Norderstedt
Handball

So spartanisch wohnt der Erfolgscoach der HSG Nord HU

Dusko Bilanovic kamvor der Saison vom ART Düsseldorf zur HSG Norderstedt Henstedt-Ulzburg. Nach den Drittliga-Punktspielen fährt er regelmäßig zu seiner Familie nach Aurich, in der Woche  lebt er auf 38 Quadratmetern in Oersdorf

Dusko Bilanovic kamvor der Saison vom ART Düsseldorf zur HSG Norderstedt Henstedt-Ulzburg. Nach den Drittliga-Punktspielen fährt er regelmäßig zu seiner Familie nach Aurich, in der Woche lebt er auf 38 Quadratmetern in Oersdorf

Foto: Thomas Maibom

Trainer Dusko Bilanovic tüftelt die Taktik für die Punktspiele der Drittliga-Männer in einer karg möblierten Wohnung in Oersdorf aus.

Henstedt-Ulzburg.  Damit hätte im vergangenen Sommer nach dem Abstieg des SV Henstedt-Ulzburg aus der 2. Handball-Bundesliga kaum jemand gerechnet: Zur Halbzeit der Drittliga-Spielzeit 2016/2017 grüßt die
HSG Norderstedt Henstedt-Ulzburg von der Tabellenspitze und hat beste Aussichten, in der am 14. Januar beginnenden Rückrunde ein ernstes Wort um die Meisterschaft mitsprechen zu können. Maßgeblich zum Erfolg der neu gegründeten Spielgemeinschaft beigetragen hat Trainer Dusko Bilanovic. Der Serbe ist seit Juli für die Mannschaft verantwortlich und hat mit 13 Siegen aus 14 Partien eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen.

Sportlich läuft es also hervorragend an neuer Wirkungsstätte. Privat zieht es Bilanovic hingegen immer wieder zurück nach Ostfriesland, wo seine Familie lebt. Entsprechend spartanisch eingerichtet ist die nur 38 Quadratmeter große Wohnung in Oersdorf, die der
45-Jähre für seine Aufenthalte in Hen­stedt-Ulzburg angemietet hat und in der er die Taktik für die Drittliga-Punktspiele austüftelt.

„Ich muss mich nicht großartig einrichten, schließlich komme ich nur zum Arbeiten und Schlafen hierher“, erklärt er die weißen Wände und fehlenden Möbel in seiner Unterkunft. „Eigentlich hätte mir auch ein einfaches Zimmer genügt. Nach den Spielen fahre ich immer nach Aurich, um bei meiner Familie zu sein.“ Zurück in den Norden geht’s dann normalerweise dienstags.

Bilanovic hatte einen Komplett-Umzug vor der Saison durchaus in Erwägung gezogen, doch das Abitur von Sohn Marko hat Vorrang. „Leider war ein schulischer Wechsel nicht möglich, weshalb wir uns letztendlich für diese Zwischenlösung entschieden haben.“

Außerdem spielt der Junior erfolgreich Fußball in Aurich – eine Leidenschaft, die er nicht vom handballverrückten Vater geerbt hat. „Ihn hat es während der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gepackt“, sagt Bilanovic. „Auch wenn er mit mir in der Sporthalle aufgewachsen ist, freue ich mich über seine Entscheidung.“

Tochter Jana hat das Abitur bereits bestanden. „Sie studiert Biochemie in Heidelberg. Für ihren Studiengang gehen jährlich über 1200 Bewerbungen ein, aber nur 25 Kandidaten werden ausgewählt“, sagt Dusko Bilanovic stolz. Seine Frau Marja ist Bildhauerin. „Es ist schön, wenn man zu Hause über andere Themen als Handball sprechen kann. Bei meiner Familie kann ich abschalten und auf andere Gedanken kommen.“

Vielleicht ja auch bald gemeinsam in Henstedt-Ulzburg. Bilanovic jedenfalls steht einem längerfristigen Engagement bei der HSG Nord HU offen gegenüber. „Wenn wir uns darauf einigen, warum nicht? Dazu müssen in erster Linie natürlich Ergebnisse und Konstanz auf lange Sicht stimmen. Ich fühle mich wohl hier, und die Arbeit mit der Mannschaft macht sehr viel Spaß.“

Dass sein Team die 3. Liga Nord mit 26:2 Punkten anführt, kommt für „Dulle“, wie Bilanovic in der Szene gerufen wird, ein wenig überraschend. „Es war von Beginn an keine leichte Aufgabe. Zum einen hatten die Jungs nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga eine lange Niederlagenserie in den Köpfen. Sie mussten wieder lernen, zu gewinnen und sich richtig darüber zu freuen. Zum anderen gab es einige Veränderungen und Verletzte im Kader. Mit Jan Peveling fiel beispielsweise unser Stammtorhüter bis zum fünften Spieltag aus – und er ist ein sehr wichtiger Mann für uns.“

Die harte Saisonvorbereitung hat sich ausgezahlt

Mittlerweile ist er aber mit allen Positionen zufrieden, die harte Arbeit während der Saisonvorbereitung hat sich ausgezahlt. „Ich musste den Jungs erst einmal erkläre, wie ich ticke. Dusko Bilanovic möchte immer gewinnen, jede Niederlage tut mir weh.“

Seine Spieler hätten zunächst Schwierigkeiten gehabt, diese Mentalität zu verinnerlichen. „Ich möchte, dass sie mit kühlem Kopf und heißem Herz auflaufen. So konnten wir bereits einige knappe Partien für uns entscheiden.“

Der Serbe blickt der zweiten Saisonhälfte gelassen und optimistisch entgegen. „Ich habe gesehen, was meine Mannschaft leisten kann. Deshalb werden wir unsere klare Linie auch bis zum Ende der Punktrunde nicht verlassen.“

Das Wort „Meisterschaft“ will Dusko Bilanovic trotz der guten Ausgangslage für die HSG Norderstedt Henstedt-Ulzburg trotzdem nicht in den Mund nehmen. „Wir denken nur von Match zu Match, auch wenn um uns herum bereits angeregt spekuliert wird. Bis zum letzten Spieltag am 6. Mai kann ja noch so viel passieren.“

Seine sportlichen Wünsche für 2017 gibt der 1,92 Meter große Bilanovic, der als Aktiver unter anderem für Roter Stern Belgrad, GD Modena, JS Cherbourg, die HSG Wetzlar, die MT Melsungen und die SG Wallau-Massenheim spielte, gerne Preis. „Ich erhoffe mir drei Dinge: Dass meine Jungs gesund und von Verletzungen verschont bleiben, dass wir weiter erfolgreich Handball spielen – und dass unsere Leistungen vom Publikum honoriert werden.“ Es habe ihn schon ein wenig enttäuscht, dass trotz erstklassiger Resultate nur 300 bis 500 Fans zu den Heimspielen gekommen seien. „Die Mannschaft hat mehr Zuschauer verdient.“

Die erste Gelegenheit, um für eine volle Hütte zu sorgen, bietet sich dem Publikum am Sonntag, 22. Januar. Dann empfängt die HSG Nord HU den Tabellenzweiten TSV Altenholz um 17 Uhr in der Norderstedter Moorbekhalle.