe der Mittellinie den Ball, spurtet mit dem Spielgerät am Fuß bis weit in die gegnerische Hälfte die linke Außenbahn entlang, entlastet so die in der Schlussphase schwer unter Druck stehende Hintermannschaft.

Kurz darauf pfeift Schiedsrichter Carsten Wessel (TSV Lamstedt) die Partie ab. Der knappe, aber verdiente 1:0-Erfolg der Eintracht ist perfekt, die nach sieben Punktspielen immer noch ungeschlagenen Hausherren haben den dritten Tabellenplatz verteidigt, ihrer Erfolgsstory in der Serie 2017/2018 ein weiteres Kapitel hinzugefügt – und Kummerfeld bekommt Komplimente.

Die sportliche Entwicklung des 25-Jährigen ähnelt ein wenig dem Märchen vom hässlichen Entlein, das zunächst verspottet und verkannt, später aber zu einem schönen Schwan wird. „Wir hatten vor der Saison lange überlegt, ob wir Dane trotz seines Potenzials noch einmal mit einem neuen Vertrag ausstatten“, sagt Eintracht-Präsident Reenald Koch. Kummerfeld, der seit Sommer 2011 im ersten Team von Eintracht Norderstedt kickt, war in der vergangenen Spielzeit trotz guter Trainingsleistungen kaum einmal über die Rolle des Reservisten hinausgekommen. Ein Platz in der Startformation? Ausgeschlossen.

Trotzdem wurde er bei der Kaderplanung nicht aussortiert. Denn: Der Linksfuß verkörpert alle Eigenschaften, die sein Team aktuell so erfolgreich machen. Er ist trainingsfleißig, kampfstark, diszipliniert, bodenständig, agiert extrem mannschaftsdienlich. Koch: „Dane lebt Eintracht Norderstedt mit Leib und Seele, ist schnell und hat einen phantastischen Schuss.“

Ausgerechnet dem Verletzungspech zweier Kollegen ist es zu verdanken, dass der Groß- und Außenhandelskaufmann, der über die Stationen TSV Wandsetal, SC Eilbek, Bramfelder SV und SC Concordia im Jahr 2009 zu Eintracht Norderstedt kam, dies alles nun auch regelmäßig in der Regionalliga Nord zeigen darf. Weil Linus Meyer (Muskelfasseriss im Oberschenkel) und Kangmin Choi (Knie-OP) zu Beginn der Spielzeit ausfielen, beorderte Coach Dirk Heyne Allrounder Felix Drinkuth auf die zentrale Position hinter der Angriffsspitze, Dane Kummerfeld ins linke Mittelfeld – und dieser nutzte seine Bewährungschance, die er sich mit einer exzellenten Saisonvorbereitung verdient hatte, bravourös.

Woher aber nimmt der 1,84 Meter lange und 81 Kilogramm schwere Dauerrenner mit den formidablen Fitness-Werten die Kraft für seine vielen Sprints, für seinen unermüdlichen Einsatz? „Das ist auch eine Willensache“, sagt Kummerfeld, „ich darf endlich spielen, will unbedingt zeigen, was ich kann. Dafür mobilisiere ich gern die letzten Körner.“

Dirk Heyne registriert es mit Wohlwollen. „Dane wird von allen akzeptiert, mit wachsendem Selbstvertrauen auch spielerisch immer besser. Er geht sowohl nach vorn als auch nach hinten lange Wege. Das ist genau das, was ich auf der linken Außenbahn sehen möchte. In der aktuellen Verfassung ist er ein ganz wichtiger Bestanteil der Mannschaft.“

Manchmal ist der 25-Jährige noch zu sehr Teamplayer

Einziger Kritikpunkt des 59 Jahre alten Fußball-Lehrers: „Er könnte öfter den Abschluss riskieren. Die Gelegenheiten dazu gibt es durchaus, aber da ist er noch zu sehr Teamplayer und sucht den Nebenmann, anstatt einfach mal draufzuhauen.“

Dane Kummerfeld sieht dies genauso: „Ich freue mich riesig über das Vertrauen des Trainerteams, weiß aber, dass ich manchmal etwas mutiger, etwas egoistischer sein muss. Das sagen mir auch die Jungs immer wieder.“

Für den guten Saisonstart von Eintracht Norderstedt hat er zwei einfache Erklärungen. „Wir sind als Mannschaft einfach unglaublich, da ist kein Raum für Egozentriker. Wir halten nicht nur von der Nummer eins bis zur Nummer elf, sondern von der Nummer eins bis zur Nummer 25 zusammen. Außerdem stellt uns der Trainer überragend auf den jeweiligen Gegner ein, und wir setzen die taktischen Vorgaben gut um.“

Nächster Kontrahent in der Regionalliga Nord ist Sonntag (14 Uhr, Adolf-Jäger-Kampfbahn) Aufsteiger Altona 93. Dane Kummerfeld dürfte dann zum achten Mal in dieser Serie in der Startelf stehen. Ein Platz auf der Ersatzbank? Nach Lage der Dinge ausgeschlossen.