Erfolgsgeschichte

Der BSV Kisdorf setzt voll auf den Breitensport

| Lesedauer: 5 Minuten
Anne Pamperin
Ungewöhnliche Geschäftsstelle: Vereinschef Bernd Schenkel (65) führt den BSV Kisdorf von zu Hause aus

Ungewöhnliche Geschäftsstelle: Vereinschef Bernd Schenkel (65) führt den BSV Kisdorf von zu Hause aus

Foto: Anne Pamperin

Das Konzept kommt in der Gemeinde gut an. Seit der Vereinsgründung im November 2011 ist die Mitgliederzahl von 324 auf 590 gestiegen.

Kisdorf.  „Der SC Kisdorf ist pleite!“ Als diese Nachricht im Spätsommer des Jahres 2011 die Runde machte, waren Aktive, Funktionäre und Förderer des Clubs geschockt. Nach Bekanntgabe des Finanzdesasters meldete der Verein alle Mannschaften vom Spielbetrieb ab, die Sportstätten in der Gemeinde wurden vorläufig gesperrt.

Das wollten die Mitglieder nicht hinnehmen. Während der Wettkampfsport kurzzeitig ruhte, wurde hinter den Kulissen schon fleißig an einem Neuanfang gearbeitet. Dabei bildeten sich schnell zwei Lager: die Fußballer und die restlichen Aktiven des früheren SCK. Die Folge: Am 7. November 2011 wurde der Breitensportverein Kisdorf gegründet. Einen Monat später riefen die Fußballer ihren eigenen Club ins Leben; sie kicken seitdem für den SSC Phoenix Kisdorf.

„Wir hatten es damals eilig mit der Neugründung. Nur so konnten wir die Hallenschlüssel zurückbekommen und den Sportbetrieb wieder aufnehmen“, sagt Bernd Schenkel (65) der damals das Amt des Kassenwartes im BSV Kisdorf übernahm. Er ist Mitglied der Jedermanngruppe, die sich schon beim SCK regelmäßig zum Prellballspielen traf und mittlerweile beim BSV immer noch trifft. Der gebürtige Kölner, der seit 1978 in Kisdorf lebt, übernahm im April 2015 den Vereinsvorsitz und löste Volker Wöbber ab.

Der Clubchef ist für die Mitgliederverwaltung, für die Bankgeschäfte und für die Buchhaltung zuständig. Schenkel ist für dieses Aufgabengebiet geradezu prädestiniert, denn er kennt sich mit Zahlen hervorragend aus. „Ich habe Informatik mit Nebenfach Mathematik studiert. In meiner beruflichen Laufbahn habe ich unter anderem Datenbanken programmiert“, sagt der Pensionär. Pro Jahr tätigt er für den Breitensportverein Kisdorf rund 1000 Buchungen. Die Geschäftsstelle hat er der Einfachheit halber in sein Haus verlegt.

Von dort aus führt Bernd Schenkel den Verein. „Wir haben nichts zu verheimlichen und legen großen Wert auf Transparenz. Unsere Finanzen und unseren Haushalt kann jeder einsehen.“ Fachkundige Unterstützung erhält er von Ehefrau Sonja, die ebenfalls Informatik studiert hat und im BSV als Spartenleiterin für Rückengymnastik fungiert.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich der BSV Kisdorf zu einer beliebten Anlaufstelle für alle sportinteressierten Bürger der Gemeinde entwickelt. Hatte der Club 2011 noch 324 Mitglieder, so sind es heute schon 590 – 414 von ihnen leben in Kisdorf. „Der Breitensportgedanke war schon bei der Gründung die Maxime des Vereins, das hat sich nicht geändert. Wenn daraus außerordentliche Leistungen unserer Mitglieder resultieren, versuchen wir, die Sportler so gut es geht zu fördern. Falls sich aber jemand irgendwann einem anderen Verein anschließen will, um sich weiterzuentwickeln, freuen wir uns mit und legen ihm keine Steine in den Weg.“

In der Tat hat der Club in den vergangen fünf Jahren zahlreiche Talente hervorgebracht. Eines der Aushängeschilder des BSV Kisdorf ist der Nachwuchs der Badmintonsparte. Wie gut in der rund 90 Mitglieder starken Abteilung gearbeitet wird, wurde bei den kürzlich ausgetragenen Jugend-Landesmeisterschaften in Schafflund deutlich. Die stolze Ausbeute: zwei Landesmeistertitel, eine Silberplakette und zwei Bronzemedaillen. Bernd Schenkel: „Wir haben unheimlich tolle und engagierte Übungsleiter, die bei den Kindern sehr beliebt sind.“

In anderen Bereichen, zum Beispiel dem Basketball, sind die BSV-Sportler Kooperationen mit anderen Clubs eingegangen. Die Männer treten unter der Bezeichnung BSG Kisdorf/Kaltenkirchen in der Landesliga Schleswig-Holstein an und belegen dort aktuell Platz fünf. Auch die Handballerinnen des BSV schlagen sich in der Landesliga Süd wacker, sind trotz chronischer Personalnot mit zwei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz Tabellenneunter.

Vorbildliche Aktivitäten rund ums Deutsche Sportabzeichen

Besonders stolz ist Bernd Schenkel auf die Aktivitäten seines Vereins rund um das Deutschen Sportabzeichens. „2016 haben wir fast 300 Abzeichen abgenommen. Unter den Aktiven waren viele Schüler. Auch Nichtmitglieder können bei uns das Abzeichen machen. Unsere 17 Prüfer decken die gesamte Bandbreite ab, also auch den Behindertenbereich.“ Der Lohn für das große Engagement: Schon mehrfach wurde der
BSV Kisdorf bei der Sportabzeichenvergabe vom Kreis Segeberg mit Preisen ausgezeichnet.

Sportlich läuft also alles rund beim Verein, der den Breitensport liebt und lebt. Und auch in finanzieller Hinsicht macht sich Bernd Schenkel keine Sorgen. „Der soziale Aspekt ist uns sehr wichtig. Wer Geldprobleme hat und seinen Mitgliedsbeitrag deswegen nicht komplett entrichten kann, darf sich immer an mich wenden. Wir finden dann schon eine Lösung.“

Schenkels größter Wunsch für die Zukunft: „Ab und zu ein wenig mehr Anerkennung – auch von der Gemeindevertretung.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport