Norderstedt

Tim Weidenbecher startet zu den World Games

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Der Ju-Jutsu-Kämpfer vom Norderstedter Verein Kodokan ist am Sonnabend ein Medaillenkandidat in der Gewichtsklasse bis 94 Kilogramm

Norderstedt. „Im Moment bin ich noch gar nicht so richtig aufgeregt. Aber das kommt bestimmt noch“, sagt Tim Weidenbecher (Kodokan Norderstedt). Er ist einer von sieben deutschen Ju-Jutsu-Kämpfern, die von Freitag an bei den schon seit einer Woche laufenden World Games in Breslau (Polen) ins Geschehen eingreifen.

Der 23-Jährige steht am Sonnabend gegen 12 Uhr auf der Matte. Sechs Mann kämpfen in der Gewichtsklasse bis 94 Kilogramm um Gold, das Finale der beiden besten Akteure wird um 17.20 Uhr ausgetragen.

Die Weltspiele der Nicht-Olympischen Wettbewerbe sind der Saisonhöhepunkt für all diejenigen, die eine Exotensportart betreiben. Dazu gehören beispielsweise Faustball, Flying Disc (Frisbee), Tauziehen oder auch das Klettern.

Für Tim Weidenbecher, der seit dem Grundschulalter den Kampfsport Ju-Jutsu betreibt und Anfang Juni in Banja Luka Europameister wurde, ist die Teilnahme an den World Games die Krönung seiner Laufbahn. Welch außergewöhnlichen Stellenwert die Veranstaltung in Polen hat, ist ihm in den vergangenen Wochen immer wieder aufgefallen. Das Interesse der Medien ist größer als sonst. Hier ein Interview, dort ein Zeitungsartikel – über die Aktiven, die an den World Games teilnehmen, wird gern berichtet.

Eingekleidet wurden die Nationalmannschaftsmitglieder in Frankfurt. „Vor den World Games läuft alles ein bisschen professioneller als sonst ab“, so Weidenbecher, den der Presserummel nicht stört. Er genießt es sogar ein wenig, endlich einmal im Mittelpunkt zu stehen.

„Es ist doch schön, wenn auch unsere Sportart mal etwas mehr Aufmerksamkeit als sonst bekommt. Wir schuften nicht weniger als andere Leistungssportler“, sagt Tim Weidenbecher, der sein Hobby, das Ju-Jutsu, keineswegs als ungewöhnlich bezeichnen würde – für ihn gehören die Trainingseinheiten zum normalen Tagesablauf dazu.

Im Dezember 2016 stand fest, dass Tim Weidenbecher zu den World Games fahren wird – zum damaligen Zeitpunkt war er Erster der Weltrangliste. Seitdem hat er täglich an seinen Schwächen gefeilt, manchmal mit Doppelschichten. Sein Ziel ist eine Medaille, sogar Gold ist möglich. Um sich voll und ganz auf den Wettbewerb vorbereiten zu können, hat der Sozialökonomiestudent sogar ein Urlaubssemester genommen.

Los geht’s am heutigen Mittwoch mit einem Mietwagen zunächst in Richtung Hannover. Dort wird Weidenbecher die Koordinatorin für Leistungssport im Deutschen Ju-Jutsu-Verband und World-Games-Siegerin von 2013, Mandy Sonnemann, einsammeln. Zusammen fährt das Duo dann nach Polen.

Für mentale und akustische Unterstützung vor Ort ist übrigens gesorgt: Tim Weidenbecher wird von seiner Familie angefeuert. „Nur meine Oma und mein Opa sind in Breslau nicht dabei. Die mögen sich die Kämpfe nicht mehr ansehen, weil sie es nicht ertragen, wenn ihr Enkel Prügel bezieht und bleiben deshalb lieber zu Hause“, sagt Tim Weidenbecher lachend.

( pam )

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